Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 63 (9.8.1897)
- Date
- 1897-08-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XX^Vlli Z-Hrga«-. Jfa «8. Der Israelit. Ein Genlrat-Hrgan für das orlhodoLe Zudenthum Begründet von Dr ITerimatm in DHaittj. Motttag, -ett 9. ArrfglrrA 5657 (1897), Leitender Artikel. Symptome. ii. Eine zweite Erscheinung der Neuzeit, die in gewisser Beziehung Beachtung verdient, ist der „Zionismus" eines Dr. Herzl und anderer Männer, die damit noch weit entfernt sind anzuerkennen Mtn p’sto o c'NrrvD ’i -o*n min „daß von Zion ausgeht die Lehre und das Wort Gottes von Jerusalem." Neber diesen unpraetischen und in der Art, wie jene Herren die Wiederherstellung eines jüdischen Staates anstreben, unjüdischen Gedanken, ist schon genügend gesprochen und geschrieben worden. Wenn man sich aber vergegenwärtigt, daß den Neformbestrebungen bis herunter zu uns, dem Zeitalter des „modernen Judenthums" der Gedanke an Zion, an einen jüdischen Staat, verpönt war und ist; daß aus unserem Gebetbuche alle Stellen, die an Zion und Jerusalem erinnerten, ausgemerzt wurden, daß man öffentlich es aussprach „Wir haben keine Gemeinschaft mehr mit Jerusalem", um der nichtjüdischen Welt zu zeigen, daß mir Kinder unserer Zeit seien, die nur noch in und mit der Zeit leben, mit ihrer Vergangenheit aber gebrochen haben, und als Beweis dafür in Wort und That gegen ihr Gesetz, gegen die mm ankämpften: so ist es doch von symptomatischer Bedeutung, daß selbst in jenen fernstehenden Kreisen eine Bewegung sich geltend macht zu einer Wiedersammlung der „Zerstreuten und Verstoßenen Israels." Es ist uns das ein Beweis, daß die Hoffnungen, die man Anfangs des Jahrhunderts durch die Reformirung des Judenthums auf eine volle Anerkennung, Achtung und Gleichstellung gesetzt hatte, am Ende des Jahrhunderts, sich keineswegs erfüllt haben, ja, auch für die Zukunft als aussichtslos zu betrachten sein dürften. Denn die Aussichten haben sich verschlimmert. Mag ein Jude noch so modern sein in seinen religiösen Ansichten, kaum noch hierin als Jude zu erkennen sein; mag er noch so rechtschaffen und tüchtig sein in seinem Fache, die Gleichstellung wird ihm meistens versagt, auch wenn seine Religion für ihn kein Hinderniß wäre irgend eine seinen Fähigkeiten entsprechende staatliche Stellung zu übernehmen. Der Religionswechsel aus materiellen Gründen wird perhorrescirt und ist auch Glicht mehr ein Ausgleich, häufig sogar begegnet er Mißachtung nach allen Seilen. Der Blick in die Zukunft wird sorgenvoller. Die tüchtigsten Kräfte werden lahm gelegt, finden keine Verwerthung, da muß mit der Zeit ein Rückschlag eintreten und das kann und darf nicht geschehen; die Welt schreitet doch immer vorwärts, und gerade der Jude, mit seinem lebhaften Geiste, will an allen Errungenschaften der Zeit Theil nehmen. Und in dieser sorgenvollen Aussicht greift man zu dem so weit von sich gewiesenen Gedanken, der seit Jahrtausenden unser Volk aufrecht erhalten hat, sieht man einzig in einem jüdischen Staatswesen Zuflucht. Ich weiß wohl, daß man dabei nicht an den Wiederaufbau Jerusalems, nicht an das heilige Land und an den, nach dem jüdischen Religionsgesetze geführten und geleiteten Staat denkt, sondern an einen jüdischen Staat in irgend einem Lande, der die Juden aller Länder in sich aufnehmen sollte, so daß sie unter sich wären, durch kein Gesetz beschränkt. Aber, daß man am Ende des 19. Jahrhunderts zu dieser Einsicht kommt, daß das „orthodoxe" Judenthum nicht so ganz Unrecht hatte mit seiner Erinnerung an die Vergangenheit und Hoffnung auf die Zukunft, das ist eine große Genugthuung. Vielleicht liegt darin ein Anfang zur Besserung, obzwar wir uns noch nicht viel davon versprechen. Aber heute hat man auf Seiten des modernen Judenthums doch schon