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Der Israelit · 1897-09-16 · Heft 74 (16.9.1897) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 74 (16.9.1897)
Date
1897-09-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1445 Anerkennung unserer Gemeinde erworben, die ihn durch Nebertragung zahlreicher Vertraucnsämter auszeichnete, sondern auch als feinsinniger Stilist einen ehrenvollen Namen ans dem Gebiete der nenhebräischen Litteratur gemacht. So zählte er in den siebziger und achtziger Jahren zu den fleißigsten und vielseitigsten Mitarbeitern der Zeitschriften „Hamagid"- „Hazefira" und „Halewanon" und übersetzte nament, tich für die letzteren mehrere Erzählungen des Begründers des „Israelit", Rabbiner Dr. M. Lehmann Wir wünschen dem verehrten Jubilar, daß es ihm vergönnt sein möge, noch recht lange in geistiger Frische und körperlicher Rüstigkeit zum Wohle unserer Gemeinde und jur Ehre des Judenthums zu wirken! Aus Bayern, 12. <Sept. Außer in Fachkreisen dürfte es nur wenig bekannt sein, daß zur Fabrikation von Cichorien in fast allen dieses Kaffeesurrogat herstellenden Fabriken ein Zusatz von Fett oder Oel genommen wird, der den Zweck hat, einestheils den beim Mahlen der gebrannten Cichorienwurzeln entstehenden lästigen Staub zu beseitigen, anverntteils der Cichorie selbst ein frischeres, glänzenderes Aussehen zu geben. Die Bedeutung der Bezeichnung itP3 bei Den in den Handel gebrachten Cichorienpacketchen liegt nun eben darin, daß damit versichert werden soll, die bezügliche Cichorie enthalte entweder gar keinen Zusatz, oder wenigstens keinen Fettzusatz; für die Zulässigkeit der Verwendung am nvv kommen auch noch andere bei der Fabrikation zu beobachtende Vorkehrungen in Betracht. Dafür, daß bei der Fabrikation in Wirklichkeit auf die für die Verwendbarkeit vom jüd. Religionsgesetz geforderten Umstände Bedacht genommen worden ist, gibt natürlich die auf den Packetchen sich befindliche Aufschrift „koscher" allein keine Gewähr, insolange man sich über die Provenienz der Waare und das bei deren Bereitung beobachtete Verfahren eine Gewißheit nicht verschafft hat. In Süddeutschland sind es vornehmlich zwei Fabriken, beide in Fürth, welche sich mit der Herstellung von Cichorien befassen und ihr Fabrikat als „Koscher" und nvs bv dj iw in den Handel bringen. Eine Erkundigung an zuständiger Stelle hatte jedoch das Ergebniß, daß nur die eine der beiden Fabriken, und zwar die von Julius Cohn, unter strenger Aufsicht einer von autorisirter Seite dazu berufenen, verläßlichen Person gestellt ist, watz aber bei der andern nicht der Fall ist. Die Koscherwaaren jener erstgenannten Fabrik sollten allerdings mehr als bisher durch geeignete Kennzeichnung vor Verwechslung geschützt sein. Immerhin ersieht man auch hieraus, welche große Vorsicht der streng religiöse Jude bei dem Bezüge von Maaren anzuwenden hat, wenn er sich nicht unbewußt oder aus Indolenz gegen die Vorschriften des göttlichen Speisegesetzes verfehlen und mit aufrichtigem"Empfinden seinem Schöpfer die Bitte bzsoz “jvcb ukbw ny vortragen will. Bei der groben Vertrauensseligkeit des Publikums, auch des religiös gesinnten, ist es gut, von Zeit zu Zeit durch ein gegebenes Beispiel es von dieser Selbsttäuschung zu befreien. D. Rußland. ** Odessa Herr Lasar Brodsky war 1890 beim Generalgouverneur von Kiew um die Erlaubniß eingekommen, auf seine Kosten auf einem ifym gehörigen Grundstück eine Synagoge bauen zu dürfen. Die Erlaubniß wurde erst im Jahre 1892 gewährt unb nnr unter der besonderen Bedingung, daß nichts an dem Aeußeren des Gebäudes auf seine Bestimmung hindeuten und daß der Eingang der Synagoge nur ein einfacher Thorweg sein dürfe. Als nun die Synagoge fertiggestellt war und eben dem Gottesdienste übergeben werden sollte, verbot der Generatgouverneur die Eröffnung, weil die Fasiade nicht „unbedeutend genug aussehe", so daß man leicht die Bestimmung desselben erkennen könne. Da sich in Kiew Pilger aus allen Theilen des Reiches einfänden, „sei der Anblick einer Synagoge ein unpaffender für die Gläubigen". Nunmehr hat auf eingelegte Beschwerde der dirigirende Senat die Entscheidung des Generalgouverneurs für ungiltig erklärt und erlaubt, daß das Gebäude dem jüdischen Gottesdienste freigegeben wird. England.? London* Die Bewegung, welche sich in neuester Zeit unter den Juden des Ostends zeigt und dieselbe zur Ueberstedelung nach den ländlichen Distrikten in der Nähe von London zu ermuthigen sucht, hat einen neuen E-fola zu verzeichnen. Außer einem neuen Strom von Ansiedlern, welche nach Benfleet gegangen sind, sind auch nach Pitsea, 41/2 englische Meilen von Benfleet, aber näher zu London eine ganze Anzahl von jüdischen Familien gezogen, welche sich dort kleine Stücke Landes gekauft haben. Sie beabsichtigen Gemüsegärten onzulegen und hoffen mit ihren Produkten die Märkte in Romfort, Gravesend und Titbury zu versorgen, welche ganz nahe liegen, später vielleicht auch einmal nach London ihre Gemüse rc. zu liefern. Es kann natürlich nur freudig begrüßt werden, wenn einige hundert jüdische Schneider und Schuhmacher rc. sich entschließen ihren Beruf zu wechseln und Gärtner zu werden. — Eine ganze Anzahl Telegramme gleichen Inhalts sind hier eingegangen aus Buschar in Persien, in denen von neuen sehr schweren Verfolgungen gegen die Juden in Fars berichtet wird. Der Gouverneur von Fars hat die Juden versammelt und ihnen nur die Wahl gelaffen, entweder zum Islam überzutreten oder zu sterben. Gleichzeitig verweigert man den Unglücklichen alle Nahrungsmittel, so daß die 250

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