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Der Israelit · 1897-09-16 · Heft 74 (16.9.1897) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 74 (16.9.1897)
Date
1897-09-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XX1TDI. Jahrgang. M 74. Der Israelit. Ein Gentrak-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von »p fp^mann in Utain}. Donnerstag, de« 16. September 5657 (1897). Leitender Artikel. Der Zionismus. in. Mainz, 15. September. Es giebt Leute, welche die Unausführbarkeit der zionistischen Pläne wohl einsehen, trotzdem jedoch dieser Schwärmerei nicht entgegentreten, indem sie sagen, wir wollen den Unglücklichen wenigstens eine schöne Hoffnung lassen, wir wollen ihnen ihre süßen Träume nicht rauben. Wenn einer verschmachtenden Karawane in der Wüste die Fata morg-ana wasserreiche fruchtbare Gegenden zeigt und die durstenden Wanderer ihre Straße verlassen wollen, um dem täuschenden Luftgebilde nachzugehen, darf dann der Kenner dieser Erscheinung seinen Mahnruf unterdrücken und die Unkundigen, um denselben ihren Traum nicht zu nehmen, in die todtbringende Irre und Wildniß ziehen laßen? Was die Zionisten sich selbst und Anderen vvrspiegeln, es gleicht dem lockenden, verderblichen Spiegelbilde, der bekannten Wüstenerscheinung und die Gefahren sind auch hier groß und unberechenbar. Die jüdische Geschichte weist gar manches Blatt auf, das mit Blut und Verderben, sowie mit Verirrung der Geister beschrieben ist, hervorgerufen durch das Auftreten eines falschen Messias, durch zur Unzeit erweckte Hoffnung auf das sichere und nahe Kommen der Erlösung. Welch ernste Mahnungen enthalten, um nur das Folgenschwerste zu nennen, der Aufstand des Bar Kochba und das Erscheinen des Sabbatai Zebi? Wie wurden bei dein Taumel beider Ereignisse, selbst hervorragende Männer mit in den Strudel gerissen! Als das schwertgegürtete Rom die Welt beherrschte und es noch frisch in der Erinnerung war, welch hohen Muth und welch ausgezeichnete kriegerischen Eigenschaften das jüdische Volk im Verzweiflungskampfe um Land und Tempel bewiesen hatte, da glaubten die Nachkommen durch Muth und Kriegstüchtigkeit lasse sich die Erlösung herbeiführen, und als in Bar Kochba der Mann gefunden war, der diesen Glauben und diese Wünsche in sich verkörperte, da stand das ganze Volk auf, um die Erlösung mit Waffengewalt sich zu erzwingen. — Zu einer Zeit, da auch Unberufene sich mit dem Studium der Kabbala befaßten, und die Masse des Volkes sich viel von Wundern erzählte, welche durch diese geheimnißvolle und unverstandene Wissenschaft möglich geworden seien, lag der Gedanke nahe, daß durch die wunderwirkende Kabbala sich die Erlösung herbeizaubern laffe und im phantastischen Kabbalisten Sabbatai Zebi sah man einen Mann, von dem man glaubte, daß dessen Wunderkraft für den Messias ausreiche. Fünfzehn Jahrhunderte liegen zwischen Bar Kochba und Sabbatai Zebi, gar oft wurde während dieses großen Zeitraums Israel dadurch irre geführt, daß nx i:d lytai ppn, daß sie das Ende der Leiden herausgerechnet zu haben glaubten und zu spät ihren verhängnißvollen Jrrthum erkannten. Am Bekanntesten aber sind die verhängnißvollen Ereigniffe, welche sich an die beiden genannten Namen knüpfen. Heute herrscht in weiten Kreisen die Ansicht von der Allmacht des Kapitals, von dem man sagt, und nach unserer Ansicht mit Unrecht sagt, daß es die heutige Welt beherrsche. Muß es sich da nicht als fast selbstverständlich erweisen, daß die Sehnsucht nach der Erlösung, die bei vielen Juden eine unjüdische Form angenommen hat, daß diese Sehnsucht sich des Kapitals bedienen will, um sich die Erlösung zu erkaufen? Kann es dem Kenner der Geschichte, dem rückwärts schauenden Propheten, zweifelhaft sein, daß diese Schwärmerei, so modern ihr Gewand auch ist, kein anderes Ende nehmen wird, als die messianischen Irrungen der Vergangenheit und daß ihr Fortgang sowohl, als ihr endgiltiges Scheitern im Stande ist,

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