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Der Israelit · 1897-08-26 · Heft 68 (26.8.1897) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 68 (26.8.1897)
Date
1897-08-26
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1328 beschlossen Bürgermeister und Rath einerseits und der derzeitige Pastor von St. Laurenz andererseits, die Synagoge in eine Kapelle umzuwandeln. Schon am 8. Sept 1426 fand die Weihe statt und ward die Kapelle genannt „zu Jerusalem." Die Synagoge wurde also nicht niedergeriffen, sondern nur im Innern umgewandelt. Spater wurde sie etwas „erhöht, gewölbt und verbessert," erhielt auch einen Dachreiter und neue Fenster. Vor etwa 20 Jahren ersetzte man die Ost- und Westmauern durch neue. Der einstigen Synagoge gehören noch heute die Süd- und Nordwand an. Das im Westen anstoßende unterirdische Judenbad wurde vor einem Jahrzehnt ausgedeckt und dann zugeschüttet. Diese ehemalige Synagoge und spätere Rathskapelle wird jetzt von den Altkatholiken zum Gottesdienst benutzt. Spante n. 8 Barcelona. Der „Corriere Israelitico“ in Triest weiß zu erzählen, daß am vergangenen Schowuothfeste in der Synagoge von Barcelona eine höchst feierliche Ceremonie stattfand, indem eine junge vornehme Spanierin, die von einer ehemaligen jüdischen Familie abstammt, dort vor dem Oberrabbiner und vor der ganzen Gemeinde den christlichen Glauben ablegte und wieder zum Judenthume zurückkehrte. Merkwürdigerweise hat man bis jetzt nichts davon gehört, daß in Barcelona eine größere jüdische Gemeinde mit einer Synagoge und einem Oberrabbiner existiren soll. Es wäre sehr interessant, wenn der „Corriere“ zugleich auch den Namen dieses Oberrabbiners und auch die Namen der Vorsteher der Synagoge in Barcelona angeben wollte. Afrika.? Algier. Wir haben hier nicht weniger als vier antisemitische Zeitungen, alle gleichzeitig radikalsozialistisch. Eigenthümlicherweise ist das eine davon das offizielle Organ des Generalgouverneurs, ein andereist das amtliche Blatt der Stadtverwaltung. Aber diese gleichzeitig politischen judenfeindlichen Zeitungen genügen den Judenhassern nicht und sie haben zwei rein antisemitische Blätter in das Leben gerufen, das eine klerikal, das andere republikanisch schillernd. Besonders das letztere l’Antijuif treibt die ärgste und schmutzigste Hetze. Neuerdings haben sich nun die hiesigen Israeliten entschlossen, den Schutz der Gerichte anzurusen und sie klagen bei jeder strafbaren Beleidigung. So schweben eine ganze Anzahl von Prozessen, besonders gegen den „Antijuif“, aber welchen Erfolg dieselben haben werden, ist noch nicht zu sagen; zunächst haben sie nur die Wuth unserer Feinde gestachelt und auf das Höchste getrieben. Erfreulich ist nur, daß die algierischen Juden endlich anfangen sich zu wehren. Central-Afien. 8 Bokhara. Erft seitdem 1864 die Russen in Central-Asien eingedrungen sind und hier festen Fuß gefaßt haben, kennt man hierzulande die Buchdruckerkunst. Heute gibt es schon in unserer Stadt, dann in Samarkand, Merw, Taschkent) und Khoken Buchdruckereien. Neulich hat auch der Khan von Khiwa, Mehemed Said Rahim Khan, aus Rußland eine vollständige Presse nach seiner Hauptstadt kommen lassen, da er die Absicht hat, ein Amtsblatt herauszugeben. Aber alle diese genannten Buchdruckereien besitzen nur persische und russische Typen, von hebräischen dagegen ist auch nicht eine Spur vorhanden. Die ll'isv naw (Bücherhändler) in unserer Stadt und in Samarkand sind noch heute gezwungen, die nöthigen Bücher aus Wilna, Warschau, Konstantinopel und Wien kommen zu lassen, was selbstverständlich mit großen Spesen verbunden ist. Zwar ist der Preis dieser Bücher seit der Eröffnung der Transkaspibahn sehr gesunken, aber noch immer groß genug, um den Armen davon abzuschrecken, sich eine kleine hebräische Bibliothek anzuschaffen. Vor einigen Monaten wollte nun ein unternehmender hiesiger Jude auch hier eine jüd. Buchdruckerei errichten, die sich zweifelsohne auch gut rentirt hätte; er mußte jedoch sein löbliches Vorhaben bald wieder aufgeben, da es doch keine Setzer hierzulande gibt, und sich eigens hebräische Setzer aus Europa kommen zu lassen, das wäre doch ein zu kostspieliges Vergnügen gewesen._ Vermischtes. Berlin (D i c älteste Darstellung der Massage.) Es ist bekannt, daß die Massage keine Erfindung der Neuzeit ist, sondern schon im grauen Älterthume in Ge brauch war. Die Eiugcborciieu Indiens nehmen die Massage als eine Erfindung ihres Landes in Anspruch, von dem Europa sie zuerst übernommen habe. Neulich hat E. F. Lehmann in der „Zeitschrift für Ethnologie" ans ein 2(>Ü0 Jahre altes Kunstwerk aufmerksam gemacht, das wohl mit Recht als die älteste bildliche Darstellung der Massage betrachtet werden kann. In der assyrischen Abtheilung des neuen Museums in Berlin befindet sich eine Anzahl von Gegenständen aus dem Palaste des assyrischen Königs Sanherib, der in den Jahren 705> bis 681 v. Ehr. in Nunvch regierte. Unter diesen Gegenständen ist ein kleines Relief aus Alabaster, auf dem ein befestigtes Feldlager dargcstellt ist. Man sieht in das Innere der Zelte und auf die Thätigkeit ihrer Insassen. Neben anderen Männern, die sich mit der Beschaffung der Fourage beschäftigen, befinden sich unten in der Mitte eine kleine Gruppe aus zwei Personen, deren eine auf dem Bette liegt, während die andere mit ihr beschäftigt ist. Die sehr deutlich hervortretende Lage der Hände des letzteren Mannes stellt es ganz außer Zweifel, daß dieser an dem Leibe des auf dem Bette Liegenden eine Massage vollzieht, wahrscheinlich des Unterleibes. Berlin. Das Polizeipräsidium macht bekannt, daß der Kaiser einer größeren Anzahl neuer Straßen und Plätze Berlins Namen verliehen hat. Wir finden darunter auch eine Straßmann-Staße (Str. 43 der Abth. XIII 2 des Bebauungsplan) zur Erinnerung an den ehemaligen Stadtverordnetenvorsteher von Berlin. Nr. 68, S. 1329/1330 folgt erst hinter S. 1335

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