Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 92 (22.11.1897)
- Date
- 1897-11-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXTUI. Jahrgang. <r<*Gr M 9». Der Israelit. Ein Kentrat-Hrgan für das orthodore Iudenthum. Begründet von ör. in Utatnf Montag, den 22 November 5658 (18S7). s°r Eine Mnvkr abonnirt man bei allen Postanstalten für den Monat W Dezember W auf den „llsrmeNt". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-ZeitungSschalter deS Wohnortes des Bestellers oder bei dem betreffenden Landbrieftrager aufgegeben werden. Dir Erpe-ition ües „Israelit". Leitender Artikel. Dir Vemth iw Grifl der jüd. Ktltenlrhre. Von Rabbiner H. Galandauer in Soborten (Böhmen). Wir haben in Aufsätzen früherer Jahrgänge dieser Blätter*) die Grundsätze der jüd. Lehre über Demuth und Bescheidenheit in d e r Weise auseinandergesetzt, daß diese Tilgenden nicht bis zur Selbstverachtung, bis zur Erniedrigung der eigenen Menschenwürde ausarten dürfen, wenn sie dem Geiste unserer Lehre wirklich entsprechend ausgeübt werden wollen. Jedermann soll vielmehr ein gewisses Maaß von Selbstachtung, von Selbstbewußtsein in seinem Innern sich bewahren, die Gottesebenbildlichkeit, den göttlichen Theil in seiner Persönlichkeit erkennen und werthschätzen. Insbesondere der Gelehrte, der Mann der Wissenschaft ist verpflichtet, seine Standesehre strenge zu wahren, als würdiger Vertreter und Diener des Gotteswortes vor der Welt dazustehen. Er soll für Jeden zugänglich sein, aber nicht Jedem sich hingeben, er sei Jedermanns Freund, aber nicht *) Vergl. Nr. 37, 37. Jahrgang. in intimer Vertraulichkeit mit Jedem, er gebe Jedem seine Ehre, aber vergebe dabei nichts von seiner Würde; eine vornehme, edle, freundliche und bescheidene Zurückhaltung, ein würdevolles und zugleich demüthiges Auftreten, ruhige Gemessenheit und richtiges Taktgefühl, das find die äußeren Vorzüge, die jeder Ben-Thora besitzen soll, wenn er von der großen Welt geehrt und geachtet sein will. Der Talmid Chacham aber, der sich diese Eigenschaften nicht zu eigen zu machen versteht, und dort überall anzutreffen ist, wo er nicht sein soll, und all daspricht, was er nicht sprechen soll, der wird nie die gebührende Achtung und Ehre finden und wenn er ein Gelehrter wie Moscheh Rabbenu selbst wäre. Ein Mann der Wissenschaft darf nicht in jeder Gesellschaft zu sehen sein, er darf nicht in jeden Zirkel sich mischen, nicht an jedem Tische sich niederlassen, nicht Jedermanns Gast sein, er hat überhaupt Alles zu vermeiden, was nur im Geringsten geeignet wäre, seine Standesehre herabzuwürdigen; wer aber keine Rücksicht auf seinen Stand nimmt, und sich hinwegsetzt über jede Zurückhaltung und in seinem Verkehr mit der Welt, den Anstand nicht zu wahren weiß, der schädigt schwer die Würde der Thora, der trübt den Glanz unserer hehren Gotteslehre, der untergräbt seine Wohlfahrt und die Existenz seiner Familie, der bringt Hader und Streit in die Welt, dessen belehrende Worte werden nicht angehört, er entweiht den göttlichen Namen und bringt sich, seine Ahnen unv seine Descendenz in Verruf. (Peßachim 49, a.) Man sei stets darauf bedacht, immer nur in besseren Kreisen zu verkehren, d. h. nicht etwa in besseren Kreisen im landläufigen Sinne, welche materiell besser situirt sind und die Thorheiten^der Welt, wie Luxus, Pracht, Eitelkeit und anmaßenden Stolz besser zu entfalten vermögen, sondern in^Kreisen, welche besser in Tugenden und edler Gesinnung