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Der Israelit · 1897-11-11 · Heft 89 (11.11.1897) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 89 (11.11.1897)
Date
1897-11-11
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1704 aber auf die Revision der Staatsanwaltschaft am 1. November 18^7 das Vorderurtheil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. Dieses hatte ausgeführt, daß der §.71 mit dem Begriff „Synagogenbeamte" nur die Beamten haben treffen wollen, die amtliche Verrichtungen in der Synagoge vorzunehmen hätten, nicht aber alle die Personen, die in der Synagogengemeinde irgend ein Amt bekleideten. Der Senat bezeichnete diese Auslegung als zu eng. Für jenen Begriff sei nicht die räumliche Thä'tigkeit, sondern der Gesichtspunkt entscheidend, für welche Bedeutung die einzelnen Funktionen für die Synagogengemeinde hätten. Dies führe dazu, den Ausdruck „Synagogenbeamter" mit dem eines Cultusbeamten zu identificiren. Zu den Cultusbeamten der jüdischen Gemeinden gehörten aber, wie unbestritten, die Schächter. A u st r a l i e n. Melbourne. Unsere Gemeinde befindet sich durch den Bau einer prachtvollen Synagoge in ernsten Schwierigkeiten. Die finanzielle Lage ist so ungünstig, daß eine Katastrophe bevorsteht, obwohl die Gehälter k. auf das äußerste gekürzt sind. Infolgedessen ist ein Vertreter der Gemeinde nach London gereift, um dort Geld zu sammeln. Von den im Ganzen nöthigen 150,000 Mark hat er bisher erst 30,000 aufgebracht, doch besteht Hoffnung, auch den Rest noch zu decken. — Am 12. September wurde hier das große neue Schulhaus eingeweiht, welches an die Synagoge in St. Kilda Street angebaut ist. Die Einweihung fand unter großen Feierlichkeiten statt. Auch in Sidney befand sich die Gemeinde in großer finanzieller Noth, so daß der Oberkantor selbst eine Reduktion seines Gehaltes anbot, die dann auch angenommen werden mußte. Mit Hilfe äußerster Sparsamkeit sowie durch Sammlungen in der Gemeinde gelang es, die dringendsten Ausgaben zu decken. Immerhin bleibt das Schreckgespenst eines Defizits von 22,000 Mark, während die Jahreseinnahmen c. 74,000, die Ausgaben c. 95,000 Mark betragen. Erfreulich ist dagegen die Thatsache, daß die Mitgliederzahl der Gemeinde besonders durch den Eintritt vieler jungen Leute wächst. > Personalien. -*• Reichma««Sdorf bei Bamberg, jtffn n"m 's DV. Der unerbittliche Tob hat in die kleine Schaar der hiesigen Glaubensgenossen eine schmerzlich empfundene Lücke gerissen. Die in weiteren Kreisen bestenbekannte und wegen ihres sprichwörtlich gewordenen mildthätigen Sinnes allgemein verehrte Wittwe Sara Hirnheimer n"p, ist am vergangenen Freitag Abend einem Schlaganfall erlegen. Mit der gewohnten, längst liebgewordenen Lektüre des „Israelit" drschäftigt, fühlte sie plötzlich ein Unwohlsein und nach wenigen Minuten hauchte die selig Entschlafene ihre reine Seele aus. Von frühester Jugend von tiefer Frömmigkeit und dem eifrigen Streben nach pflichtgetreuem Wandel beseelt, bildete die Erziehung ihrer Kinder im Verein mit ihrem theueren Gatten 7'l zu prinzipientreuen Jehudim ihre vorzüglichste Lebensaufgabe. Ein Beispiel seltener Willensstärke in der Betätigung religiöser Pflicht, bekundete die von unerschütterlichem Gottvertrauen erfüllte Heimgegangene dadurch, daß dieselbe am verflossenen O'niDDn □!’, ungeachtet eines hochgradigen Herzleidens, welche ihr das Gehen äußerst beschwerlich machte, den beträchtlichen Weg zum HDJDn n'3 zurücklegte und daselbst vom frühen Morgen bis zum Ausgange des hl. Festtages m innigster A»tacht verharrte. Mit sichtlicher Befriedigung genügte die Verlebte der nDJDH niSJD DTniN. Von der hohen Achtung und Beliebtheit, welche die Verblichene namentlich in den Kreisen der nichtjüdischen Bevölkerung ihres Wohnortes genoß, legte die außerordentlich zahlreiche Betheiligung von Seiten der letzteren bei der rTTQp beredtes Zeugniß ab, wobei vielfach Ausdrücke herzlichen Beileides vernehmbar wurden. Stadtlengsfeld, 2. Nov. Heute feierte der Vorsteher der hiesigen israelitischen Gemeinde, Herr Kaufmann Jacob Huhn I seinen siebenzigsten Geburtstag. Es gestaltete sich dieser Tag zu einem Festtage, nicht nur für die Familie und Verwandten, sondern auch für die gesammte Kultusgemeinde. Die vielen Zeichen der Aufmerksamkeit, welche aus diesem Anlasse Herrn Huhn erzeigt wurden, bewiesen, welch' hohen Ansehens sich derselbe bei der gelammten Bürgerschaft unseres Ortes zu erfreuen hat. Seit dem Jahre 1872 wurde er in neun nach einander folgenden Wahlperioden als Vorsteher gewählt und hat dieses Ehrenamt 23 Jahre hindurch zum Segen der Gemeinde und zur Zufriedenheit seiner Vorgesetzten Behörde bis zum heutigen Tage verwaltet. Außerdem ist Herr Huhn schon feit einer langen Reihe von Jahren Mitglied des städtischen Gemeinderaths. Unter den vielen Glückwünschen erwähnen wir nur einige. Herr Landrabbiner Dr. Walzer gratulierte im Aufträge der Großherzoglichen Aufsichtsbehörde - der erste Kultusdevutierte, Herr Kaufmann Moses Klaar, überreichte als Zeichen der Dankbarkeit seitens der Spnagogengemeindc eine sechsarmigc Hängelampe. Auch vom Herrn Kirchenrath Dr. Kroner in Stuttgart, einem langjährigen Freunde des Gefeierten, lief ein Glückwunschschreiben ein. Möge die Erinnerung an diesen Ehrentag den verehrten Herrn noch viele Jahre erfreuen! - Lehrer Baumgart. s Egelsbach, 28. Oktober. Mit dem Tode des ältesten, immer an der Spitze der Gemeinde stehenden Nathan Kahn, verloren wir eines unserer hervorragenden Mitglieder. Die Ausübung von rT'Ji'rnoy min waren seine höchste Freude, ‘weit einem halben Jahrhundert fungirte er als im y\ So war es ihm noch gegönnt, im Alter von 79 Jahren am verflossenen 2"' das Minchagebet vorzutragen und am das Matnes Jad zu verrichten. Seit dem Bestehen der hiesigen n“Dn war er erster Vorstand derselben. Herr Großh. Landesrabbiner Dr. Marx aus Darmstadt schilderte in meisterhafter Weise die Tugenden des Verstorbenen und den herben Verlust, den die Gemeinde erlitten. EBruchfal. Am nDDT D"nn raff entschlief hier nach längerem Krankenlager Frau Theresia Sulzberger geb. Schräg im hohen Alter von 87 Jahren zur ewigen Ruhe. Sie war eine Frau echt jüdischen Geistes und Herzens, stets und überall helfend und aufrichtend. Sie erzog ihre Kinder im wahren Sinne des Judenthums, zu Rechtschaffenheit, Frömmigkeit und Wohlthätigkeit. Von der großen Verehrung und Achtung, in der sie bei Jedermann stand, legte besonders das Leichenbegängnis, an dem sich Christen sowohl als Juden aus allen Kreisen und Ständen in reichem Maße betheiligten, beredtes Zeugniß ab. »VUSüfl

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