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Der Israelit · 1897-11-25 · Heft 93 (25.11.1897) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 93 (25.11.1897)
Date
1897-11-25
Page
– (sequence 18)
Language
German
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me So liegen die Dinge, aber warum? Warum werden arme Kinder nicht in derselben Zahl ausgenommen, wie vermögende? Vielleicht deßhalb, weil hier vorläufig allgemein die Ansicht herrscht, daß die Alliance-Schule gute Erfolge aufweisen werde? Dieser guten Meinung soll nun durchaus nicht widersprochen werben. Im Gegentheil, dieser Umstand bildet einen Grund mehr, um Klage zu führen gegen die ausschließliche Aufnahme von bezahlenden Kindern. Denn was sollen die jüdischen Eltern thun, die nicht in der Lage sind, für ihre Kinder das nöthige Schulgeld zu entrichten, denen aber das JudenthUm noch so sehr am Herzen liegt, daß sie den innigsten Wunsch hegen, auch ihre Kinder in der jüdischen Religion Und Geschichte gut unterrichtet zu sehen? Ja, Schulen blos für zahlende Kinder reicher Eltern zu entrichten, kann unmöglich die Aufgabe der philantropischen Alliance sein. Auch muß ein solche» Thun ganz gewiß in erafsem Widerspruche mit ihren fundamentalen Prinzipien stehen. Und dann: solche Schüler, die zahlen können, suchen ja gewöhnlich lieber christliche Anstalten auf, um da, wie überall, für ihr gute» Geld, wenn auch Nicht immer bloS unzweideutige Hänseleien und Spötterei zu erleiden, so doch sehr oft einen Unterricht von in mancher Beziehung recht zweifelhaftem Werthe zu erhalten. Schon darum sind die Alexandriner Juden, die in der Gesellschaft eine sehr schöne Stellung einnehmen und die, als meist noch warme Anhänger ihrer Religion und eifrige Verfechter ihres Glaubens, auf ihre Ehre viel haften und auf ihre Menschenrechte für keinen Preis verzichten, in der Thal sehr froh, eine Schule ihr eigen zu nennen, wo ihre unschuldigen Kinder keiner verwerflichen Behandlung von Seiten der Lehrer und Mitschüler ausgesetzt sind. Solche Gefühle sind sehr lobenswerth und jeglicher Ausdruck derselben verdient hohe Anerkennung. Aber warum soll der arme Mann nicht eben auch in diese Möglichkeit versetzt werden, soll er sich nicht ebenfalls dieser angenehmen Lage erfreuen? Leidet sein jüdisches Vaterherz nicht gleichviel, vielleicht noch mehr unter den kränkenden Erniedrigungen, die sein Kind oft unschuldig ertragen muß? Ist es ihm etwa minder unangenehm, wenn dasselbe in der Missionsschule wiederholt von zahllosen unverständlichen Ueberredungsversuchen gequält und in den jesuitischen Anstalten gezwungen wird, alle religiösen Uebungen mitzumachen und am Sonntag dem Gottesdienst in der Kirche beizuwohnen? Um nun in dieser Richtung nach Kräften Abhilfe zu leisten, ist dazu nicht eben unser philantropischer Weltbund vorhanden? Seit beinahe vier Jahrzehnten erfüllt derselbe seine Pflichten in dieser Weise, und jetzt soll plötzlich Aenderung hierin eingetreten sein? Die segensreiche Thätigkeit vieler Jahre soll mit einem Male andere Bahnen einschlagen? Es wäre eine ungeheuerliche Unterschiebung, dergleichett Behauptungen auch nur aufstellen zu wollen. Im Uebrigen kann es ja unmöglich im Interesse der Alliance liegen, noch ihre Absicht sein, sich durch eine solche Handlungsweise fortan auszuzeichnen, die geradezu eine eigenhändige Bloßstellung vor aller Welt wäre. Darum ist nur anzunehmen, daß der Leiter der neuen Alliance-Schule in Alexandrien falsch verstandene Bestimmungen befolgt, wenn auch die Ansicht statthaft wäre, daß er, von allzu großem Eifer getrieben, die Einkünfte möglichst hoch zu schrauben, nur zahlungsfähige Kinder aufnehmen will. Wie dem nun auch fei, eine Thatfache, die nicht länger verschwiegen und verborgen bleiben konnte schon in Folge der lauten und berechtigten Klagen vieler armer Leute, ist somit in aller Oeffentlichkeit zur nöthigen Kenntnißnahme gebracht und eine heilige Pflicht zugleich erfüllt worden. Nun liegt er einzig und allein an dem guten Willen der Centralleitung in Paris, in die Sachlage eine Wendung zu bringen.und eine Besserung zu schaffen. Die neue Schule muß von der falschen Bahn, die sie gegenwärtig einschlägt, noch rechtzeitig abgelenkt werden. Dann wird auch der Fehler, welcher begangen, und der Uebelstand, welcher geschaffen wurde, schnell beseitigt fein. Indem schließlich der Hoffnung Ausdruck gegeben wird, daß die vorgebrachten mißlichen Thatfachen Abhilfe finden, mag noch der Wunsch ausgesprochen werden, daß in Zukunft dieselbe menschenfreundliche Theilnahme und dieselbe wohlwollende Behandlung den armen aschkenastschen, wie den bedürftigen fephardischen Kindern widerfahren möge! Denn in dieser Beziehung ist im ganzen Oriente schon sehr viel gefehlt worden, und es wären Einzelheiten zu berichten, die auf die deutschsprechende Judenheit der ganzen Welt einen nicht geradezu angenehmen Eindruck machen würden. Aber auch die „Alliance Jsraelile Universelle ' würde ihre Rechnung nicht dabei finden. Vermischtes. E.R. Berlin. 18, Nov. Sr. Majestät der Kaiser beehrte bei seiner Anwesenheit in Königshütte auch Herrn Rabbiner Dr. Gold sch midt mit einer Ansprache. Der Kaiser erkundigte sich nach der Zahl der jüdischen Einwohner, ihrer Beschäftigung und erwähnte auch der Synagoge in Nürnberg, die einen sehr guten Eindruck in ihm zurückgelassen habe. Jerusalem. Ein Telegramm aus Constantinopel meldet, daß der Gouverneur von Jerusalem, Jbraham Chaki Pascha, der seit 8 Jahren das Paschalih verwaltet, zurückberufen ist. Tcwok Bey, aus dem Finanzministerium hervorgegangen, ist sein Nachfolger.

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