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Der Israelit · 1897-12-09 · Heft 97 (9.12.1897) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 97 (9.12.1897)
Date
1897-12-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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M 07. XllTltf Der Israelit. Henlrat-Hrgan für das orthodore Zudenthum. Begründet von »r rf^mamr in Wtsirrr Donnerstag, den 9. Dezember 5658 (1897). Da mit dem 1. Januar 1899 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post daS Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1898 eingetragen unter Nr. 3684. Neu eintretende Abonnenten (Postabonnenten gegen Vorlage der Postquittung) erhalten unser Blatt bis Ende Dezember gratis. _ Leitender Artikel. ZW nemimddrchWen Jahrgang?. Mainz, 7. Dezember. Nur noch wenige Wochen und wir vollenden den achtunddreißigsten Jahrgang dieser Zeitschrift. Achtunddreißig Jahre erscheinen wie eine kleine Ewigkeit, wenn sie vor uns liegen, wenn sie aber vollbracht sind, so vermeint man, daß sie mit ungeheurer Schnellig: feit dahingegangen seien, weil der Gedanke blitzartig auf den einzelnen Moment in der Vergangenheit zurückstiegt unv alles Dazwischenliegende nicht beleuchtet. So stehen in diesem Augenblicke die Zeilen unserer frühesten Kindheit vor unserer Seele. Es waren vielleicht zwei oder drei Jahre vergangen, daß der Vater des gegenwärtigen Schriftleiters, selbst noch fast ein Jüngling, aber voll hoher Begeisterung für Gott und seine heilige Lehre, die Herausgabe dieser Zeitschrift begonnen hatte. Damals wüthete der Kampf der „Reform" auf das Hefügste und Worte, wie „Philippsohn", „Bibelübersetzung", „Judenthumszeitung" u. s. w. klangen unverstanden an unser kindliches Ohr. Es war das die Zeit, daß der Begründer der „Allg. Zeitung für das Judenthum" von einer krankhaften Eitelkeit besessen war, er hielt sich für einen der größten Israeliten unseres Jahrhunderts, für einen Luther oder Calvin des Judenthums. Lange hatte man ihn gewähren lassen. Da trat Dr. Lehmann fc*ssr auf, wies ihm in seiner Bibelübersetzung Hunderte von groben Jrrthümecn und absichtlichen Entstellungen des Gotteswortes nach. Der deutschen Judenheit, die in ihrer übergroßen Mehrzahl dem falschen Propheten blindlings folgte, begannen endlich die Schuppen von den Augen zu fallen, und Philippson ward von der erträumten Höhe hinabgestürzt, auf die ihn eine gedankenlose Menge gehoben hatte. Seine „Judenthumszeitung" fristete dann noch längere Zeit in Bonn ein beschauliches Dasein, aber kein Mensch kümmerte sich mehr weder um sie, noch um ihren Urheber, bis sie Ende der achtziger Jahre selig entschlief. Erheiternd wirkte auf uns ein gerade in dieser Woche erschienener Leitartikel in dem Blatt des Herrn Rudolf Mosse, der den Namen der eingegangenen Iuoenzeitung später adoptirte. Der Artikel trägt die Ueberschrift „Der Fortschritt des Rückschritts" und beklagt, daß durch die Jahrzehnte lange Unthätigkeit des jüdischen Freisinns, der vor lauter Kampf nach Innen und nach Außen keine Zeit zum Kämpfen übrig hatte, die Orthodoxie so große Fortschritte gemacht habe, daß eine große Reihe früher liberaler Gemeinden heute gesetzestreue Rabbiner zu ihren Führern hätten. In possierlicher, an den Circus erinnernder Weife wirft sich der Verfasier stolz in die Brust und theilt seinen wenigen darob sehr erstaunten Lesern mit, was seine Zeitung und ihr Begründer seit sechzig Jahren Alles geleistet hätten. Nur sei leider seit einiger Zeit ein Stillstand in ihrer Thä« trgkeit eingetreten und deßhalb hätte der Rückschritt so große Fortschritte machen können, jetzt aber wollten sie frisch anfangen zu arbeiten, um dem Rückschritt das gewonnene Terrain wieder zu entreißen, das er mit Unrecht besetzt halte. Nun wir fürchten

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