Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 82-83 (21.10.1897)
- Date
- 1897-10-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXTm Jahrgang. Erste geil, pt Jß 82 & 83 des Jlatnelit“. Leiterrver Artikel Die vier Ströme aus Eden. Ein vor fünfzig Jahren am Sabbat Berefchith gehaltener Vortrag von Rabbi Jacob Ettlinger ^*pw Oberrabbiner zu Altona. (Schluß aus dem Hauptblatt) Immer höher noch aber steigen die Segnungen des Herrn. Seine Gnade ist höher als alle Weltgebirge. Besitzthum und Gesundheit, so köstliche Güter des Daseins sie auch bilden, sind doch nicht Eigenthum des Menschen allein. Auch das Thierreich kann ihrer theilhaftig werden, wenn auch in minder beglückendem Grade. Auch für das Thierreich finden sich häufig der Reichthum der Nahrungsmittel, auch für solches bietet die Pflanzenwelt häufig den Segen des Ueberfluffes dar. Auch den Segen der Gesundheit hat das Thier mit dem Menschen gemein, weil es wie er ein künstlich gebildetes lebendiges Wesen ist, besten innere Wechselwirkungen mehr oder minder Störungen erleiden können. Ein Gut aber hat der Erdensohn vor dem Thiere voraus, es ist das Gut, welches ihn allein zum Menschen macht — das Geschenk der Vernunft, die Gabe, zu denken, die köstliche Gabe, Gott und Welt und sich zu begreifen. Welche hohe Würze doch verleihet dieser Segen dem ganzen irdischen Dasein. Alle irdischen Genüste haben ihre Grenzen und können Ueberdruß erzeugen; der Genuß des Denkens allein ist unendlich lohnend, erzeugt und löscht unausgesetzt den Durst nach Wissen, und reicht über die Grenzen des Daseins hinaus. Dieser Segen der Weisheit und Einsicht, womit des Herrn Allgüte die Erdensöhne beglückt, er ist angedeutet durch den dritten Strom — Chidekel genannt, der nach der Morgenseite Aschuc's fließt. Von der Schärfe und Leichtigkeit feines Wassers hat, nach der Erklärung unserer Weisen,*) dieser Strom seinen Namen. Schärfe, die Alles dmchdringt, und Leichtigkeit, die Alles erfaßt, sie sind die höchsten und vorzüglichsten Eigenschaften des menschlichen Denkens, und somit dieser Strom besten treffendes Bild. Dem Evenstrome aber muß er entstammen, soll auch dieser Strom der Vernunft und des wistenschaftlichen Denkens für uns ein Segensftrom sein. Welches Heil brächte die Fähigkeit, zu denken, dem Sterblichen, wenn sie ihn zur Gottlosigkeit verleitete? Was wären Verstand und Vernunft, die ihren Besitzer zum Zweifler,zumLeugner, zumGlaubensstürmer machten? Ist nicht seliger gegen ihn das Thier zu preisen, das in seiner Einfalt zwar Gott nicht zu eh¬ *) o& .pbp) pn i’üw 'ppm ren, doch auch nicht zu erzürnen vermag, das zwar feine Gnade ihm nicht dankt, doch auch feine Liebesgaben nicht mit Undank lohnt? Nein, nur der Segensstro.n der Weisheit, der dem Edensquell himmlischer Weisheit entströmt, der nach ausmündet, der hienieden schon da- Morgenroth künftiger Glückseligkeit uns verkündet, nur diesem Strome wollen wir Zufluß zu unserm Herzen öffnen; an seinen Ufern lasten Sie uns die irdischen Zelte ausschlagen, um einst auf seinen Fluthen hinüber nach dem Reiche des Jenseits zu gelangen. * * Endlich aber ist es noch eine vierte Himmelsgabe, welche alle übrigen in sich vereint. Es ist diese, der Segen der Nachkommenschaft, welchen der fromme König mit den Worten zeichnet: „deine Kinder, wie grünende Oelpflanzen rings um deinen Tisch — siehe, so wird der Mann gesegnet, der gottesfürchtig ist." Allen irdischen Glückseligkeiten, deren die Erdensöhne sich freuen, ist ein Ziel gesetzt, denn ihr Leben ist mit Spannen gemesten, ihre Tage sind gezählt, ach! oft sehr spärlich gezählt. Reichthum wäre für besten Besitzer, wäre für die Menschheit selbst keine Segensgabe, wenn mit Aufhören des Dasein» seine» Besitzers jeden Werth er verloren. Gesundheit, ja selbst das ganze Erdenleben hätte keinen Reiz für den Sterblichen, wenn das Schreckbild des Todes ihn ängstigend, ihm nur Auflösung und Vergessenheit seiner in Aufsicht stellte. Weisheit würde ihren Besitzer nicht zur Vermehrung der Erkenntniste antreiben, müßten diese allesammt mit ihm zu Grabe gehen. Lebt daher auch der einzelne Fromme — ohne Nachkommen — wenn das Licht seiner Augen erloschen, in seinen Tugenden und Wohlthaten fori, nach dem Ausspruche unserer Weisen, Derart orroo wp'iL DrvnH^in — für das gesammteMenschengeschlecht jedoch gibt es nur Eine Gabe, allen Gütern des Daseins Werth zu geben, die Gabe einer guten und frommen Nachkommenschaft. Im Hinblick auf sie hat, selbst in der Todesstunde, irdisches Besitzthum für den sterbenden Vater noch Werth, wenn er weiß, daß dieses nach ihm Herzen erfreuen werde, die seine Liebe umfaßt. Da- Leben hat, selbst im Angesichte des Todes, noch die befrie» digende Aussicht, daß der Tod es nicht endet, daß fein Faden sich in künftigen Geschlechtern fortspinnt vielleicht bis ans Ende der Zeiten. Die Weisheit erkennt, daß, was sie schafft, nicht die Gruft verschließt, sondern, daß, ihre Werke die Menschheit noch sortbeglücken, nachdem ihr Schöpfer hienieden längst geendet hat. Diesen Segensstrom gottseliger Nachkommenschaft erkennen wir im Bilde des vierten Stromes, der von dem des Eden sich ablheilt — Prat genannt — und, nach