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Der Israelit · 1897-10-05 · Heft 79 (5.10.1897) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 79 (5.10.1897)
Date
1897-10-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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.. u. ipjpiwM XXXVlli> Jahrgang. Beilage ju M 79 -es Jlarnelit“. Feuilleton. Dir Fsttsttzsvs Sn VP-kllhklm'schen KÜStl «VS Sem illdlschev Weil?) Von Maler Hermann Junker. (Siehe illustrierte Extrabeilage zu Nr. 76/77.) Die rituellen und familiären Gebräuche des alten Judenthums tragen in sich eine so tief sittliche und religiöse Kraft, daß sie demjenigen, dem sie zum Verstärwniß gelangt sind, eine unerschöpfliche Quelle läuternder Anregung und dauernder moralischer Erquickung werden und bleiben. Der tiefe Ernst, der bedeutungsvolle Inhalt derselben müssen jedem, der an veredelndem Streben Gefallen hat, geradezu imponiren. Es war gewiß eine dankbare Aufgabe, diese herrlichen Gebräuche wieder zum Verständniß der Mitwelt zu bringen, daß sie ihre wahrhaft segensvollen Grundgedanken auf's Neue wieder bethätigen möchten. So war denn auch das Unternehmen des verstorbenen Professors Oppenheim, diese schönen Sitten in Bildern fortleben zu lassen, gewiß ein dankenswcrthes. Mich haben diese besonders angezvgen und früher schon veranlaßt, tiefer in das Wesen derselben einzudringen. So war ich vorbereitet, als der Tod des Künstlers eintrat und Freunde wünschten, die Bilder fortgesetzt zu sehen, den Versuch zu wagen, nachdeni ich früher schon zu Lebzeiten Oppenheims mehrere Gemälde dieser Richtung geschaffen hatte, die Erbschaft aufzunehmen und das Viele noch in dem Cyclus Fehlende zu ergänzen und eine neue Folge erstehen zu lassen. Es konnte mir das nur neben der Kenntniß der einschlägigen Literatur von Bodenschatz, Schudt, Kompert, Bernstein, Dr. Stein, Auerbach u. a. an der Hand von gelehrten Israeliten gelingen, welche mir rathend und fördernd zur Seite standen, und die ich denn auch, einem Gefühle des Dankes folgend, in meinen Bildern hier und da im Portait angebracht habe. Es sind bis jetzt vier solche Gemälde, welche sich den Oppenheimschen anschließen fertig. Der Erfolg wird mir zeigen, ob ich recht gethan habe, das Werk wieder aufzunehmen. Das erste meiner Bilder stellt „Die Prüfuirg der Brautleute vor dem Kreisrabbi rr e r und dem K r e i s h a u p t m a n n" dar. Das Lokal des Vorgangs ist ein Vorraum der Synagoge. An der Wand über der Thür, welche zur Synagoge führt, steht der Spruch: Das ist die Pforte des *) Interessenten zur ges. Kcimtnißnahme, daß die in Oel gemalten Originalbilder käuflich zu erwerben sind. Herrn, die Gerechten werden dahinein gehen. (Psalm CXVIII, 20.) Zur Seite die Inschriften: Höret! Hebet eure Augen in die Höhe! Höret! Wen? Gott den König, den Höchsten. Wen? Höret! Des Morgens, Mittags und Abends. Auf dem grün überhangenen Tische auf der Estrade inmitten des Bildes zeigt eine Rolle auf dem Pult des Rabbiners die Worte aus dem Talmud-Traktat Kethuboth Kap. 1 § 1: Eine Jungfrau heirathet man am 4. eine Wittfrau am 5. Tag in der Woche, denn zweimal in der Woche sitzen die Richter in den Städten, nämlich den 2. und 5. Tag, Hamit, wenn der Bräutigam wegen der Reinheit etwas vorzubringen hätte, er beizeiten vor die Richter kommen könnte. Der alte Rabbi, mit dem Gebetmantel angethan, prüft die jungen Leute aus dem religiös-moralischen Lehrbuche „Bne Zion"; nach dem Gesetze konnten sie erst nach Bestand dieser Prüfung an das „Einkommen", d. h. an die Heirathsbewilligung denken. Vor dem Rabbi stehen die jungen Brautleute von dem ganzen Ernste der Situation durchdrungen, die Braut, den Finger zum Munde erhebend, besinnt sich auf die Antwort, über welche auch der Bräutigam in Spannung nachdenkt. Die versammelten Verwandten, unter denen die Portraitfigur des verstorbenen Professors Moritz Oppenheim hervortritt, sind in Erregung bei einander, lauschend auf die Antworten. Hinter dem Rabbi steht ein Talmudschüler. Vorn aber sitzt, die Prüfung genau verfolgend, der Vertreter der weltlichen Macht in seiner Uniform, der Kreishauptmann, die Amtspapiere unter der Hand. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, im Sept. Die „Parole" deutsche Kriegerzeitung schreibt in ihrer Nummer 38 vom I?. September 1897, unter „Kleine Episoden" „aus den Befreiungskriegen": Inden mörderischen Gefechten bei Groß-Görschen am 2. Mai 1813 war auch das preußische Gardejägerbataillon engagirt und verlor viele Leute. Unter den ersten, welche als verwundet vom Detachement zurückkamen, befand sich auch der freiwillige Jäger Hilsbach, ein Israelit. Er hatte in der Hitze des Gefechts zwei Schuß in oen Arm erhalten, hatte jedoch nach Empfang des ersten Schusses das Gefecht noch nicht verlassen wollen und ging erst dann zurück, als er durch den zweiten Schuß völlig kampfunfähig wurde. Beim Soulien angekommen, äußerten viele seiner Kameraden ihr Bedauern über die Verwundung. Der

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