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Der Israelit · 1897-09-23 · Heft 76-77 (23.9.1897) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 76-77 (23.9.1897)
Date
1897-09-23
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXnn. Jahrgang. Zweite Seil, ju M 76 & 77 üts „Israelit". AeituttgSnachrichren und Correfponvenzeir. Deutschland. ** Berlin. Innerhalb der antisemitischen Parthei in Deutschland geht es zur Zeit drunter und drüber. Die Führer, die sich in den Haaren liegen, werden redselig und beginnen im Eifer des Gefechts ans der Schule zu plaudern; und was da von Antisemiten, gegen Antisemiten ans Tageslicht kommt, ist recht erbaulich und lehrreich. Auch das Städtchen Grünberg befindet sich auf der Zinne der Kultur und hat seine Antisemiten; treffliche Männer/ die Anstand und Ehrlichkeit als Monopol gepachtet und es sich zur Aufgabe gestellt haben, ihre armen Mitmenschen vor Schaden und Ausbeutung zu bewahren. Wer zieht aber dem armen deutschen Michel das Fell über die Ohren? Das ist die Quelle alles Nebels und aller Schlechtigkeit, der Jude! „Drum kaust nicht bei Juden!" So riefen, wie anderwärts die wackeren Männer, die Streiter für Anstand, Recht und Redlichkeit, die „teutsch-ehrlichen" Grünberger Antisemiten. Und einer der eifrigsten Rufer im Streit war ein Jünzer Ahlwardts, der Konditor Laube. Vor kurzem überraschte nun Herr Laube die Welt mit der eigentlich nicht überraschenden Thatsache, daß er seine Konditorei an — einen Juden verkauft habe. Eigentlich gar nicht so wunderbar. Denn: „Kauft nicht bei Juden" ist doch nicht gleichbedeutend mit: „Verkauft nicht an Juden." Doch scheint die Handlungsweise des Herrn Laube doch hier und da Verwunderung oder gar Anstoß erregt zu haben; denn genannter Herr sieht sich zu einem längeren Schreiben an das „Grünberger Wochenbl." veranlaßt, aus welchem folgende Stellen werth sind, der unverdienten Vergeffenheit entriflen zu werden. „Seit längerer Zeit habe ich mein Grundstück öffentlich feilgeboten, hatte auch mehrere Käufer, uno zwar Nicht-Juden hierfür, konnte aber mit diesen nicht einig werden, und zwar deshalb, weil diese dasselbe durch allerlei Manipulationen zu erlangen suchten, um mich zu schädigen. Hingegen wurde der Kauf mit dem Kaufmann Adolf Selowsky in wenigen Stunden auf die reelste Weise zu meiner vollkommensten Zufriedenheit perfekt. Weshalb sollte ich nun mein Grundstück nicht an einen Juden verkaufen? — Ich habe leider in letzter Zeit so trübe Erfahrungen gesammelt, daß ich mich eines Anderen besonnen habe. Durch die Verhältnfffe belehrt, denke ich an das bewährte Sprüchwort: „Da mir's wohl ging auf Erden. Wollten Alle meine Freunde werben; Als ich aber kam in Noth, Da waren sogar meine treusten Freunde todt." Ferner muß ich noch bemerken, daß Personen (aber nicht Juden) es sich zur Aufgabe gemacht haben, meinen Ruin durch Lügengewebe, falsche Anschuldigung und durch alle erdenklichen Jntriguen herbeizuführen. Wenn Sie, geehrte Redaktion, mir heute noch meine politische Gesinnung vorwerfen, so nehmen Sie die Versicherung hin, daß ich jetzt auf einem anderen politischen Standpunkte stehe. Den Grund meines Austritts aus der antisemitischen Hurrah schreienden Parthei werde ich in Ihrem geschätzten Blatte bei gelegener Zeit zu veröffentlichen suchen. Sollten dennoch unter meinen politischen Freunden und Feinden welche über meinen Austritt aus der „schwarz-weißen Parthei" überrascht sein, so stehen denselben Stöße von Akten zur Verfügung." Was der ehemalige antisemitische Agitator hier über seine früheren Gesinnungsgenossen mittheilt, ist nicht gerade neu. Bemerkenswerth ist dieses Urtheil aber nichtsdestoweniger im höchsten Maße, weil die Competenz des Autors infolge seiner intimen Vertrautheit mit den einschlägigen Verhältniffen wohl von keiner Seite bestritten werden kann. Stratzvurg i. E, 14. Sept. Mit einer hochgeachteten Familie steht unsere Nachbargemeinde Bischheim und stehen weite Kreise der hiesigen und vielen anderen Gemeinden trauernd an der Bahre einer edlen Frau, die des Allmächtigen unerforschlicher Wille, ihnen und uns zu herbem Schmerze, in der Vlüthe der Jahre aus diesem Leben abberufen hat. — Frau Delphine Klein, Gattin des Herrn Jules Klein, ist heute unter außerordentlich großer Betheiligung zu Grabe getragen worden, und die Menge derer, die ihrer Bahre folgten, wie die Erschütterung, die auf aller Mienen sich ausprägte, legten Zeugniß ab von der Liebe und Verehrung, deren sie sich im Leb-m erfreuen durfte und von der Größe des Verlustes, den nicht nur die Familie beklagt. In der That eine m, wie sie in unserer Zeit immer seltener werden, ist mit ihr dahingegangen. Von einem frommen Elternpaare — ihre Mutter m» war die einzige Schwester des unvergeßlichen Rabbi Salomon Wolf Klein b« — erzogen, hat sie von ihrer frühesten Jugend an nur der gewifsenhaften Erfüllung unserer heiligen Religionsgebote gelebt und das Haus, das sie mit dem jüngsten Sohn ihres hochverehrten Oheims!r,2ft gründete, nur in den Dienst des Gottesgesetzes gestellt, hat sie stets mit ängstlicher Gewissenhaftigkeit danach gestrebt, eine würdige Tochter ihrer Eltern, eine würdige Schwieger-

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