Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 87 (4.11.1897)
- Date
- 1897-11-04
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2446951-2448705-2448786--44851-2493965- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1668 der ruhmgekrönte und hochedle König von Ungarn, Sr. Majestät Franz Joseph I. seiner ungarischen Haupt- und Residenzstadt Budapest zehn Denkmäler großer geschichtlich hervorragender Männer aus Ungarns glorreicher Vergangenheit zum Geschenk gemacht. Darob erglühte jedes patriotische Ungarherz und ist erfüllt vom heißesten Danke für seinen Herrn und König. Soweit ist denn auch alles in vollkommenster Ordnung und auch ein Gebot des freudigsten Patriotismus, Nachdem aber d:e ungarischen Juden nicht nur Ungarn, sondern auch Juden, oder es doch wenigstens sein sollten, so wurden sie vor Allem gut daran thun, durch einen Uebercifer ihrer patriotischen Gesinnung nicht ihr Judentbum zu verletzen. Man höre und staune über das famose Programm dieses Huldigungsgottesdienstes. In Beginn desselben sang die Jugend ein patriotisches und ein kirchliches Lied in ungarischer Sprache, dann folgte eine ungarische Erhörte über die hohe Bedeutung des königlichen Reskriptes, hieraus wurde das „H a l e l g e b e t" mit Ehorgesaug und Orgelklang zelebrirt, woraus mit dem Absingen des ungarischen „Hymnus;" der Gottesdienst sein Ende erreichte. — Unter den zehn, auf Kosten Sr. Majestät zu errichtende Standbildern befinden sich auch die zwei Heiligen der röm. kath. Kirche, die Bischöfe P ü z m;i n und Geklärt, und dieserwegen läßt inan die jüdische Jugend das „Halel" anstimrnen -' .... Wäre die Sache nicht gar so traurig, würden wir mit einem Spasse sch lieneil und den ioniglichen Psatrnisten travestirend sprechen: „Ja, ja, das neugeborene Volk preiset Gott!" Aber fraget nur nicht wie.' —- Mau hätte ja genug Psalmen rezitiren können, aber gerade „Hallet" 'i'i'i brh .ieltudi. S Pattcfowa, Oktober. Die hiesige kleine jüdische Gememde halte beschlossen, sich ein Gotteshaus zu erbauen, und da sie nicht über die dazu nölhigen Geldmittel verfügt, so leitete das Vorstandsmitglied, Herr Epstein, eine Subscription ein, die den immerhin schonen Betrag von 3<>00 Gulden lieferte. Das Jklteressanteste an der Sache ist aber, daß sich au der Snbseription auch zwei Ehristen (Serben) belheiligten mit» zwar Herr Obradowies Stv iko mit Gnldcii und Herr Mano Ehory mit Gulden. Solche Beweise von Toleranz und confesnonellcm Friedeil findet man aber auch nur in Ililgarn, wo die stkegierung mit schönem Beispiele porangeht nub wo sie, soweit es ihr die Gesetze des Landes gestatten, jeden Versuch, eine alttisemitische Agitation zu entfalten, sogleich im Keime erstickt. Afrika. (Hrootdrink (Orangesluß), 2. Oktober. (R o s ch Haschonofeier.) In unseren Zeiten des Niedergangs jüdischen Empfindens und Gefühllebens, ist es für mich doppelt erbebend, Ihnen über eine Rosch Haschonofeier, fern an der südlichen Grenze der fürchterlichen Kalahari, berichten zu können. Wenn am Rosch Haschono grinunige Feindschaft inniger Umarmung weicht, wenn der Freund zum Freund, Eltern zu Kindern, Verwandte zu Verwandten kommen, um sich gegenseitig in erneuten! Allstausch beglückender Gedanken Zeugnis; abzulegen, daß dieser Tag einen neuen Baustein beigetragen zu dem uns alle umschließenden Bau des Gottvertrauens und der Zuversicht, Träger einer heiligen Mission zu sein — da mag so manches Auge thränenvoll der Brüder und Söhne gedacht haben, die in fernen Landen, weit abgeschieden von der zivilisirten Welt, nicht jenes Glückes theilhaftig sein können. Wohl mag es manchem der verehrt. Leser unglaublich erscheinen, wenn er hört, daß zu der in Upington, im Hause des Herrn Harris abgehaltenen Feier 1.5> Personen gekommen, von denen einzelne einen Weg von 22<> englischen Meilen nicht scheuten, nur um einer solch' seltenen Gelegenheit willen, gemeinschaftlich dem Allmächtigen zu danken für all' das Gute, das er ihnen im vergangetien Jahre wieder zugcwiesen und;u gleicher Zeit den Bund zu erneuern, der uns so stark und unüberwindlich macht. Dank sei au dieser Stelle gesagt allen, die beitrugen das Fest gebührend zu feiern, Dank insbesondere Herrn uub Frau Harris, die nicht nur trotz der hier manchmal unübersteigbareu Schwierigkeiten, ihre Absicht überall bekannt machten, sondern ailch für rrr- -zz, -L'w, wie auch mr koscheres Essetl bestens gesorgt batten. Dank auch Herrn Horwitz, der herbeigeeilt, um fetueu Ileugeborenen in den Verband Israels anfncbmen zu lassen ruid uns so in den Stand setzic, der rrsc einer ~b'z beizuwobnen. Möge es dein Allweiscn gefallen, uns in gleich stattlicher Zahl am r wieder 51t versammeln, um 3(nu erneut zu danken für die vielen Beweise väterlicher Fürsorge, mit der er erst vor kurzer Zeit uufcv zweites Vaterland vor einem schrecklichen Kriege bewahrt, der — nur wenige Stunden von hier ansgebrochen — glücklicher Weise nun beendigt ist, um von Neuem ihn zu bitten, künftig Kriegsschrecken und Plagen, von denen unser Land heuer so schwer betrogen. feruzubalteu. Möge der Lenker aller Geschicke gnädig sein Auge auf unserem geliebten Königshause ruhett lasseil, auf daß der Geist religiöser Toleranz und Gewissensfreiheit immer in engl. Landen herrsche, möge — und darin weiß ich mich mit allen meinen Stammesgenossen einig — dieser Geist auch in jenes westliche Laild seinen Einzug halten, wo Millionen Glaubensgenossen in stiller Ergebenheit der endlichen Befreiung aus den Banden warten, die finsterer Aberglaube und Unwissenheit schlug. Das soll der schönste Lohn für unsere Gebete sein.