Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1897-09-06 · Heft 71 (6.9.1897) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 71 (6.9.1897)
Date
1897-09-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448705-2448773--44544-2493645
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

XXXVIII Jahrgang. ys Ein Her Israelit Genlrat-Hrgan für das orthodore Iudenthum. Begründet von Dr VrJjmamt in Itginf Montag, den 6. September 5657 (1897), Leitender Artikel. Was lehrt uns der WWeu-CoMeß? von Rabbiner Dr. A. Cohn in Basel. Basel, 5. September. Noch unter dem vollen Eindruck des Zionisten- Congresses, der die imposanteste Kundgebung des jüdischen Volksstamms war, die ich jemals miterlebt habe, ergreife ich die Feder, um Ihrem geschätzten Leserkreise die Gedanken darzulegen, die er in mir angeregt hat. Als ein Gegner stand ich, wie wohl alle meine deutschen Gesinnungsgenossen, dem Zionismus gegenüber. In dem Nationaljudenthum sehen wir eine eigenartige Erscheinung vor uns, für welche der gläubige Jude wenig Verständniß hat. Das Nationaljudenthum ist, um ein berühmtes Wort zu gebrauchen, ein Meffer ohne Klinge, dem das Heft fehlt. Der Kern unseres Wesens und unseres Volkes Seele ist die Thora, das Volksthum, die Nation, nur das Gefäß, das diesen kostbaren Inhalt birgt. Warum, wenn religiöse Gründe uns nicht davon abhalten, sollen wir uns nicht vermischen mit Ariern und Hamiten, mit Christen, Mohamedanern und Heiden, unter denen wir zerstreut wohnen, warum sollen wir nicht gleich allen Völkern, die ihre Heimath verloren, aufgehen unter den anderen Völkern und mit ihnen uns amalgamirend die „I u d e n n o t h" beseitigend Der „Nationalstaat" ist nicht das Ideal des Judenthums, das Ideal des gläubigen Juden ist seine Emuno, seinen Gottesglauben siegreich zu bewahren und zu bewähren auf seinem Weg durch's Leben und seinen Kindern das Kleinod zu vererben, das bestimmt ist, dereinst zum Gemeingut aller Menschen zu werden. Während bei anderen Völkern das L a n d, ist es bei uns die T h o r a, die das e i n i g e n d e Band bildet, welches das ganze Volk umschließt. Wohl habenZion und Jerusalem unvergänglichen Werth in unseren Augen, aber nicht als Ort eines großen materiellen Aufschwungs, als Centren industrieller oder geschäftlicher Unternehmungen, sondern als die von Gott geweihten Siätten, die einst wieder zu ihrer vollen Anerkennung gelangen werden, "i *n-n rmn xjtn si'Xv xs Das waren die Gedanken, mit denen ich zum Congreß ging. Meine Anschauungen und Ueberzeugungen haben sich dort nicht im Geringsten gewandelt, wohl aber, um das Wichtigste vorwegzunehmen, sind die Folgerungen, die ich für das praktische Verhalten zog, wesentlich andere geworden, denn ich meine, daß das orthodoxe Judenthum keinen Grund hat, dem Zionismus hindernd in den Weg zu treten, daß wir vielmehr alle Ursache haben die Colonisation Palästinas in großem Stile auf rechtlicher Grundlage — denn das ist ja der Kern des zionistischen Programms — mit allen Kräften zu fördern. Der Congreß ist in durchaus würdiger Weise verlaufen. An der Spitze stand Dr. Theodor Herzl, ein Mann von imponirender Erscheinung und von einer Vornehmheit und einem Adel des Wesens, einer Offenheit und Gradheit, die ihn, wie kaum einen Andern für das Führeramt, welches er bekleidet, geeignet erscheinen ließ. Mit Recht wandte auf ihn ein galizianischer Glaubens- und Gesinnungsgenosse das Wort an: mmp L'-bv „vor Könige kann er hintreten", um unsere Sache zu führen. Neben ihm waltete Max Nordau seines Amtes als Vizepräsident. Nordau, nebenbei bemerkt, ein Enkel des berühmten Lissaer m, ist der beste und jedenfalls der wir-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.