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Der Israelit · 1897-09-02 · Heft 70 (2.9.1897) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 70 (2.9.1897)
Date
1897-09-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1357 New Bork. Tcv Bürgermeister hat den Bereinigten iüdiswcn Wohlthätigtcite'anstaltcn (ITnite«! Ilebrew dharities) die Hälfte einer großen Summe Geldes geschickt, die ihm „für die Armeu der Stadt" angewiesen ivorden war. Buch das Bürgcreomite (i"itizens Komitee') sandte demselben Bercin ein Drittel einer überschüssigen Summe. Diese offieielle Tdeilnabme von Seite der Stadtverwaltung au der iüdischcn Wohllhätigteit beweist, welch' großer Theil der Brmcn tKcw. Borts Jude» sind. Algier, tKeue .üravnlle, welche das (Einschreiten der Polizei nöthig machten, sind ans einer übrigens zum Setober vertagten Gerichtsverhandlung gegen den „Bntijuis" entstanden. '.Kur dem energischen Borgehen der Polizei ist o zu bauten, daß Plünderttugen der jüdischen Läden vermieden wurden. Feuilleton. Pas verlorene Ssrog.;?) Bon Paul Magnus jBlle stiechte Vorbehalten.! „Ach, Ihr seid doch sonst nicht so blöde! Ich Hab' mich auch all eine Fremde, die meine Kalle wurde, gewöhnen müsten." „Ja, bei Euch war das auch etwas Anderes; das war auch Eure Frau, au die Ihr (Sud) gewöhnet: mußtet." Lina ivar ansgcstanden und betrachtete die schonen Bilder, welche die Snkkoh schmiiekten, beim die llu terhaltnng spielte sich in ein Gebiet, wo es ihr peinlich wurde, zuzuhören. Sie wandte sich an die Taille und sagte: „Ihre Snkkoh ist wirklich schon. Woher haben Sie denn diese schonen, alten Tressen?" „Suppc, Apfelschalet und Kalbfleisch," erwiederte die Dante, die wieder falsch verstanden hatte. Lina biß sich aus die Lippen, um die alte Dame nichi zu erzürnen. Dann setzte sie sich wieder und horte gerade noch, me R. Auschet sagte: „Nein, nein, keine Fremde." „(5hol hamed, so Gon will sprechen wir darüber." Mit diesen Worten entfernte sich der Borsteher und ließ N. Anschel nachdenklich in seiner Snlloh zurück. Am anderen Morgen in aller Frühe war der Borsteher schon beim Bürgermeister und erkundigte sich ganz insgeheim aber ebenso gründltch nach den Bermögensverhältnissen des Rabbi Anschel. Was er da erfuhr, mußte ihm wohl gefallen haben, denn schmunzelnd verließ er das Hans des Bürgermeisters und rieb vergnügt seine feisten Hände. Jeden Morgen benutzte R. Anschel das Esrog des Borstehers in der Synagoge, alsdann tlahm er es mit nach Hause damit die Tante den Segensspruch darüber verrichte und im Lause des Tages holte datm Liila die köstliche Frucht ab und ptauberte ein Weilchen mit N. Anschel oder mit der Tante. Beide gewannen dadurch das junge Mädchen lieb und der Wunsch des Vorstehers schien sich seiner Erfüllung zu nähern. Am zweiten Tag Ehol hamoed war die Geschichte zwischen R. Anschel und dein Vorsteher so weit gediehen, daß der erstere seine Werbung bei Fräulein Lina anbringen sollte. Dieses, sowie die Mittheilung des Entschlusses sich zu verheiratheu an die Tante waren noch zwei Dinge, die schwer auf seinem Herzen lasteten. Welches von Beiden sollte er zuerst thun? Erhob die Tante ernste Einwendungen, so war, bei ihrem resoluten Temperament, seine Werbung vergeblich; gab ihm Fräulein Lina einen Korb, wozu sollte er dann die Tante in Harnisch und Aufregung bringen? Er sann und sann und beschloß, es den: Zufall zil überlassen, 511 bestimmen, wo er zuerst seinen Muth erproben solle. Der Zufall ist jedoch gar manches mal ein neckischer Geselle, und so führte er denn :)i. Anschel zuerst au die Tante und dann sofort nachher führte er ihm seine Braut in spo zu. Es hielt schwer, der tauben Tante seinen Entschluß müzutheilen. Als dies endlich mit aller Kraft seiner gesunden Lunge geschehen war, so daß das halbe Dorf es hätte hören können, sah ihn die Tante erstaunt an lind sagte: „Bist Dll meschuggc geworden? Wozu braitchst Du eine Frau? Bist Dll mit mir nicht mehr zu frieden? Bis liber hundert Jahr hast Du mich und brauchst keine andere, die für Dich sorgt." „Aber Du bist alt, liebe Tante, es kann Dir etwas zukommen, Du kannst krank werden —" „Dn kannst illld Dll kartilst! Roch bin ich rüstig mit) gesund und kann Deinem Haushalte vorstehen. Wenn ich ilicht mehr kann ilnd Du heiratheft daun, ist immer noch Zeit genug." „Da kann ich sechszig Jahre alt werden und zum Heirathen ivird es dann zn spat sein." „Zll spat! Dic hast gewaltige Eile ans einmal." „Eil' Hab ich nicht, dvch meine ich, ich sei auch nicht mehr so jung." „Zum Heirathen ist man nie alt genug: aber warum willst Dll denn und absolut Dich in ein Joch stecken, wo Dn frei sein kannst?" „Ja Tante, in der F-reiheit fehlt so mancherlei. Dil hörst nicht, was im Hause vorgeht; wenn ich über Land bin, kann alles gegannest werden, ohne daß es Jemand gewahr wird, wie es beim Esrog geschah „Mach was Dn nullst.' wer nicht hören will, muß fühlen und die EharotvH, die hinten nach kommt, kommt immer zu spät." *) Reue.

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