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Der Israelit · 1897-11-11 · Heft 89 (11.11.1897) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 89 (11.11.1897)
Date
1897-11-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXTm. Jahrgang. f /-? hf . 'ft-1. M 8» Der Israelit. Ein Aenlrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum Begründet von Dr. |^matm in Htnin). Donner ft ag, den 11 November 5658 (1887). Leitender Artikel. Dlk relhttilye» UerhSlllliffe der Uerrise nach den zur Zeit in Aeulfchinnin Geltung befindlichen Rechten und nach dem Rechte des bürgerlichen Gesetzbuchs für -ns -rutsche Reich, mit besonderer Berücksichtigung der jüd. Vereine. Von einem Rechtsgelehrten. Es liegt in der Natur der Sache, daß die Menschen die Zwecke, welche sie einzeln nicht erreichen können, mit vereinten Kräften erstreben. Von jeher haben sie deshalb Vereinigungen gebildet. Gerade bei uns Juden hat die Vereinsthätigkeit zu allen Zeiten in hoher Blüthe gestanden. Die Religion weist uns auf den Weg der Vergesellschaftung. Letztere wird als Lebensbedürsniß der Menschen erklärt. „Entweder Gesellschaft oder Tod" ist ein talmudisches Sprichwort (rwyn 23 a; vergl. ra 16 b). Es wird deshalb empfohlen, in der Gesellschaft zu leben, sich von den Menschen nicht zurückzuziehen. Eine Reihe religiöser Pflichten lassen sich nur in der Gemeinschaft der Religionsgenossen erfüllen. Vor Allem das Thorastudium soll nicht nur von den Einzelnen, sondern besonders in der Vereinigung der Genossen und in den Schulen gepflegt werden. Schon die im Schriftthum wohl belesene Berurah tadelt in drastischer Weise den allein studirenden und leise für sich lesenden Talmudbeflissenen (paiivr 53 b—54 a) und oft wird der Vorzug des gemeinschaftlichen „Lernens" hervorgehoben (nro 47 b, new 22 a oben). Der Bibelvers 27,17) „Eisen schärft Eisen, Mensch schärft des Menschen Blick," wird sinngemäß auf zwei gemeinsam studirende Gelehrte bezogen. Wie das Feuer nicht allein brennt, so besteht das Studium der Thorah nicht, wenn es nicht von wenigstens zweien geübt wird, die sich gegenseitig schärfen. Wie selbst ein kleines Holz das große entzündet, so schärfen die weniger vorgeschrittenen Schüler die größeren. R. Chaninah pflegte zu sagen: viel habe ich von meinen Lehrern gelernt, mehr von meinen Genossen, am meisten von meinen Schülern (jtowi 7a). Von einem Gelehrten wird erzählt, daß er eine Hin- und Herreise von je drei Monaten zwischen nvv und rivo unternahm, um nur einen Tag im Lehrhause zubringen zu können, da er zum Feste wieder zu Hause sein wollte (rmn 5 b). Dem Gebete der Gemeinde wird höhere Weihe und Kraft zugesprochen, als dem Gebete des Einzelnen (nwa 8 a). Die meisten Gebete, insbesondere die m rbmf sind rein unpersönlich, Gebete der Gesammtheit und für dieselbe. Die heiligsten Gebete bleiben ein Reservatrecht der Gemeinde. Eine Reihe religiöser Satzungen können nur erfüllt werden durch Institutionen, die nur oder regelmäßig nur die Gesammtheit zu beschaffen in der Lage ist. Es sei nur an die zu allen Zeiten unterhaltenen Hochschulen, an die sonstigen Lehranstalten, an die Anstellung und Besoldung der religiösen Führer und der Lehrer erinnert. Diese Institutionen herzustellen und zu unterhalten, ist der eigentliche Zweck der jüdischen Gemeinde. Sie wird dadurch geadelt und geheiligt, und, wie diese Zweckbestimmungen niemals aufhören, so lange Juden und Judenthum bestehen, so wird auch der Gemeinde als solcher Unsterblichkeit zugesprochen. Diese Zweckbestimmungen lassen sich nur mit erheblichen Geldaufwendungen der Gemeindeglieder erreichen. Aber in der Erkenntniß, daß die Glaubensgenossen zu jeder Zeit diese Opfer bringen werden, wird gesagt, daß die Gemeinde als solche niemals arm ist, nie außer Stande, die ihr vom Religionsgesetze zugewiesenen Ziele zu erreichen.

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