Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1897-09-02 · Heft 70 (2.9.1897) · page 25

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 70 (2.9.1897)
Date
1897-09-02
Page
– (sequence 25)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448705-2448772--44539-2493639
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

XXXVHI.Jahrgang Dritte Leilaye zu Jfs 70 -es Jteratht“. Leitender Artikel. Zionisten-Songreß. Stenogr. Original-Bericht f. d. „Israelit". ^Fortsetzung aus der ersten Beilage.) Basel, 31. August. Hierauf trat die Versammlung in eine oft äußerst hitzige und unerquickliche Debatte über die einzelnen Punkte des Entwurfes ein, die bis l1/« Uhr dauerte und in der über manchen untergeordneten Punkt von einzelnen Rednern heftig herumgeftritten wurde, wodurch mancher Anwesende und der Vorsitzende, Herr Dr. H e r z l selber, wie er nachher erklärte, mit Recht verstimmt wurde. Punkt 1 wurde unanbestandet genehmigt. In Punkt 2 dagegen wurden mehrere Bestimmungen von zahlreichen Mitgliedern scharf angegriffen, wobei, da einige zugleich reden wollten, oder sich auch durch Entzug des Wortes verletzt fühlten, einige Verwirrung entstand. Zusätze wurden unter großem Avplomb beantragt, um nach längerer Debatte wieder zurückgezogen zu werden. Zu Alinea 1) bemerkte Herr Dr. Landauer, man sei im Zweifel, ob nur Delegierte oder auch sonstige Zionisten am Kongresse theilnehmen dürsten, wogegen ihm Herr Dr. Bodenheimer bedeutete, daß dies erst zu Alinea 2 gehöre. Herr Herz vermißte die Bestimmung, an wen man den Betrag zu entrichten habe. Herr B a h a r, Paris, erklärte überhaupt die Beiträge als zu ungleiche. Dagegen hob der Referent. Herr Steiner, hervor, daß dieselben nach dem Urtheile der Berichterstatter aus den einzelnen Ländern, die die Verhältnisse genau kennen, festgesetzt worden seien. Doch wurde der Betrag für Amerika von st, auf lU Dollar ermäßigt. Ferner wurden einige Voten in hebräischer Sprache abgegeben. Hierauf wurde, um schneller zum Ziele zu kommen, von mehreren Seiten verlangt, ohne Anhörung weiterer Redner über den Punkt abzustimmen: jedoch wurde dies als unparlamentarisch energisch bekämpft und abgelehnt. Dann wurden noch etliche Zusätze beantragt, begründet und bekämpft, worunter derjenige des Herrn N e u m a n n »daß auch einzelne zionistische Mitglieder nach specieller Bewilligung durch das Centralkomitee, die Landeskomitees und die Vertrauensmänner zum Congresse zugelassen werden sollten" fast einstimmig verworfen wurde. Schließlich wurde Al. 1) von der Versammlung ohne Aenderung angenommen. Gegen Al. 2 zeigte sich ebenfalls Opposition. So verlangte Herr Dr. Blumen selb, daß auch eine Anzahl unter 100 einen Delegierten wählen dürften (im Interesse kleinerer Ortsgruppen) und daß auch nicht delegierte Zionisten an den Berathungen des Congresses theilnehmen könnten. Um die Debatte darüber, die wieder lang zu werden drohte, abzukürzen, änderte die Commission Al. 2 folgendermaßen ab: Jede zionistische Ortsgruppe wählt einen Delegierten zum Congreß. Uebersteigt die Mitgliederzahl 100, so wird für jedes angefangene weitere Hundert je ein Delegierter gewählt. Der Zusatzantrag S ch a p i r a: „Die beim Congresse anwesenden nicht delegierten Zionisten, wählen für je 20 ebenfalls einen stimmberechtigten Delegierten" wird, nachdem Herr D r. Herzl die Tragweite desselben hervorgehoben hatte, zurückgezogen, darauf die veränderte Fassung unter Vorbehalt nochmaliger stilistischer Veränderung gebilligt; ebenso Punkt 3 ohne Debatte. Zu Punkt 4 beantragen die Herren D r. Ebener u. B r o m b e r g, die Zahl der Mitglieder des Aktionskomitees auf 25 zu erhöhen. Herr D r. Herzl schlug folgende Form des vierten Paragraphen vor: _ Das Aktionskomitee hat seinen Litz in Wien und besteht aus 21 Mitgliedern. Die 5 in Wien seßhaften werden werden direkt vom Congresse gewählt. Die andern werden in den landsmannschaftlichen Gruppen gewählt und das Resultat, das dem Congreß vorgelegt wird, wird von ihm gutgeheißen Die Zahl von 21 Mitgliedern wurde dann auf 23 erhöht, wovon zusallen: Wien 5, Oesterreich ohne Galizien und Bukowina 1, Deutschland 2. Galizien 1, Bukowina 1, Rußland 4, Frankreich, England, Amerika je 1, Vulgär en und Serbien 1, Algerien 1. Rumänien 2, Palästina 1. Viel wurde daun noch über die Wahl und die Funktionen des Generalsekretärs verhandelt, doch wurde eine Beschlußfassung darüber vertagt. Punkt 5 und 6 wurden ohne große Debatte gutgeheißen. Zu Punkt 7 wird der Wunsch ausgesprochen, der Kongreß möge das Aktionskomitee wählen und aus seiner Mitte den Generalsekretär. Diesen Vorschlag erklärte Herr D r. Herzl als Eingriff in die Geschäfte des Aktionskomitees und bemerkte nochmals, daß ja alle diese Verwaltungsangelegenheiten auf Wunsch im nächsten Congresse geändert werden können. Daraufhin wurden Punkt 7, 8 und 9 ebenfalls unverändert und mit Beifall angenommen. Da es nunmehr schon IstsUhr geworden war, wurde beschlossen, die Sitzung aufzuheben. Vorher bestimmte man noch, daß die Mitglieder des Aktionskomitees während der Pause festgestellt werden sollten. Dritter SltzungStag, Nachmittags 3 Uhr. 5': Dr. Herzl eröffnete die Sitzung und läßt durch Steiner), den Obmann der Commission, die Namen der fünf Delegirten für das Centralkomitee in Wien vorlesen: Dr. Herzl (Bravo), Dr. Schnierer (Beifall), Dr. Kokesch (Beifall), Dr. Birnbaum (ungeheuer lang anhaltender Beifall), Dr. I. Maye r-Kremenitzki (Beifall)- Dr. Herzl bittet den Congreß Kenntniß von den Namen zu nehmen, ev. andere vorzuschlagen. Es wird die Diskussion darüber eröffnet und Dr. Herzl läßt entscheiden, ob die Abstimmung durch Acclamaiion oder durch Stimmzettel geschehen soll. Man entscheidet sich für Acclamaiion und die genannten fünf Herren werden gewählt. Dr. B i rnbaum lehnt für sich die Wahl ab. Ein Herr Schiller — Wien sagt, es fei auf Birnbaum moralischer Druck auSgeübt, (Rufe: Namen nennen) die wisie er nicht. Dr. Herzl erklärt: von Druck oder Einwirkung fei keine Rede. Ein Dr. Malz meint, ohne Birnbaum wäre kein Herzl, keine zionistische Bewegung (Tumult, Schlußrufe, minutenlanger Lärm) Dr. Herzl bittet den Redner weiter sprechen zu lassen. Malz fährt fort, Birnbaum muß das Mandat haben, was wir österreichische Zionisten sind, verdanken wir Birnbaum (Lärm, Ruse, der Präsident solle Redner das Wort entziehen). Dr. Herzl bittet Malz sachlich zu sprechen, daß er nicht genöthigt sei, ihm das Wort zu entziehen, um aber keine Zweifel aufkommen zu lasten, Redner nicht etwa in feinen Aeußerungen zu behindern, trete er das Präsidium

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.