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Der Israelit · 1897-10-08 · Heft 80-81 (8.10.1897) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 80-81 (8.10.1897)
Date
1897-10-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XX1TIII. Jahrgang. JI2«80 & 81 Der Israelit. Ein Aentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr fe^mntm in mtainf. Freitag, de« 8 Oetober 5658 (1887). Die nächste Nummer unseres Blattes, eine Doppelnummer, erscheint des MWW^ heiligen Laudhüttensestes wegen, Donnerstag den 21. Oktover._ Neu eingetretene Abonnenten erhallen die Anfänge der beiden Erzählungen „Säerr und Ernten" von Dr. M. Lehmann und „Die Stunde der Vergeltung" von Paul Gotthelf, soweit der Vorrath reicht, gratis und franco nachgeliefert. Leitender Artikel. Die zwei Wanderer. (Zum Hüttenfeste.) Einst ließ ein mächtiger König zwei seiner Diener vor sich kommen und sandte sie in ein fernes, fernes Land; reichlich versah er sie mit Mitteln, um die Reise, die viele Jahre dauern sollte, zurückzulegen und während derselben sowohl ihren Unterhalt zu erlangen, als auch die Befehle des Königs zu vollziehen, seine Aufträge ausführen zu können. „Meine Freunde," sprach der König, „ihut wie ich Euch geheißen; dann wird, kehret ihr wieder heim zu mir, euer Lohn sehr groß sein." Und die Beiden machten sich auf den Weg, ein Jeder für sich allein, und sie kamen in das Land, in welches der König sie geschickt hatte; und siche, das Land war sehr schön, voll großer, blühender Städte, mit weiten, fruchtbaren Fluren, mit schönen Gebirgen, mit herrlichen Seen und Flüsien. Es wuchs in dem Lande Alles, was des Menschen Herz begehrt, und Gelegenheit zur Freude und Vergnügen war vollauf geboten. Der eine der beiden Wanderer genoß mit Mäßigung, was er in so reichem Maaße vorfand; dabei aber vollzog er die Gebote und Aufträge feines Königs und vergaß keinen Augenblick der Heimath, aus der er gekommen und in die er zurückzukehren hoffte. Wo auch immer er feinen Aufenthalt nahm, betrachtete er diesen als einen vorübergehenden, seine Wohnung war ihm ein Zelt, eine Hütte, die er wieder verlaffen mußte, sobald sein König ihn heimrufen würde. Er genoß zwar die Süßigkeiten des Landes, aber seine erste Pflicht war immer das, was ihm sein König aufgetragen hatte. Anders erging es dem anderen Boten. Ihm gefiel das Land, in das ihn sein König gesandt hatte, ganz ausnehmend gut. Er vergaß seines Herrn und seiner Heimath und beschloß, in dem fremden Lande sich dauernd niederzulasien; und was ihm sein König verliehen hatte, um sich seinen Unterhalt zu verschaffen und des Königs Aufträge zu vollführen, das verwandte er lediglich zum eigenen Nutzen, zur eigenen Lust. So lebte er lange froh und vergnügt; oftmals ließ ihn der König an seine Pflicht erinnern, allein er verhöhnte und verlachte jede Mahnung. Da ereilt ihn eines Tages der Befehl des Königs, der ihn auffordert, heimzukehren und Rechenschaft abzulegen am Throne seines Herrn. Ach, wie gern möchte er da sich dem Befehle entziehen — aber seine Weigerung hilft ih.> nicht; wider seinen Willen wird er in die vergessene Heimath geführt, vor den Thron des Königs, der it/l einst entsandte. Und stehe, neben ihm steht der andere Bote, der mit ihm zugleich war fortgeschickt worden. Und der König steigt von seinem Throne und umarmt den treuen Boten und fetzt auf sein Haupt eine goldene Krone und belohnt ihn überreichlich, wie nur ein großer König lohnen kann. Beschämt sieht es der ungetreue Bote, und d ihn der König fragt nach dem Erfolge seiner Sen düng, da wagt er es nicht, den Blick zu erheben. „Mein König!" ruft er weinend, „ich hatte Dei, und der Heimath vergessen; ich habe Deine Aufträg /

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