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Der Israelit · 1897-08-09 · Heft 63 (9.8.1897) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 63 (9.8.1897)
Date
1897-08-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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^,•7-^7. _y>*: ’* XXXYill Jahrglmg. Skilage j« M 63 -es ^Israelit". Leitender Artikel. ♦□’WMDn mDiy Eine wissenschaftliche Abhandlung über talmudische Systematik und Namen der bibl. Vögel von I. Gugenheim, Rabbiner in Saarunion. Abschnitt I-, Fortsetzung. Geschichtliches. - Da» Ausfteüen der vier S-arakterzeichen zur Bestimmung der Vögel. m. Der Talmud im Gegensatz zu den meisten bis in die neueste Zeit aufgestellten Systemen, die mit geringer Ausnahme nur auf Aeußerlichkeiten basirt sind, hat ein gemischtes System aufgestellt, wobei er sowohl äußere, als auch innere wesentliche Körpertheile zur Classification heranzog. --- In Bezug auf die äußeren Theite ist es die stark hervortretende divei sirende Gewohnheit; in Bezug auf die inneren Theile ist es die auffallende Verschiedenheit der anatomischen Theile selbst, die er zur Cbarakterisirung benutzte. - Obgleich der Talmud damit nur eine genaue Unterscheidung der Vögel zwischen rein und unrein anstrebt, gelangt er doch zu einer allgemeinen Aufstellung von Vögelgruppen, wie es nur in der gleichen Einteilung die besten der neuesten Systematiker ver mögen. — Ein einziges Mal nur, bei den Passerinen, l^edh rm, kommt es vor, daß der Talmud das Gefieder als Kennzeichen anführt und zwar um die Unterabtheilungen einer durch die Systematik umgrenzten Gruppe zu markiren. — Er geschieht bei xrpjuc, welches einen Colleclivnome unserer Sänger ist; also, der Erdsänger, Grasmücksünger und Rohrsänger. Dort treffen wir durch Farbe bestimmte, den viovn "»ejc mit no*a, die in Palästina, Kleinasicn und N.-O.-Äsrika häufig vorkommenden, Cist-i* rola Less.;ßtftenfät!£}cr Heug!., mit scharfen, spitzigen Nägeln und weißen Brust- und Bauchfedern, das H a u S r 0 t h s ch w ä n z ch e n, Riiticilk fifys Heugl. mit schwarzem Bauch» und Bruftkleid, im Talmud MEN bezeichnet und als dritte Farbe wird uv'iE npn' genannt, welche Bezeichnung sich wohlauf alle übrigen Arten, die nicht unter weiß und schwarz fallen, sich beziehen kann. — Chulin62a.— Das ist da« einzige Mal, wo der Talmud die Farbe zur Charakterifirung angibt. Wie der Talmud, die ihm nöthig scheinenden Vogelbesümmungen weiter auSführt, werden wir im zweiten Theil dieser Arbeit besprechen. — Die früheren und späteren Commentatoren und Casuisten, obwohl sie mit allem Ernst und aller Sorgfalt aufs minutiöse anatomische und andere Untersuchungen an den Vögeln Vornahmen, so speziell Nachmamdes, die Tosaphisten u. A. konnten bei aller aus das Thema verwandte Mühe und Arbeit unmöglich zu einer Feststellung der Vögel gelangen, da sie über Bau und Leben Vieler der in der Bibel vorkommenden aves nur wenig wissen konnten. — Anderseits standen die allgemeinen Kenntniffe der Naturkunde auf einem viel zu niedrigen Niveau und waren zu sehr gesunken, als daß die Commentatoren zur Erklärung des Talmud auch nur die nothwendigsten Hilfsmittel von dieser Seite hätten entlehnen können. — Der Phylologus, in den verschiedenen Sprachen gedruckt, enthielt die ganzen wissenschaftlichen Kenntniffe de» Mittelalter» und erhielt sich als Katechismus der wissenschaftlichen Gelehrsamkeit bis in das Ende des 18. Jahrhunoert. — So kam es, daß auch bei den Talmudgelehrten, dieser Umstand sich fühlbar machte. Beispielsweise sei angeführt, daß fchon feit der Zeit Rafchi», des ersten der Kommentatoren, die Bedeutung und der Werth eines der talmudifchen Charakterzeichen der Vögel ganz vergessen war und feitoem die Mischna sogar, eine falsche und widersinnige Uebersetzung erhielt; das Wort nim' mx wird seither als Hinterzehe, langer Zehe, auch sogar mit Sporn wiedergegeben. Sonst ist, wie ich schon in der Vorrede bemerkte, trotz der Ungunst der Zeitverhältnisse die Auffaffung der Systematik durch die größte Anzahl der Commentatoren eine großartige und im allgemeinen eine der Wirklichkeit nahe. Selbst in der Neuzeit, seit die allgemeinen Naturkenntniffe mehr Interesse erregten, im 17. und 18. Jahrhunoert, wo die Vögel schon mehr Liebhaber fanden, die ihr Leben und Gewohnheiten beschrieben, wo man auch schon öffentliche Vogelsammlungen anlegte, konnten doch keine Anhaltspunkte gefunden werden, um die Kenntniß der talmudifchen Vogelkunde zu fördern. — Denn, während die vom Talmud angeführten Vestimmungspunkte nur körperliche sind, so bestand der Befund anderseits nur aus Mittheilungen über Anzahl, Farbe und Formation der Federn. — Mit wie wenig Wissenschaftlichkeit übrigens man in der Vogelkunde noch im letzten Jahrhundert vorgina, davon könnte der erste aus Indien eingesandte Paradiesvogel erzählen. Dieser kam ohne Füße in Paris an, da man ihm dieselben in Indien als werthlos ausgerissen hatte und den Balg fußlos ausbesserte und versandte. — Dies hinderte nicht, daß man ihn dort als besonderes Wunder betrachtete und schätzte. — Der Glauben wurde allgemein, daß diese indischen Vögel fußlos leben, folglich immer sich in der Luft

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