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Der Israelit · 1897-12-02 · Heft 95 (2.12.1897) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 95 (2.12.1897)
Date
1897-12-02
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXVHL Jahrgang. Zweite Srilage M M W des „Israelit“. Zettung-nachrichre« unv Eorrefpondenze«. Deutschland. Berlin. Der „Centralverein für die Interessen der jüdischen Gemeinde" hielt am 18. v. Mts. in Kellers Feflfälen, Köpnikerstraße eine Versammlung ab, welche außerordentlich stark besucht war. Die Verhandlungen beschränkten sich diesesmal nicht auf einen einzigen Gegenstand, sondern brachten Fragen verschiedenartigster Natur zur Diskusston. Zunächst berichtete Herr Leonhard Sachs, Repräsentant der jüdischen Gemeinde, über den gegenwärtigen Stand der Rabbinerwahl. Als vor zwei Jahren die Stelle ausgeschrieben wurde, liefen 82 Bewerbungen ein, von denen ein großer Theil der eingesetzten Kommission von vornherein als nicht geeignet erschien, einige der Herren wurden zu Gastpredigten bekanntlich berufen, ohne daß eine Wahl erfolgte. Die Meinungen hinsichtlich der religiösen Stellung dcs zu berufenden Rabbiners gingen damals noch weit auseinander. Erst später, als durch die Wahlen zur Repräfentanten- Verfammlung die Zusammensetzung der Kommission eine andere wurde, einigte man sich bei allen in Frage Kommenden auf einen Rabbiner orthodoxer Gesinnung. Die Rabbiner Dr. Werner—München und Dr. Horowitz—Frankfurt a. M., auf welche man in erster Reihe reflectirt, lehnten eine Berufung ab. Am Schemini Azereth weilte eine Deputation in Breslau, um mit Herrn Rabbiner Dr. Rosenthal Unterhandlungen zu pflegen, die einen günstigen Erfolg zu versprechen schienen. Der genannte Herr, der bei aller religiös-konservativen Gesinnung seiner eigenen Versicherung nach tolerant gegen Andersdenkende ist, sollte von einer Gastpredigt entbunden sein, auch war man in materieller Beziehung zum weitesten Entgegenkommen bereit Herr D.r. Rvsrnihal sollte seinem eigenen Wunsche gemäß nur in den Synagogen ohne Orgel predigen, auch sollten die religiösen Institutionen, Schechita, Mikwa u. s. w. seiner speziellen Beaufsichtigung unterstehen. Die Deputation reiste damals nach Berlin zurück in dem zuversichtlichen Glauben, für Berlin einen Rabbiner gefunden zu haben, die Kommission stimmte ihrem Vorschlag zu und auch der Vorstand erklärte sein Einverstänoniß mit dieser Wahl. Da traf aus Breslau die Ablehnung des Gewählten ein, Herr Dr. Rosenthal erklärte, daß er angesichts des Sturmes von Liebesbezeugungen seiner Gemeinde anläßlich seiner Wahl zum Rabbiner in Berlin es nicht übers Herz bringen könne, seine Gemeinde zu verlassen Demgemäß befinde sich, bemerkte der Referent, zur Zeit die Frage der Rabbinerwahl wieder auf dem alten Fleck. Doch gebe man die Hoffnung nicht auf, für Berlin einen Rabbiner zu finden. Die Frage sei schwer zu lösen, weil das Material, das man suche, nicht gerade im Ueberfluß vorhanden sei. Dennoch dürfe man de« Glaubens und der Zuversicht leben, daß doch noch für unsere Gemeinde ein geistliches Oberhaupt gefunden werde, welches den Wünschen und Anforderungen entspräche, wie sie speziell in diesem Verein zu Tage getreten seien. (Großer Beifall.) Herr Lew'.n, der sodann das Wort ergriff, erblickte die Schwierigkeiten, die bis auf den heutigen Tag bezüglich dieser Frage obwalteten, in dem Widerstand des hiesigen Rabbinais, hinsichtlich des Verhälmisses der Änciennität Aenderungen gegen früher zuzulassen und der daraus resultirenden Befürchtung des zu Bernsenden, mit seinen Amtskollegen in Disharmonie leben zn müssen. Die weitere Diskussion war nicht sehr erheblich mehr, erwähnenswerth erscheint die von Herrn Schayer ausgesprochene Ansicht, die in der Versammlung vielen Anklang fand, der Vorstand, der, wie das bei seiner bekannten und seit langen Jahren belhäiigten Gesinnung ja nur allzu natürlich fei, habe sich widerwillig und gezwungen zu der Ernennung eines konservativen Rabbiner bereit finben lassen, möchte die ganze Angelegenheit bis zu den Repräsentantenwählen im Jahre 1898 hinauszögern, um dann, falls diese Wahl eine andere Majorität ergeben sollte, die ganze Sache versumpfen zu lassen. Herr Klausner vertrat einen ähnlichen Standpunkt. Unter scharfen Angriffen aus den Gemeinde- Vorstand ersuchte er die Versammlung dafür zu sorgen, daß .die nächstjährigen Reprasentantenwahlen noch besser ausfielen, wie die letzten. Gegen wenige Stimmen wurde eine Resolution angenommen, welche die in Rede stehenden Gemeindcorgane auffordert an der Wahl eines gesetzestreuen Rabbiners festzuhalten und die Angelegenheit etwas mehr zu beschleunigen. Hierauf sprach Herr Conrad Schayer noch einmal. Er behandelte gewisse Erscheinungen, welche an den letzten hohen Feiertagen sich bemerkbar gemacht. Insbesondere bemängelte er die Auswahl der Kandidaten, denen an diesen Tagen das Predigtamt übertragen worden sei. Von vornherein rügte er unter allgemeiner Zustimmung der Versammlung, daß die Auswahl dieser Herren einzig und allein Herrn Dr. Maybaum überlassen bleibe, der sich wiederum nur aus Zöglinge der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums beschränke. Unter diesen jungen Leuten seien verschiedene, die ans die Kanzel einer jüdischen Gemeinde nicht gehörten, da

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