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Der Israelit · 1897-11-25 · Heft 93 (25.11.1897) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 93 (25.11.1897)
Date
1897-11-25
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXTUI, Jahrgang. Zweite Kkllage des „Zsriletit". Zeitungsnachrichterr und Correfpondenze«. Deutschland. Berlin. Folgende Petition an den Vorstand der jüd. Gemeinde wird in hiesigen orthodoxen Kreisen vorbereitet: „Die Alte Synagoge ist gegenüber den einschneidenden Veränderungen, die der Gottesdienst in den Synagogen der hiesigen Gemeinde erfahren hat, eine Stätte geblieben, in welcher die uns durch Religionsgesetz vorgeschriebenen gottesdienstlichen Einrichtungen gewahrt worden sind. Es ist bekannt, daß der Gemeindevorstand daran nicht rütteln will. Damit ist aber nicht in Einklang zu bringen, daß der Jugendgottesdienft auch in der Alten Synagoge in Formen abgehalten wird, die dem Religionsgesetz und der geheiligten Ueberlieferung nicht entsprechen. Die Art der Vorlesung aus der Thora, der Inhalt der Gebete, sowie die Art des Vortrages derselben verletzt unser religiöses Gefühl. Mehr noch als für uns, müssen wir für unsere Kinder eintreten; wir verlangen darum, es möge dafür gesorgt werden, daß die Kinder strenggläubiger Eltern den Gottesdienst in der ihrer Erziehung entsprechenden Weise verrichten können. Die Gebetordnung für den in diesem Jahre zum ersten Male eingerichteten Jugendgottesdienst an den hohen Feiertagen hat unser Gefühl auf's empfindlichste verletzt- Auch hierbei ist jede Rücksicht auf die religiös gesinnten Familien außer acht gelassen worden. Wir beantragen: 1. Der „Alten Synagoge" ihren Charakter zu wahren und in ihr nur einen solchen Jugendgottesdienst zu veranstalten, wie er den Anschauungen strenggläubiger Eltern entspricht. 2. Dafür Sorge zu tragen, daß zu den hohen Feiertagen ein angemessener Jugendgottesdienft eingerichtet werde, der dem Geiste unserer geheiligten Überlieferungen entspricht. — Bei dieser Gelegenheit richten wir an den verehrt. Vorstand das Ersuchen, die Wahl eines gesetzestreuen Rabbiners nicht länger hinauszuschieben. Seit Jahresfrist hoffen wir, daß die Wahl erfolgen werde. Wir haben den guten Willen des verehrlichen Vorstandes dankbar anerkannt, sind aber durch die Verzögerung dieser wichtigen Angelegenheit sehr beunruhigt und erwarten von dem Gerechtigkeitssinn des Vorstandes, daß er unser berechtigtes Verlangen so schnell als möglich erfüllen werde." Egypten. ** Alexandrien, 12. Nov. (Die neue Alliance-Schule in Al exand ri e n.) Neulich wurde in diesen Blättern die Nachricht von der Neueröffnung einer Allianee-Schule in Alexandrien gebracht. In diesen wenigen Worten bestand, trotz der eigentlichen Bedeutung einer solchen Gründung, die ganze Mittheilung, und mit keinem Worte wurde gesagt, aus welchem Grunde und zu welchem Zwecke die philantropifche Gesellschaft in dieser Stadt, wo es durchaus keinen Mangel an sehr guten Schulen gibt, eine neue Anstalt ins Leben gerufen hat. Es ist dieses nicht, wie man glauben könnte, die erste jüdische Schule, die hier existirt. Seit vielen Jahren bestehen vielmehr deren zwei, die nach ihren Begründern Menasee- und Aghion-Schule heißen. In beiden werden, wie Bloch's Wochenschrift berichtet, die Schüler unentgeltlich unterrichtet. Trotzdem besucht die Mehrzahl der jüdischen Kinder christliche Schulen, deren Zahl so groß ist. Es ist wahr, sie empfangen in denselben eine in weltlicher Hinsicht wirklich gediegene Ausbildung, so daß sie bei ihrem Austritt leicht Aufnahme in hiesige große Handelshäuser und Verwaltungen finden. Dagegen werden sie dem angestammten Glauben ganz und gar entfremdet. Ist nun die Alliance-Schule in der Absicht gegründet worden, diesem thatsächlich sehr großen Uebelstande dadurch abzuhelfen, daß man den jüdischen Kindern neben einem nützlichen weltlichen Unterrichte auch eine gute religiöse Erziehung angedeihen lassen wolle? Wer die edlen Ziele und hohen Bestrebungen der israelitischen Vereinigung kennt, wird es gar niemals wagen, hiervon das Gegentheil anzunehmen. Und doch macht diese neue Anstalt eine Ausnahme. Warum werden blos zahlende Kinder ausgenommen? Warum beträgt das Minimalschulgeld monatlich 6.50 Francs? Wer diese Summe nicht entrichten kann, für dessen Kind bleiben die Pforten dieser Bildungsanstalt verschlossen. Das ist auf jeden Fall sehr traurig, wenn man bedenkt, daß alle christlichen Schulen jüdische Kinder unentgeltlich aufnehmen, sobald nur die Eltern erklären, daß sie nicht zahlen können. Diese abweisende Haltung der neuen Schule bringt also den armen Kindern der Glaubensgenossen nicht nur keinen Nutzen, sondern schadet denselben in großem Maße, weil es selbstverständlich für die anderen Anstalten verdrießlich ist, zu sehen, wie die jüdische Schule jüdischen Kindern ihre Thüren zumacht, wenn sie nicht zahlen können. Wenn im eigenen Lager Duldsamkeit und Menschenliebe nicht obwalten, wird in Zukunft ein ablehnende» Betragen auch ihrerseits einen solchen Vorwurf nicht mehr Hervorrufen können. Thatsächlich ist dies seit Wiederbeginn des Unterrichtes in manchen Schulen bereits der Fall, wo bei dem Wunsche um unentgeltliche Aufnahme auf die neue Alliance-Schule in bezeichnender Weise verwiesen wurde.

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