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Der Israelit · 1897-11-04 · Heft 87 (4.11.1897) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 87 (4.11.1897)
Date
1897-11-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1658 destvtvenlger fuhr eine ansehnliche, aus der Elite der Gemeinde bestehende Abordnung der Repräsentanten am Dienstag, 26. v., unter Führung des Gemeindepräses Dr. Samuel Gencsi nach Losoncz, wo sie dem gewählten Dr. Spira den Acceptationsbrief überreichte. Auch wurde die Jnstallationsfeier für den 12. Dezember bestimmt. Gestern langte nun beim Borsoder Vizegespansamt ein Ministerial - Reskript ein, welches auf die Csüky'sche Verordnung Z. 50515 1893 basirt, die Komitalsbehörde dringend auffordert, die am 1. November!. I. (in dem Protest der Orthodoxen war dieses Datum angegeben) zu haltende Jnstallationsfeier zu untersagen und überhaupt vor der Erledigung der Frage auf autonomem Wege jedwedes Vorgehen einzustellen. Eine Appellation der Repräsentanz ist bereits erfolgt. Die Gemüther sind ziemlich erregt und man ist auf die definitive Lösung der Frage gespannt. Gestern wurde der Oberrabbiner der Gemeinde, Mayer Rosenfeld, in dieser Angelegenheit von der Durchführungs-Commission der Orthodoxen nach Budapest berufen. ** Uj Feh^rtä. Am Tage vor Jom-Kippur verschied hier der berühmte Rabbi Naftali Silbermann Hertzka im 73. Lebensjahre. Dem Dahingeschiedenen widmet der Oberstuhlrichter Paul von Moritz gumvr, ein Katholik, im Großwardeiner „Ragywarode" einen begeisterten Nachruf, dem wir folgende Stellen entnehmen: „Den greisen Rabbi hat der Todesenge! an dem dem Bersohnungstage oorangegangcnen Nachmittage adberufen, als er im Gebete vertieft in seinem Lehnstuhle saß. Telegramme wurden sofort nach allen Richtungen der Windrose befördert, überall hin, wo das Jndenthum dedcutendcrc Gemeinden und Anhänger hat und die Juden von Uj-Fehärt6 eilten iammernb nach der Wohnung ihres Rabbiners, der in Wirklichkeit ihre Stühe, ihr Vater war. Aber auch die christliche Bevölkerung nahm innigen Antheil an diesem Todesfälle, da dieser an Erfahrungen reiche Gelehrte Jedem olme Unterschied der Religion mit Rath und Thal bereitwilligst bcistand; außerdem bildete er eine Quelle des Einkommens und des Verkehrs für die kleine Gemeinde vermöge seiner zahlreichen Besucher und Verehrer, die täglich zu Hunderten aus allen Landcsthcilcn ihn besuchten und den Ort frequentirten Rabbi Hertzka verwahrte sich immer dagegen, wenn man ihn als Wundermann bezeichnete und wenn ihm seine Glaubensgenossen übermenschliche Fähigkeiten vindicirten. Sein Scharfsinn und seine Kenntniß der heiligen Bücher ging so weit, daß er den um Rath und Hilfe Ansuchenden in jedem kritischen Momente des Lebens sofort entsprechenden Rath ertheilcn konnte Seinen eigenen Tod ahnte er voraus, und mit dreitägigem Fasten bereitete er sich vor auf diese unausbleibliche Wanderung. Bei der Bestattuug hielten sechs Rabbiner Leichenreden, darunter auck der berühmte Rabbiner aus Berettyo-Ujfolu, aber am rührendsten war die Ansprache des Rabbi Schreiber aus Nanas, eines achtzigjährigen Greises, der nur schl-chzcnd seine Rede beendigen konnte. Was Rabbiner Hertzka als Gelehrten und Juden anbelangt. kann man mit Recht behaupten, daß bezüglich seiner der Name .Jude" in jenem gehässigen Sinne, in welchem er von mancher Seite gebraucht wird, am wenigsten gerechtfertigt war. Er war ein seltener Geist, der ausschließlich für di« jüdischen Wissenschaften lebte, und zugleich ein wirklicher Weltweiscr und ein großer Menschenfreund, der, während er in seiner strengen asketischen Lebensweise mit frugaler Kost sein Leben fristete, sein ganzes Einkommen im Betrage von jährlichen 40 000 bis 50000 Gulden bis auf den letzten Pfennig unter Nothleidende vertheilte, so daß jetzt nach seinem Tode seine im Krankenbette befindliche Ehehälfte ganz unbemittelt hinterblieb und ihr zu Gunsten unter dem versammelten leidtragenden Publikum eine Collecte veranstaltet werden mußte. Rabbi Hertzka hatte vor kaum vierzehn Tagen den Armen in Palästina 8000 Gulden eingesendet, und erst vor Jom-Kippur neuerdings 800 Gulden. Auf diesen Menschenfreund ist mit vollem Rechte die Charakteristik jenes Heiligen anwendbar, von dem cs heißt, daß er selbst die Hälfte seines Mantels dem elenden Bettler hingegeben hat. Seine Schüler, denen er im Talmud Unterricht erthcilte, und dreißig jüdische F. mitten lebten ausschließlich von ihni. Außerdem sorgte er für die Erziehung vieler Waisen, unterstützte Wtttwcn und versah arme Mädchen mit der erforderlichen Mitgift. Seine Herzensgüte ging so weit, daß er in Geldverlegenheit gerathenen Familienvätern, so oft sie sich an ihn wendeten, Wechsel unterschrieb, welche Accepte die Geldinstitute überall bereitwilligst honorirten, in der bestimmten Ueberzeugung, daß, falls kein Anderer, Rabbi Hertzka seinen Verbindlichkeiten bestimmt Nachkommen werd'. Rabbi Hertzka nahm nie Geld für die von ihm ertheilten Rathschläge. Sammelbüchsen waren an den Wänden seines Zimmers befestigt, auf denen einzelweise die nähere Bezeichnung schriftlich angegeben war, welchem menschenfreundlichen Zwecke diese Sammelbüchse bestimmt war. Auch Grafen und Magnaten besuchten ihn oft in seiner bescheidenen Behausung. Seine Bescheidenheit ging so wert, daß, so oft seine schwärmerischen Anhänger sich seinen Segen erbaten, er diesen nie ertheilen wollte und nur stets versicherte: „Ich bin nur ein Mensch, werde aber zu Deinen Gunsten zu Gott beten." Das einzige Bestreben Rabbi Hertzka's ging nur dahin, daß er seinen Mitmenschen nützlich s t, und deswegen ließ er sich nie mit Jemanden in eine Discussion über Politik oder andere Tagesfragen ein. In Rabbi Hertzka verlor daS Judenthum einen ausgezeichtketen Schristgelehrten, die Menschheit ein gefühlvolles warmes Herz, welches empfänglich war für alle Leiden feiner Mitmenschen, und mit größter Bereitwilligkeit Hilfe leistete, wo es helfen konnte. Ihr aber, meine christlichen Glaubensgenossen, unter denen viele den Juden mehr oder weniger abgeneigt sind, rechnet es ihm nicht an, daß er als Jude geboren wurde, denn selten lebte ein Christ solch ein uneigennütziges, dem höchsten Berufe geweihtes Leben wie er." England.? London. Wir haben neuerdings hier auch un» viel mit der Haltung der Presse in der Judenfrage zu beschäftigen, die leider nicht immer unseren Wünschen entspricht. Besonders der Duly Chronicle Nimmt sehr oft eine antisemitische Haltung an, in der er mit den ärgsten Juvensrefferorganen auf dem Kontinent konkurriren kann. Allerdings kommt sein Aerger haupsächlich daher, und er gesteht dies offen ein, daß die Juden obwohl von den Liberalen emancipirt, doch sehr häufig konservativ wählen. In anderen Ländern wirft man den Juden vor, sie seien nicht konservativ genug und möchte ihnen deßhalb Beschränkungen auferlegen. Bei uns in England wiederum greift das angesehenste Organ der liberalen

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