Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 91 (18.11.1897)
- Date
- 1897-11-18
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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r?t <&rv.ViFT'?*-T** * XXXVIII. Jahrgang. Zweite Beilage M M 91 ües „3srariir. ZeitungSn«chrtchren und «Korrespondenzen. England. London. 15. November. („R e i ch t h u m" der Juden Englands.) „Sind die Juden, als Volk betrachtet reich? (Are Jews as a people rieh?)‘\ ist die interessante Frage, deren Losung das angesehene Londoner volkswirtschaftliche Wochenblatt „The Statist" in seiner letzten Ausgabe unternommen hat. Es wollte die Richtigkeit der seit längerer Zeit zur allgemeinen Annahme gelangten Behauptung erproben, daß der jüdische Reichthum zwei-, drei-, ja sogar sünsmal so groß sei, als der irgend eines anderen Volkes, mit anderen Worten, daß die Juden, als Volk betrachtet, mit irdischen Gütern viel reichlicher gesegnet sind als andere Völker. Eine umfassende Enguele wurde eingeleitet, Informationen wurden in allen Kreisen der Bevölkerung eiugezogen und ein geradezu enormes statistisches Material gesammelt und gesichtet, mit dem Resultate, daß der „Statist"^ zur Ueberzeugnna gekommen ist, daß die Juden, als" Volk betrachte!, nicht reich sind, daß sich in ihren Reihen eine größere Anzahl armer Personen befinde, als unter den Bekennern irgend eines anderen Glaubens, so daß der Prozentsatz des durchschnittlichen Reichthums des jüdischen Volkes weit geringfügiger ist als bei anderen Völkern. Selbst in England, wo es ohne Zweifel eine Menge reicher Juden gibt, deren Reichthum im Gegensätze zu den coutinentalen Vermögen auffallend in die Augen springt, ist die durchschnittliche Höhe dieser jüdischen Millionenvermögen weit niedriger als bei den andersgläubigen Millionären. Reichtbum ist eben ein relativer Begriff, welcher ein gegenüber den eigenen Bedürfnissen und dem Besitz Anderer verhälinißinäßig großes V er tu ö g cu b ejcidi net. Die jüdische Geld-Aristokratie Englands besitzt einen enormen Reichthum, der nichtsdestoweniger recht bescheiden aussteht, wenn verglichen mit dem Reichthum der englischen Geburts-Aristokratie. Es geht dies besonders deutlich daraus hervor, wenn man die gerichtlich registrirten Verlassenschafien von Verstorbenen in den Vereinigten drei Königreichen in Betracht zieht und mit einander vergleicht. Die Statistik dieser gerichtlich registrirten Verlassenschasten zeigt, daß von den 70 bis 80 „gewöhnlichen" und Erz- Millionären, die jahraus jahrein in England die Reise nach dein unbekannten Jenseits antreten, kaum ein Fünftel dem jüdischen Glauben angehört. Der „Statist" hat sich der Mühe unterzogen, eine Statistik der verstorbenen jüdischen Millionäre Englands anzufertigen, nebst Höhe des hinterlaffenen Vermögens, auf welches die probate duty (Verlaffenschafissteuer) gerichtlich eingehoben wurde: Pfd. St. 1879. Baron L. de Rothschild 2,700.000 1887—88. Baron.üerimm be Stern 3,544.000 Joses Moses Leon 475.000 Lionel Louis Eohen 423.447 Baroneß Vetty de Rothschild 377.000 Samuel Jsaac 283.065 Morris Josephs 126.000 1889—90. Hanna Lavy Roseberry 719.875 Julius Behrens 420.318 Sir Benjamin Fandet Phillips 291.282 Philipp Lucas Leon 255.000 David de Paß 139.722 1891—92. Charles Kcyfer 957.566 Henry Solomons 26L.320 Samson Werthermer 377.789 Samuel Hyam 118.049 Moß Joshua 108.000 1893—94. Simeon Marburg 230.834 David Benjamin 250.136 Hermann Ludwig Eckstein 146.000 Henry Louis Eohen 127.000 Jonas Levy 133.021 George Samuel 470.723 Samuel Salomon 3/7.858 1895—96. Barou Maurice Hirsch 1,372.163 Sir Julian Goldsand 974.453 Meyer Salaman 280.120 Sir Albert David Sassoon 259.890 Edwin Lewin 261.518 Arthur Sebag Montesiore 109.356 Henry Nathan 153.404 1897. Barnet Jsaacs Barnato 960.119 In den letzten zehn Jahren 1887—1897 sind nach dieser authentischen Zusammenstellung in England 31 jüdische Erz-Millionenverinögen gerichtlich regfftrirt worden, nämlich Hinterlassenschaften von 100.000 Pfund Sterling und darüber, gletch zehn Millionen Gulden in Gold nach österreichischem Gelse. Die Zahl der nichtjüdischen Verlassenschasten von über 100.000 Pfund Sterling übersteigt jedoch in einem einzigen Jahre regelmäßig nur das Doppelte die jüdischen Hinterlaffenschaften eines ganzen Jahrzehntes. Und während die jüdischen Mittelklaffen nur sehr mäßige Summen hinterlaffen und die unteren Klassen sogar im tiefsten Elend ihren Geist aufgeben, weisen die gerichtlich publicirten Testamente der andersgläu-