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Der Israelit · 1897-09-09 · Heft 72 (9.9.1897) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 72 (9.9.1897)
Date
1897-09-09
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1414 geheiligte Haupt des Fürsten die Königskrone zu legen. Der das Wort führende Notabte fügte hinzu, daß alle jene Kinder durch die Reihe berufen sind, Soldaten, Vertheidigcr des Vaterlandes und der Dynastie zu werden. Se. Majestät geruhte die Leidenssprache unseres Notabeln geduldig auzuhörcn, seine ganze Antwort jedoch lag in den Worten: „Ich weiß Alles, allein als constitutionellcr König vermag ich nichts zu ihun. Meine Minister sind für ihre Handlungen verantwortlich." Nach dieser nicht zufriedenstellenden Antwort fanden jüdische Meetings sowohl in der Hauptftadl als auch in mehreren bedeutenderen Städten des Königreiches öffentlich statt, um gegen die von der Regierung gegen die rumänischen Juden überhaupt, gegen die alten jüdischen Soldaten und deren aus Staatsschulen ausgeschlossenen Kinder verübten Ungerechtigkeiten, sowie auch gegen die Chicane, mit denen sie ihnen unerschwingliche Ausnahmstoxen auferlegt haben, laut zu protestiren. Eines der Meeting-, welche in der Hauptstadt stattgefunden hatten, war geradezu sensationell. Einer der Redner sagte ungefähr folgendes: „Ei. was, sind wir Sclaven? Man bat uns tausende Pflichten auferlegt und nicht ein Recht gewährt man uns. Man steckt uns in die Armee und schickt uns, fürs Vaterland zu sterben, auf's Schlachtfeld, da sind wir Rumänen; allein, wenn wir verlangen, daß unsere Kinder in die Schulen, welche aus dem Staatssäckel, zu dem auch wir als Eingeborene und Steuerträger reichlich beitragen, Aufnahme finden sollen, dann sind wir Fremde! Äh! Man rechnet es uns als Verbrechen an, weil wir unserem religiösen Bekenntnisse treu sind und es bleiben wollen. Aber, wenn so viele Verfolgungen wir für unfern Theil erlitten haben, so können wir doch nicht -«geben, daß unsere Kinder ebenso verfolgt werden wie wir. Protestiren wir deßhalb mit aller Macht gegen solche Ungerechtigkeit x. re." Ein anderer Redner, ein ausgedienter Soldat, schlug vor, der Einberufung in die Reserve nicht Folge zu leisten; dieser Vorschlag jedoch wurde einstimmig abgelehnt. Anderseits haben die Juden außer der bereits seit 7 Jahren bestehenden Zeitschrift „Egalitatea“ auch noch zwei neue Blätter „Famenfcanul“ in Galatz und „Emanripatea“ in Bukarest gegründet. Diese beiden Blätter, in der Landessprache vorzüglich geschrieben, vertheidigen die jüdische Sacke in Rumänien mit Argumenten, die zu bekämpfen oder zu widerlegen deßhalb unmöglich ist, weil sie sich auf geschichtliche Thalsachen und auf authentische unwiderlegliche Documente stützen. Wir geben der Hoffnung Raum, daß diese beiden Blätter unserer gerechten Sache wichtige Dienste leisten und zuerst der öffentlichen Meinung des Landes, nachher der Europas die Augen öffnen werden Unterdessen fehlt es nicht auch an Pessimisten, welche nach dieser Richtung an unsere Bestrebungen keine große Hoffnung knüpfen. Diese Pessimisten sind zahlreich, zumeist alte und ehrbare Männer, welche in gleichem Grade, wenn auch nach einer andern Richtung kämpfen: sie sind von der Idee der Hovove Zion eingenommen, sie arbeiten auswärts für die Auswanderung der in Nnmänien, Rußland x. verfolgten Inden nach Palästina. In der That sind in säst allen Städten Rumäniens Komitees eingesetzt mit dem Sitze eines Zentral-Komitccs in Galatz. Dieses Komitee sammelt beträchtliche Geldsummen unb versendet sie an das palästinensische Komitee in Pariswelches bereits ein großes Terrain in Palästina auf Rcchmlng der runlänischcn Juden gekauft hat. Der Verein Üovovö Zion in Rumänien setzt seine Operationen in diesem Sinne fort. Die Mitglieder tragen in cdelmüthiger Weise durch große Opfer an Geld zu seinem moralischen und materiellen Aufschwünge bei und man erwartet glänzende Resultate, denn Niemand schließt sich ans. Im Gegentherl, alle Inden des Landes nnterstützen und muntern ihn auf, um nur die Ackerbail-Kolonisation ihrer Glaubensgenossen in dein Lande ttnserer Vorfahren zu sörden und sie von den furchtbaren Verfolgungen, denen sie hier ausgesetzt sind, zu befreien. Wenn, wie man hofft, Hovove Zion vollends reussirt, so werden mehe als zehntausend israelitische Familien in kurzer Zeit Rumänien verlassen und die Felder des heiligen Landes bebauen. Vielleicht werden die Rumänen, welche ihr Land werden entvölkert sehen, dann begreifen, daß die Juden die schlechte Behandlung, deren Opfer sie sind, nicht mehr ertraget! können und ihre Taktik in Bezug aus diese ändern. Dies würde ein Akt der Gerechtigkeit sein zur Genugthunng der JSracliten und gleichzeitig würde Rumänien den Titel eines Barbaren, den man ihm heute allgemein beilegt, verlieren und den civilisirten Nationen angereiht werden. Atlch in national ökonomischer Beziehung würde dieses Land außerordcnrlich gewinnen. (Israel. G.-ZJ vermischtes. Leipzig, im August. Die ,,‘?hili)cmiti)d)c .ÜorirSponbr»n" bici Herrn i'ii'brniiann i>. Lonne» de lg ist von der russischen Zcnsurbchörde für den ganzen llmsaiig des russischen Reiches vcrboterr worben. Amsterdam. David SimonS, ein bekannter Rechtsanwalr in Amsterdam. ist zum Professor an der juristischen Fakultät in Unecht ernannt worden. ES ist birS der erste Fall, daß ein Jude au ciuc der holländischen llmvetsilülcn außer Amsterdam als Professor berufen wird-

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