Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 73 (13.9.1897)
- Date
- 1897-09-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXVIII. Jahrgang. M 98 Der Israelit. Ein Gentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr, XelttHfttttt in Atuinf. Montag, de« 13. Septemd er 5657 (1897). V\ Leitender Artikel. Der Zionismus. ii. Mainz, 12. September. Der eine oder der andere Anhänger der zionistischen Bewegung wird, wenn er unsere sachlichen und kurzen Bemerkungen über die etwaige Errichtung eines Judenstaats gelesen hat, die Aeußerung thun, wir kämpften gegen Windmühlen. Uns selbst gegenüber wurde schon im Gespräch mit Herren, die mit frisch froher Begeisterung vom Baseler Hurrakongreß kamen, die Behauptung gewagt, in Basel sei vom Judenstaat gar nicht mehr ernstlich gesprochen worden. Ja, in Basel wurde überhaupt nach keiner Seite hin klipp und klar gesagt, was man eigentlich wolle, und besonders die Idee von einem neuzugründenden jüdischen Reiche blickt meist nur verschämt und verstohlen zwischen den langen Reihen hindurch, welche die Kongreßberichte von Basel einnehmen. Aber sie blickt hindurch, überall ist sie zu finden, leuchtet wie ein Irrlicht auf, verschwindet für einen Augenblick, um gleich wieder da zu sein. Die Einwürfe, die seit Monaten von einer Reihe besonnener Männer gegen diesen chimärenhaften Plan vorgebracht wurden, haben selbst in den von Begeisterung trunkenen Köpfen, den Gedanken aufkommen lasien, daß es bester wäre, ein wenig leiser und vorsichtiger von diesem Hoch- und Endziel der ganzen Bewegung zu reden. Nun, uns soll es gewiß lieb sein, wenn die Ueberzeugung von der Unerreichbarkeit eines jüdischen Staatswesens in Palästina, wie es uns bis vor Kurzem Herr Herz! und Genosten ausmalte, unter den Zionisten sich verbreitet hat. Wir wären recht froh, wenn man uns mit Berechtigung den Vorwurf machen könnte, wir hätten gegen eine Sache gekämpft, die heute schon allüberall als das Phantom betrachtet wird, das sie wirklich darftellt. Aber auch dann dürften wir trotzdem unsere Rüstung nicht ablegen. Der Hauptwunsch, der in Basel Ausdruck gefunden hätte, sei, so wird uns gesagt, die Colonifation Palästina'-. Jedoch durchaus nicht als Vorstufe und Vorarbeit für den Judenstaat; einzig und allein nur als Mittel, um die armen Juden in Rußland und Galizien aus ihrer tiefen Noth zu befreien. In demselben Palästina, das früher von vielen Millionen Menschen bewohnt gewesen sei, müßte auch Raum zur freien Enthaltung für die Millionen unserer unglücklichen Brüder sein, die heute in den genannten Ländern in schrecklichem Elende schmachten. Wenn Einer unserer G. s. D. zahlreichen warmherzigen, mitfühlenden und stets hillbereiten Glaubensgenosten in Deutschland einmal Lust haben sollte, herzlos und selbstsüchtig genannt zu werden, so wage er nur einem Vollzionisten gegenüber den Ausspruch, die geplante Ueberführung der russischen und galizischen Juden nach Palästina nicht zu billigen. Noch bevor er Zeit gefunden hat, sein kühnes Wort irgendwie zu begründen, wird sich schon eine solche Fluth von Vorwürfen und falschen Unterstellungen über ihn ergosten haben, daß er gleich einem, während der Wahlperiode vielgeschmähten Parlamentskandidaten, an sich selbst irre wird und ängstlich untersucht ob er denn wirklich ein Herz von Fleisch und nicht ein solches von Stein habe. Wir Alle wollen unfern Brüdern besonders in Rußland helfen und viel, sehr viel ist hier gethan und versucht worden, bevor noch die Zionisten auf dem Plan erschienen sind. Die wiederholten Hilfsaktionen nach dieser Richtung hin, welche immer noch nicht abgeschlossen sind mit der Fülle von Opfermuth und edler Bruderliebe, die dabei zu Tage trat, bilden ein unverwelkliches Blatt in der Ruhmesgeschichte der modernen Judenheit. Viele Männer, die sich dort auszeichneten, stehen den Zionisten und auch ihrem Rettungsplan durch Besiedelung Palästinas kühl bis ins Herz hinein, gegen-