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Der Israelit · 1897-11-15 · Heft 90 (15.11.1897) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 90 (15.11.1897)
Date
1897-11-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1713 lehrrrvcrcm hat ihn daher zu seinem l^hrrnmitgliebc ernannt. Der Verstorbene hinterläßt zwei Söhne, von denen der eine Advokat, der andere Arzt ist, sowie mehrere schon vcrheirathete Töchter. Das Leichenbegängnkß fand am Sonntag, den 7. d. Mts. statt. FseuMeton. Die Stunde der Vergeltung. Von Paul Gotthclf. 17) sAlle Rechte Vorbehalten.^ Rasch gab der General seine Befehle. Der Franzose wurde zurücktransportirt und über die Vorpostenkette mit dem Bemerken gejagt, daß er, wenn man ihn wiederträfe, erschossen werden würde. So rasch er konnte, entfernte sich der junge Mann; er wußte nicht, daß er den Tod im Herzen trug und begriff nicht, was ihm seine Freiheit so rasch verschafft hatte. Die Offiziere, welche ohne Furcht im Getümmel der Schlacht geblieben waren, befiel ein Grauen bei dem Gedanken an das schreckliche Unglück, welches ein Mann über ein ganzes Heer hätte bringen können. Der Arzt gab der Patrouille Verhaltungsmaßregeln und setzte dann seinen Weg mit dem Gefolge des Generals fort. Der Tag neigte sich seinem Ende, als die Offiziere von ihrem Recognoscierungsritt zurückkamen. Dr. Jordan hatte kaum sein Zimmer aufgesucht, als er von einer Ordonnanz in das nahe Lazareth gerufen wurde. So rasch er konnte, eilte er dorthin und war nicht wenig erstaunt, als er in dem ihm entgegentretenden Arzte feinen Schulkollegen Dr. Reif erkannte. War das Verhältniß zwischen beiden auch nie ein gutes gewesen, so freuten sie sich doch, sich in der Campagne zu treffen. Dr. Reif hatte viel von seinem Dünkel verloren und Dr. Jordan staunte über die Bescheidenheit seines früheren Kameraden. Dieser theilte ihm mit, was für ein Pech er zu Hause gehabt habe, und wie er seit dieser Zeit an sich gearbeitet habe, wie er gerungen und gestrebt, all' die bösen Leidenschaften, die eine verkehrte Erziehung in ihm wachgerufen, zu überwinden. Dr. Jordan war starr vor Staunen. Wie mußte das Leben den Kollegen mitgenommen haben, um in so kurzer Zeit eine so durchgreifende moralische Wandlung hervorbringen zu können. Fast mußte er an ein Wunder glauben, und ein Wunder war es. Aus dem mürrischen, superklugen, eitlen Gecken Reis, war ein liebenswürdiger, bescheidener Kollege geworden, mit dem sich gut auskommen ließ. Rasch hatten sie ihren Dienst beendet und bei einer Flasche guten Weines erzählte Reif, was sich in der Heimath er eignet hatte. ÄI iDr. Jordan hörte ihm aufmerksam zu, und als er geendet, tranken sie ein Glas auf das Wohl der Lieben in der Heimath. Sie schwelgten noch Stunderl in dem Genuß der Erinnerung aus ihrer Kindheit, und als sie sich endlich trennten, da war es Morgen geworden. Der Tag dämmerte bereits und die goldenen Strahlen der ausgehenden Sonne rötheten das Firmament. Diese Nacht hatte sie zu Freunden gemacht und der Genuß gemeinsam verlebter Jugendzeit kittete den Bund noch fester. X. Heimkehr und Verlobung. Die Ereignisse des glorreichen Krieges waren rasch auseinander gefolgt. Auf den Trümmern des französischen Kaiserreichs war ein einiges Deutschland erstanden und ein Hauch großer Begeisterung durchwehte alle Gauen unseres deutschen Vaterlandes. Der Friede war geschloffen worden, die deutschen Truppen waren mit dem Lorbeer geschmückt in die Heimath zurückgekehrt, um das Kriegshandwerk mit dem Handwerk des Friedens zu vertauschen. Tausende jedoch kehrten nicht ins deutsche Vaterland zurück; tausende deckte die kühle Erde und vergeblich schauten die Angehörigen daheim nach ihnen aus. Sie starben den Heldentod für die heilige Sache unseres Vaterlandes und ewig wird ihr Andenken beim deutschen Volke gesegnet sein. Doch ihr Tod war nicht vergeblich. Mit ihrem Leben besiegelten sie die Errichtung des deutschen Reiches und ermöglichten die Einverleibung einst den Deutschen widerrechtlich geraubter Lande. Der Traum aller Patrioten, das Ideal der deutschest Dichter und Sänger, hatte sich verwirklicht, ein einiges Deutschland hatten jene ersehnt, ein einiges Deutschland war gleich einem Phönix aus dem Schrecken des Krieges erstanden. Allüberall wurden die heimkehrenden Sieger mit Jubel empfangen, allüberall tönte ihnen ein freudiger Willkomm entgegen. Auch die Helden unserer Erzählung waren in die Heimath zurückgekehrt und mit Freuden von den Angehörigen empfangen worden. Der einzige, dem der Gott des Krieges ein Andenken ausgezwungen hatte, war Dr. Karl Reiß. Er hinkte; doch hinderte ihn dieser Fehler keineswegs in der Ausübung seines Berufs; er hatte außerdem noch zwei Andenken aus diesem Kriege milgebracht. Sein König hatte ihn, um seine Tapferkeit im Felde zu ehren, zum Ritter des eisernen Kreuzes ernannt, und Alice Lazar hatte ihm versprochen, die Seine zu werden. Sofort, nachdem Dr. Jordan seine Entlastung erlangt hatte, eröffneten die Freunde eine Klinik, die sich bald eines guten Rufs erfreute und von

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