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Der Israelit · 1897-08-09 · Heft 63 (9.8.1897) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 63 (9.8.1897)
Date
1897-08-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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"PWWWüWPWt,. U 1282 hatte indeß die Strafe nicht. Denn alsbald verließ er Rußland wieder und wandte sich abermals nach dem harmloseren Deutschland, das er in Begleitung einer gewissen Jda Berger durchreiste. In fast allen größeren Städten, auch in Straßburg, verübte er eine Menge Betrügereien mit einem Raffinement, das ans Unglaublichste grenzt. Er ließ sich Visitenkarten drucken, welche die Aufschrift Dr. jur. F. I. Landau, Rechtsanwalt, trugen, stellte sich in dieser Eigenschaft mit Vorliebe bei reichen israelitischen Familien und den Vorständen der Unterstützungskassen vor und gab an, daß aufreibende Berufsthätigkeit der Grund seines gegenwärtigen unglücklichen Zustandes sei. Zugleich spiegelte er vor, daß er eine größere Summe nöthig habe zur Beschaffung einer neuen kostspieligen Gradhaltemaschine. Tatsächlich hat er sich niemals eine solche gekauft oder auch nur bestellt. Fast überall fand er Glauben, Mitleid und vor allem offene Hände. Es regnete förmlich reichliche Spenden. Auch versah man ihn Verschiedenerorts mit Eisenbahnbillets, um ihm die Weiterreise zn ermöglichen. Aber nicht einmal hiermit war seiner Habgier gedient. Er machte allerdings von den Billets Gebrauch, bestieg den Zug, simulirte aber auf einer der nächsten Stationen heftige Schmerzen und Krämpfe, die ihm nach seiner Angabe eine Fortsetzung der Reise unmöglich machten und bat darum, ihn aussetzen zu wollen. Dies ge schah auch gewöhnlich. Dhm schrieb er einen Bericht an die Eisenbahndirektion, in welchem er vorgab, aus irgend welchen Gründen am Weiterreisen gehindert zu sein und ersuchte um Rückerstattung des Fahrgeldes. Diesem Wunsche wurde meistentheils entsprochen. Die auf solche Weise erschwindelten Gelder benutzte der Angeklagte, um ein sorgenfreies, behagliches Leben zu führen und die nöthigen Luxusausgaben für die Berger, welcher er zum Beispiel in Karlsruhe Totlettengegen stände im Werlhe von 140 M. kaufte, zu bestreiten. Ein Drittel des eingeheimsten Gewinnes erhielt der Mitangeklagte Straßer, der als Reisebegleiter und Cicerone fungirte, die Subscripüonslisten anfertigte und in den verschiedenen Städten auden Adreßbüchern die Auszüge von zahlungsfähigen Leuten machte, die ausgebeutet werden sollten. In Münster im Elsaß erreichte die Gauner endlich die Nemesis. Sie wurden verhaftet und ins Bezirksgefängniß Colmar verbracht. Die dortige Hausordnung war nicht dem Geschmack des „Dr." Landau. Seinem Unbehagen machte er durch ungebärdiges Benehmen und Sachbeschädigung Luft. Die Strafkammer erkannte gegen ihn auf eine Gefängnißstrafe von 4 Jahren 14 Tagen. Der Mitangeklagte Straßer hatte sich außer der wissentlichen Hilfeleistung zum Betrug noch wegen einer im Jahre 1884 begangenen Urkundenfälschung zu verantworten. Ihn verurtheilte die Strafkammer zu zwei Jahren Gefängniß. Es dürfte wohl kaum eine jüdische Kasse oder einen Rabbiner in Deutschland geben, der nicht die Bekanntschaft des Landau gemacht und durch seine überaus große Zudringlichkeit belästigt worden wären. Vermischtes. Aus Rheinhesserr Die noch vor wenigen Iihren ziemlich starke israelitische Gemeinde in Bechtheim ist infolge Wegzuges sämmtlicher Israeliten aufgelöst. Das Gemeindevermögen siel der israelitischen Kultusgemeinde Osthofen zu, wohin die meisten der ehemaligen Gemeindeinitglieder verzogen sind Dlc Kultnsgegenstände werden an bedi'iiftiae israelitische Gemeinden vcrtheitt. Budapest. (Gesuch eines jüdischen Knaben an den König.) In SztropG lebt die Wittwe Frau Joses Meller mit ihren fünf unmündigen Kindern in größter tltoth. Ihr Gatte, ein Thorarollcnschreibcr, wurde ihr noch vor mehreren Jahren durch den Tod entrissen. Seit einigen Monaten verschlechterte sich die Lage der blutarmen Familie in dem Maße, daß sic im buchstäblichen Sinne des Wortes am Hungertuche nagte. In der Stunde der höchsten Noth entschloß sich eines der fünf nothleide-iden Kinder, der 12-jährige Hermann, der jetzt die dortige staatliche Volksschule mit gutem Orsolge absolvirte, den „geliebten König", für den er, wenn er hcranwächst, bereitwilligst „daS Schwert umgürten" will, um Hilfe anznslehen. In dem Gesuche, das der Knabe ohne Vorwitzen der Mutter schrieb und nach Wien expedirte, bat er schließlich den König inständig, „seine Bittschrift zu lesen". Se Majestät willfahrte auch dem Wunsche des jüdischen Knaben, indem er dessen Gesuch im Wege der Kabinetskanzlci an das Stuhirichtcramt behufs Berichterstattung übermitteln ließ. Amsterdam. Bei bt*» Wahlen für die zweite Kammer sind unsere Glaubensgenossen A. F. K Hartogh und E. Grüßt! Raalte. erster er in Amsterdam, letzterer in .Rotterdam, gewählt worden. Ktmberley Auch hier ist das Jubiläum der Königin von England gefeiert worden und der Rev. Taffe, welcher in der Synagoge an diesem Festtage predigte, benutzte die Gelegenheit, nin auf die Opserfreudigkeit der jüdischen Unter thanen der Königin Victoria hinzuweisen rrnd auch der braveu Glaubensgenossen zu gedenken, welche in den eingeborenen Ausständen der letzten Jahre ihr Leben für die Wohlfahrt des englischen Reiches geopfert haben. Briefkasten der Metfaction. Herrn A. in Z In einer Lederkapsel darf die betr. ny’Dp getragen werden. Briefkasten -er Expedition. Herrn S. H. in ©r.: Betrag von f» Mark dankend empfangen._ Schluss der Sommersaisnn, Restausverkauf. 6 Mtr. Sommerstoff, yar. wascfläclit, gut. Qual., /. Kleid f. M. l.tis Pfg. 6 „ Sommerstoff, „ „ „ „ „ ,, ,, --H0 „ C „ Sommer-Nouveaute, doppelter. ,, „ ,, „ „ ,. ä. ,, 6 .. Loden-Tuch „ „ ,, „ ,, 3.30 ,, 6 Crepon-Nouveaute, reine Wolle, doppeltüreit „ ,, „ .‘i.yo versenden in einzelnen Metern, Rohen sowie ganzen Stücken franco in s Haus. Diö neuesten Muster in Herbstu. Winterstollen sind eingetroflen. 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