Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 75 (20.9.1897)
- Date
- 1897-09-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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- Mohel 2× ep/1006163
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1465 ruf in uneigennützigster Weise versehen, so wünschen wir auch nicht, daß ihnen durch die Anschaffung der vorgeschriebenen neuen Geräthe Kosten erwachsen. Wir werden daher die in § 3 Ziffer 2, 3, 4, 5, 15, 16 der Dienstweisrmg bezeichneten Gegenstände, sowie die hiezu paffenden Sterelistrapparate von uns aus anfertigen lassen und dieselben den Mohelim für die Dauer ihres Amtes zur Verfügung stellen." „Ferner sind wir bereit, in Landorten wohnenden bedürftigen Familien, welchen durch Beiziehung eines auswärtigen Arztes zur Beschneidung erhebliche Kosten erwachsen, entsprechende Beiträge ans der israelitischen Centralkaffe zu bewilligen Bezügliche Gesuche waren durch Vermittelung des Mohel bei der Bezirkssynagoge einzureichen und von dieser mit gutachtlicher Aeußerung hierher vorzutegen." „Wir übersenden nunmehr den Rabb'maten in besonderer Packung Exemplare der neuen Dienstvorschriften sowie Abdrücke der gegenwärtigen Verfügung mit der Veranlaffung, den in ihren Sprengel» ansässigen Mohelim je ein Exemplar mit dem Bemerken zuzustellen, daß die Dienstvorschriften am 1. Januar 1638 in Kraft treten, und daß ihnen empfohlen werde, sich inzwischen mit dem Inhalte derselben sowie mit der Anwendung der neuen Instrumente genau vertraut zu machen." „Die Rabbinate, für welche ebenfalls ein Exemplar der Dienstvorschriften bestimmt ist, wollen binnen vier Wochen hierher anzeigen, welche Mohelim um diesseitige Beschaffung der neuen Dienstgerälhscyaften nachgesucht haben." „Bei Uebersenoung der letzteren werden wir alsdann auch Exemplare des von den Mohelim zu führenden Tagebuchs, sowie der gedruckten Belehrung anschließen, welche die Mohelim den Familien beziehungsweise dem Wartepersonal gemäß § 30 der Du'nsiweffung zmückznlasstn haben." .,Die Spnagogenräthe werden Exemplare der Dienstvorschriften unmittelbar von hier aus erhalten." Soweit der Wortlaut des Circutars. Die Dienstvorschriften werden wir einer fachmännischen Besprechung unterziehen lassen. Feuilleton. Die Stunde der Vergeltung. Von Paul Gotthelf. 4) sAlle Rechte vorbchalten.s „Du hast auch keinen Arzt nöthig," entgegnete Selma, „und wenn Du eines solchen bedarfst, ist lvohl Dr. Reis der erste, der die Gunst erfährt. Dein Vertrauen zu besitzen." „Mein Bruder '< Pah! der ist ebenfalls noch jung und unerfahren, der muß auch erst lernen." „Ganz recht, mein Fräulein," lachte der Commerzienrath, „der muß erst lernen, und die beiden jungen Aerzte, Reiß und Jordan, haben schon etwas gelernt. Ein famoser Witz, mein Fräulein, ich mache Ihnen mein Compliment." Errät hend wandten sich Selma und Elsa bctit Ausgange zu. Elsa ärgerte sich über die Wendung des Gesprächs, denn es war stadtbekannt, welch' wildes Leben Dr. Reif als Student geführt hatte. Dr. Jordan und Dr. Reiß hatten sich durch Lösung einer Prersansgabe ihren Doktor erworben, währeild Reis seine Prüfungen bisher nur mit Ach und Krach bestanden hatte. Die ersteren waren seit zwei Jahren Assistenten der beliebtesten Profefforen, Reif hatte erst jetzt sein Staatsexamen hinter sich. -— Selma wollte ihrer Freundin zu Hilfe kommen. Sie drohte mit dem Finger und sprach: „Sie sind boshaft, Herr Commerzienrath; das hätte ich nicht von Ihnen gedacht." „Boshaft? Nein, mein Fräulein', ich habe nur die Rechte eines Abwesenden gewahrt." Man war bis zum Ansgang gelangt; Selma reichte dem Commerzienrath die Hand, während Elsa sich ohne ein Wort des Abschieds in den Wagen setzte. Run schlug der Porlier die Thüre zu und das Coupe rollte weiter. „Wie kannst Dn nur bei solch einem impertinenteu Schacherjuden kaufen?" brach Elsa nach einer kleinen Weile los. „Siehst Du, das hat man davon, wenn man mit den: Pack in Bertthruilg kommt, Aergcr und Verdruß." „Elsa, Dein Judenhaß führt Dich zu weit und macht Dich blind. Herr Lazar ist der liebenswürdigste und höflichste Alaun, den ich kenne; sein Geschäft ist das größte und dabei das reellste am hiesigen Platze. Ich bitte Dich, in anderen Ausdrücken von einem Manne zu sprechen, den selbst unser Landesft'irst ehrt und dem unsere Stadt schon Vieles verdankt." „Ha, ha, ha," entgegnete Elsa gereizt. „Ich weiß wohl, daß Dn den Judenjungen, den Reiß in Dein Herz geschlossen hast, seitdem er Dich über das Dach getragen und nun meinst Du, Du müßtest die ganze Judensippe in Schutz nehmen." „Gewiß muß ich das, mtb ich thue es herzlich gerne. Mir scheint der muthige Judenjunge, der mit eigener Lebensgefahr ein ihm unbekanntes, fremdes Leben rettet, ehrenwerther zu sein, als der dumme Bube, der in seinem Rausch das Hochzeitsfeft armer Leute stört, Gräber demoliert und beschmutzt und nachher aus Furcht vor der gerechten Strafe den Judenjungen hinschickt, daß er nm Gnade für ihn bitte. Meinst Du uicht auch, daß ich recht habe." „Das ist nicht wahr, das ist gelogen!" fuhr Elsa auf. „Arthur könnte sich nie so weit vergeffen. Und wenn er damals eine solch schändliche That be-