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Der Israelit · 1897-10-05 · Heft 79 (5.10.1897) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 79 (5.10.1897)
Date
1897-10-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1536 Brave jedoch entgegnen lachenden Mundes: „Brüder, es schmerzt nicht, denn dort (nack dem Gefecht zeigend), geht'S gut und unser Sieg wird mich schon heilen." Es war dieser Hilsbach der erste freiwillige Jäger des Gardejägerbataillons, welchem das von Sr Majestät Friedrich Wilhelm III. für das Detachement verliehene eiserne Kreuz einstimmig von feinen Kameraden zuerkannt wurde. ** Airs Schlesien, 22. September. Einige Glaubensgenossen haben Anstoß genommen, daß der Magistrat Forst in seinem Dankschreiben für die Sammlungen zu Gunsten der Ueberschwemmten von einem Akt „christlicher Nächstenliebe" sprach. Die „Voss. Ztg." in Berlin bemerkt hierzu: „Der Magistrat hat zweifellos nur einem ihm geläufigen Ausdruck gebraucht, ohne auch nur von Ferne her daran zu denken, dem Wohlthätigkeitswerk einen konfessionellen Stempel aufzudrücken. Daß davon keine Rede sein kann, weiß der Förster Magistrat und jeder, der die Listen der Spender in unserem Blatte gelesen hat. Schon die Namen lassen erkennen, daß unsere jüdischen Mitbürger an diesem Liebeswerk einen ganz hervorragenden Antheil haben, wobei noch zu bemerken ist, daß ein großer Theil der jüdischen Spender sich bescheiden nur hinter Chiffren verbirgt. Wie wenig ein solcher Gedanke Platz greifen kann, dafür mag auch folgende Thalsache als Beweis dienen. Wir hatten den Vorschlag gemacht, daß warmherzige Menschenfreunde, Männer wie Frauen, sich dazu bereit finden möchten, die Ueberschwemmungsgebiete auf eigene Kosten zu bereifen und durch eigenen Augenschein sich von dem Nothstande zu überzeugen, um hierher zu berichten, wo und welcher Art Hülfe am nöthigsten sei. Ein Herr erklärte sich zu diesem hochherzigen Liebeswerk bereit, wir veröffentlichen nachstehend seinen ersten Bericht, und dieser eine Herr, deffen Namen wir auf seinen Wunsch verschweigen müssen, ist — ein Jude." Wie richtig die „Voss. Ztg." die Aeußerung des Förster Magistrats beurtheilt batte, ging aus einem Schreiben des dortigen Bürgermeisters Lehmann hervor, in welchem gesagt wurde; „Bei der thurmhohen Arbeit, die angesichts der Katastrophe Kopf und Hände bei mir voll in Anspruch nimmt, war es mir nicht möglich gewesen, wie ich gewünscht, selbst die Dankeszeilen zu entwerfen, mußte vielmehr die Erledigung dem Bureau überlassen, in dem irgend ein Beamter sich — sicherlich in der Eile ohne besondere Pointe — in der für den voliegenden Fall unpassenden Weise im Ausdruck vergriffen hat. Ich bedaure das Vorkommniß wiederholt und brauche woh! nicht hinzuzufügen, wie tief alle Kreise Hierselbst davon durchdrungen sind, daß es sich diesem Schicksal gegenüber um keine Partei- oder Religionsunterschiede, sondern lediglich um unglückliche Mitmenschen handelt." Daß sich die antisemitische Presse über diese ihren unduldsamen Parteigrundsätzen widersprechende Kundgebung ärgern würde, war zu erwarten. Sie machte ihrein Aerger dadurch Luft, daß sie die Behauptung aufstellte, der Förster Bürgermeister sei nur durch die „Voss. Ztg." veranlaßt worden, im Interesse feiner nothleioenden Gemeinde zu rrvoziren; daS gedachte Blatt sei allein die Anstifterin dines^ vom Zaun gebrochenen religiösen Gezänks. In Wirklichkeit ist dieser Zank aber erst durch d ^Antisemiten vom Zaun gebrochen worden, welche um keinen Preis den Begriff der „christlichen Nächstenliebe" in der!„allumfaffenden Menschenliebe" aufgehen sehen möchten. Frankreich. ** Paris Der neueste ..Bericht der Alliance Jsraelite Universelle" für das Jahr 1896 enthält eine Fülle von Material zu Beurcheilung der Lage der Juden in Rußland, Rumänien, der Türkei, Marokko und Persien, während die „Statistik der Schulen und des Lehrlingswerks" eine gute Vorstellung von der segensreichen Thätigkeit gewährt, welche die Alliance auf diesem Gebiete im Orient entwickelt. Sehr ungünstig lauten noch innner die Berichte aus Rußland, denn in der dortigen Israeliten hat sich im Verlaufe des Jahres 1896 keine wesentliche Veränderung zugetragen. Sie ist", wie es in dem Berichte heißt, „geblieben, was sie seit nahezu 16 Jahren gewesen ist, schrecklich, elend und beklagenswerth." Das Unglück der russischen Juden ist, wie bekannt, ihr erzwunges enges Zusammenleben in einzelnen Provinzen und in dieser Beziehung hat allerdings die neue Regierung noch nicht in die geringste Milderung herbeigeführt. Die Zahl der obdachlosen Juden nimmt jährlich zu. In Wilna betteln 8000 Juden und im Winter 1895 sirrd dort 2000 jüdische Familien auf Kosten der öffentlichen Wohltsätigkeit beköstigt und mit Heizung versehen worden; in Grodno zählt man ein Bettler auf 10 Juden, in Berdischew leben 10,000 Familien von Almosen. Das sind allerdings erschreckende Ziffern und die Regierung Nikolais II. sollte sich beeilen, wenigstens das am 3. Mai 1882 erlassene „temporäre" Gesetz (seitdem sind 15 Jahre vergangen!), welcher den Juden den Aufenthalt in den Dörfern, den Ankauf von ländlichem Grund und Boden sowie dessen Pachtung und Verwaltung untersagt, wieder auszuheben. Seit dem erwähnten Jahre sind freilich noch manche andere Beschränkungen für die Juden in Rußland eingesührl worden, allein jenes Gesetz ist doch die schlimmste aller Ausnahmemaßregeln. — Auf die Willkürakte, welche in Rumänien, besonders auf dem Gebiete der Schule, gegen die Juden verübt worden sind, haben wir wiederholt hingewiesen, und auch der Bericht der Alliance ist nicht in der Lage, eine

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