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Der Israelit · 1897-12-02 · Heft 95 (2.12.1897) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 95 (2.12.1897)
Date
1897-12-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXVIII. Jahrgang. M 05 Der Israelit. Ein Aenlrat-Hrgan für das orlHodore Zudenthum. Begründet von Dr ^omnn in Mvltnz Donnerstag, den 2. Dezember 5658 (1887). sü- Eine Mnvlr abonnirt man bei allen Poftanstalten für den Monat W Dezember 8 auf den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-ZeitungSfchalter deS Wohnortes des Bestellers oder bei dem betreffenden Landbriefträger aufgegeben werden. Die Expedition des „Israelit". Leitender Artikel. Die jSewuth im Geist der iiid. Kitteulrhrr. Von Rabbiner H. Galandauer in Soborten'(Böhmen). III. Des Demüthigen feste Zuversicht ist es, daß die hochmüthigen Redner zuletzt doch verstummen müssen, und daß für die Bescheidenen der Triumph und die Genugthuung nicht ausbleiben. „Der Herr macht zu Nichte die stolzen Worte, die großsprecherischen Zungen, die da sagen, unsere Sprache muß siegen, wer ist Herr über uns." (Das. 12, 4—5.) Darum lasse dich nicht blenden von menschlicher Größe, vertraue nicht auf menschliche Macht, stütze dich nicht auf die Gnade des Fürsten, der selbst nur ein hilfioser Mensch ist, denn wenn sein Geist dahin ist, kehrt er wie jeder Sterbliche zur Erde zurück und alle seine Pläne und Anschläge sind verloren. (Das. 146.) Besser ist es auf den Gott Jacobs zu vertrauen und auf Ihn seine Zuversicht zu setzen, Er, der Himmel, Erde und Meer und alles was darin ist, geschaffen, Er, der die Gebeugten aufrichtet, und die gebrochenen Herzen heilet. (Das.) Gleich seinem großen Vater, hält auch Salomo den Stolz für gleichbedeutend mit dem Laster der Gottlosigkeit. Nach seiner Ansicht ist das Eine die natürliche Folge des Anderrn. Hohe Augen, falsche Zungen, Hände, die unschuldig Blut vergießen (Sprüche 6, 17.), das ist der Hochmuth in seiner Entwickelung, in seinen Consequenzen. Der weise Denker auf dem Throne hat einen scharfen Blick für die Schwächen der Menschen, wie dieselben in der Niederung der Gesellschaft oft sich zu zeigen pflegen. Die Menge ist denkfaul, hat kein Uriheilsvermögen; sie läuft dem Erfolg nach, huldigt dem Schein, dem Glanz, der Pracht und läßt sich durch Aeußerlichkeiten täuschen, sie kriecht vor der Macht im Staube, betet die Gewalt an und hält die irdischen Güter für wirkliche Schätze. Wer nichts hat, nichts besitzt, als nur Tugend allein, der ist gering geschätzt und mag er die größten Verdienste haben. Der Schwache, der Hilflose, der Arme, er darf überall und von Jedem ungestraft geschädigt werden, stolzen Blickes darf Jeder auf ihn herabblicken und hochmüthig ihm sein Recht versagen. Wie kann er sich helfen? Er darf es nicht einmal versuchen sich zu wehren. „Selbst die nächsten Angehörigen Haffen den Armen, der Reiche aber hat gar viele Freunde." Sündhaft ist es, seinen Nächsten deßhalb geringzuschätzen; hingegen aber ist es edel, dem Demüthigen und Bescheidenen mit Wohlwollen zu begegenen. (Das. 14, 20— 21.) Denn wer des Dürftigen spottet, der lästert seinen Schöpfer. (17, 5) Solches vermag der Mensch nur aus Dünkel, aus Selbstüberschätzung zu thun, der sich seines Vermögens sicher dünkt, der glaubt der Herr seines Geschickes zu sein und das Glück in seiner Macht zu haben. Deshalb sind stolze Augen, hochmüthiges Herz, die Leuchte der Gottlosen, Sünde und Verbrechen (Das. 21, 4), ihr Reichthum hat keinen Bestand, ihre Güter werden ihnen entrissen, der Stolzen Haus wird zertrümmert, die Grenzen der Wittwe, der Schwachen und Armen

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