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Der Israelit · 1897-08-26 · Heft 68 (26.8.1897) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 68 (26.8.1897)
Date
1897-08-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1317 Keuilleton. Das verlorene Esrog. Bon PaM Magnns jAllc Rechte Vorbehalten. I Zu den, für einen frommen Israeliten, während des Sukkothfestes unentbehrlichen Dingen gehört das Esrog. *) Er entbehrt lieber ein neues Festgewand als die edle Frucht im Feststrauße und er sucht eine Ehre darin, ein schönes Esrog sein eigen nennen zu dürfen. Für schöne Esrogim werden gute Preise bezahlt (zehn bis zwanzig Mark) und es hat sich ein flotter Handel mit dieser Frucht in den Städten des mittelländischen Meeres und des heiligen Landes entwickelt, da diese die Lieferanten sind für die Juden auf der ganzen Erde. Deutschland deckt den größten Theil seines Bedarfs aus Trieft und die dortigen Engros-Händler geben die Esrogim sogar auch einzeln au Private ab. Ja, sie haben feste Kunden, denen sie alljährlich ohne vorherige Bestellung eines ihrer 511 zehn Mark senden um postwendend diesen Betrag retour zu erhalten. Ein solch langjähriger fester Kunde des Hauses Sp. irr Triest war Rabbi Anschel Sieskind in X., ein äußerst frommer Jude, der es mit allen Pflichten die ihm unsere heilige Religion auferlegte, sehr genau nahm. Er war ein Junggeselle, nahe den Vierziger, mit großem, schönem Vollbarte, dunklen Augen und einem edel geformten Antlitz. Sein Haupt hätte klassisch genannt werden können, wenn sein Schädel nicht allzugroße Aehnlichkcit mit dem leuchtenden Vollmond gehabt hätte; die paar Locken, die seinen kahlen Schädel umgaben, hegte er wie einen großen Schatz und böse Leute behaupteten, daß er jeden Morgen seine Haare zähle und ganz unglücklich sei, wenn sich ein Manko gegen Tags zuvor gefunden habe. Er betrieb ein kleines Colonialwaarengeschäft und feinen Haushalt hielt ihm eine alte, harthörige Tante in Ordnung. Er hätte schon verschiedentlich gute Parthien machen können; die Heirathsvermittler schickten ihm feit Jahren ihre „Offerten" und Propositionen", aber er fand bis dato niemals Zeit, die Offerten zu prüfen, den Propositionen näher zu treten und er fühlte sich so gemüthlich in seiner Junggesellenwirthschaft, daß er ans Heirathen gar nicht dachte. Der Versöhnungstag war vorüber und R. Anschel verwendete jede freie Minute zum Bau und zur Aus- *, Der Paradiesapfel, der im Verein mit der Palme, Myrthe und Bachweide den Feststrauß bildet. schmückung seiner Sukkoh, die wie alljährlich, so auch in diesem Jahre die schönste Sukkoh im Dorfe werden sollte. Er dachte ordentlich darüber nach, mit welch neuem Schmuck er sie versehen sollte und brachte daher manch eigenartiges Kunstwerk zu Stande. Am Tage nach dem Versöhnungssefte war wie alljährlich ein Kiftchen aus Triest gekommen, welches R. Anschel ohne es zu öffnen — er wußte ja, was es enthielt — mit größter Vorsicht zur Seite an einen Platz stellte, wo es nicht in Gefahr kam, umgeworfen oder auch nur angerührt zu werden. Auch die Tante erhielt in den nächsten Tagen eine Sendung mit der Post und zwar eine neue Staats- Haube, die ihr der Neffe extra für ihren Geburtstag aus der Residenz verschrieben hatte. Die Freude darüber war groß; aber es war auch ein Prachtexemplar von einer Haube, deren weiße Bindebänder „von Seide starrten." Sie konnte nicht fertig werden, sie zu betrachten und sich zu freuen und zu wundern. „Und Schemini azeres, so Gott will, zum Gcschem benschen, wenn ich in die Schul' gehe wird sie zum ersten Male aufgesetzt." Nur bereitete ihr der Platz, wo sie die werthvolle Haube aufbewahren sollte Sorge. Sie sann und saun uttb fand endlich in einer großen Kiste, die in der Kammer neben ihrem Schlafzimmer stand, eine ihr geeignet erscheinende Stelle. Aber hineinlegen durfte sie die Haube nicht; aufhängen konnte sie dieselbe in der Kiste nicht, was also thun? Halt! einen Ständer wollte sie sich machen und darauf die Haube hängen. Aber wie? Erst wollte sie eine Latte auf dem Boden der Kiste aufrecht festnageln, aber das ging nicht. Da ftel ihr Blick auf das kleine Kästchen, welches ganz allein auf einem Schranke stand, wenn sie das mit der schmalen Seite aus ein Cigarrenkistchen stellte, hatte sie den schönsten Haubenständer für die Haube in der Kiste. Gedacht, gethan. Sie kletterte auf einen Stuhl, nahm, ohne es zu besehen, das Kiftchen, stellte es in die Kiste, setzte ihre Haube darauf und schloß die große Kiste zu, damit kein Staub und keine profame Hand der Schönheit der Haube gefährlich werde. R. Anschel hatte vor den Feiertagen viel zu thun, da er Lieferant für sämmtliche Glaubensgenoffen seines Dorfes und der Umgebung desselben war und nur spät am Abend kam er erst dazu, seine Sukkoh zu schmücken. Als nun Erew Sukkos herankant, da ließ das Geschäft etwas nach. Die Tante konnte es allein versehen und R. Anschel den ganzen Tag an der Laubhütte arbeiten. Am Nachmittag kam der Lehrer und brachte ihm wie jedes Jahr, ein schönes grünes Lulef mit blühenden Myrthen und er erhielt ein schönes Douceur dafür.

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