Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 66 (19.8.1897)
- Date
- 1897-08-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXltlll Jahrgang. Ein Der Israelit Gentrat-Hrgan für das orlhodoXe Zudenlhum. Begründet von Dr KehMttNN in Mtstnz Donnerstag, den IS. August 5657 (1897). Für Eine Mnest abonnirt man bei allen Postanstalten für den Monat W September U auf den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur rin bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-ZeitungSschalter de» Wohnortes de» Besteller» oder bei dem betreffenden Landbriefträger ausgegeben werden. Die Erpedttion des „Israelit". Leitender Artikel. Hebräische oder deutsche Gebete? von Simon Frankfurter (Wesel). (Schluß.) Und nun, da ich von der Bedeutung unserer Gebete gesprochen habe, so wollen wir auch nicht versäumen, jene Forderungen unserer sogenannten „Aufgeklärten" der Synagoge näher zu betrachten, sie zu beleuchten und denselben, wie Sie mit mir am Schluffe meines Vortrags einstimmen werden, heimzuleuchten. Warum richten wir nicht deutsche Gebete ein? fragt Mancher. Warum singen wir unserem Gotte nicht auch Lieder beim Klang der Instrumente gleich anderen Confessionen? Wir haben dock so hübsche deutsche Gebete von gebildeten Rabbinern der Neuzeit? Warum diese nicht sprechen, die doch jeder versteht f Wohlan! als ich vorher über die alten Gebete sprach, da kam ich auf deren Verfaffer zurück, schaute auf ihren Lebenswandel und suchte deren Ideen zu beleuchten. Consequenter Weise will ich denn auch hier die Verfaffer der neuen deutschen Gebete Revue passiren laffen und Sie werden unparteiisch urtheilen. — Es sind dies Männer, die ihr Ariennium academicum abgemacht haben, d. h. drei Jahre auf der Universität studirten. Während dieser Zeit haben sie tüchtig Lateinisch und Griechisch getrieben, auch, wie es einem braven, deutschen Studenten zukommt, einer Verbindung angehört und in derselben gehörig deutsch mitgezecht, mitgetrunken, auch vielleicht auf dem Fechtplatz tapfer drauf losgepaukt, (d. h. „sich geschlagen" in der Studentensprache). Nebenbei haben sie dann, da ihr Beruf doch das Rabbinat ist, auf der Hochschule des Judenthums in Berlin einige Vorlesungen über Talmud gehört. Sie machen nun später ihr Doktorexamen, die jungen Candidaten, und suchen sich in irgend einer aufgeklärten Gemeinde d. i. einer solchen, Stellung, die aus Leuten zusammengesetzt ist, die sich um Wissenschaft, sei es jüdische oder profane im Leben gar wenig gekümmert haben und sich nun auf das hohe Pferd fetzen. In einer solchen Gemeinde, kann es ein vorerwähnter Rabbiner wohl aushalten Er muß nur gute Reden d. h. hübsche Phrasen machen können, hübsch galant gegen Damen und vor Allem nicht »bigott" sein. Je freier er lebt, desto gebildeter ist er; je weniger er sich um unsere heiligen Gesetze kümmert, desto „gehaltvoller" ist und wird er, in jeder Beziehung nämlich, denn ein solcher Mann muß standesgemäß leben können und der Gemeinde zur Ehre erhalten bleiben. In seinem Hause darf der Herr Rabbiner thun, was ihm beliebt, das kümmert keinen großen Geist. Der Andersgläubige sogar lobt den Fortschritt der Gesinnung eines solchen Rabbinen, der sich längst über alte Vorurtheile, über alles Engherzige hinweggesetzt hat und mit „Aufopferung seines eigenen Jchs" dazu beiträgt, daß endlich die Dämme gebrochen werden und die alten Schranken fallen, die uns von unseren nichtjüdischen Mitbrüdern trennen. O! der Mann ist