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Der Israelit · 1897-08-05 · Heft 62 (5.8.1897) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 62 (5.8.1897)
Date
1897-08-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1212 Da Strauß Jude ist, wurde die Verkündung des Wahlergebnisses von seinen Gegnern natürlich mit dem Schrei: „Nieder mit den Juden!" beantwortet. Gegen die Wahl Strauß's wurde der ganze antisemitische Heerbann ausgeboten; sein Sieg beweist, daß das Gepolter der Judenhetzer, welche vor einigen Tagen mit großem Tantam im < 'mjue dliiver eine lärmende „Volks" Versammlung mit der obligaten Keilerei veranstalteten, bei der Pariser Bevölkerung nicht verfängt. Rußland. ** Petersburg (Das Ge setz^von 1882 und d ie Grundbesitzer.) —Kraft eines kaiser lichen Mas ist eine Specialcommission unter Vorsitz des Herrn Dournowo, ehemaligen Minister des Innern, ernannt worden, um die Wege zu studiren, mittelst deren den Großgrundbesitzern des Reiches aufgeholfen werden kann. Eine große Anzahl dieser letzteren steht in der That auf dem Punkt, ihre Domänen zu verlieren. Die Regierung mußte daran denken ihnen beizustehen, wollte sie nicht die erste Gesellschaftsklasse zu Grunde gerichtet sehen. Gewißlich begeht die Aristokratie viele Jrrthümer, viele Fehler; aber seit 1861, seit der Befreiung der Leibeignen, erleidet sie manches Mißgeschick. Das Gesetz von 1882 hat sie fast eben so schwer betroffen als die armen Juden. Eine im April 1896 angeordnete Untersuchung hat aus das deutlichste festgestellt, daß das gegen die Juden erlaffene Verbot, Grundstücke zn Pacht zu nehmen und sich in den Dörfern ansässig zu machen, den Werth der Grundstücke um vieles herabgesetzt hat. Bulgarien. ** Sofia. (Juden von Bulgarien.) Große Ueberschwemmungen haben in den letzten Wochen Ungarn, Rumänien und die Balkanhalbinsel heimgesucht. In Bulgarien war die Roth sehr groß, namentlich wurden Wiüdin, Schumla, Pravady mitgenommen; es sind auch viele Menschenleben zu beklagen. In Schumla ist die Knabenschule der Alliance von dem Strom mit sortgeriffen worden; danach kann man sich eine Vorstellung von der Gewalt der Gewässer machen. In Adrianopel ist das Judenviertel, das an der Maritza liegt, überschwemmt worden; kleinere Häuser wurden mit fortgeschwemmt, nahezu 500 Familien sind im größten Elend. Unter diesen traurigen Verhältniffen hat sich das Central-Comitö der All. Jsr. an großherzige Freunde gewendet. Dank ihrer Hilfe konnten die am meisten geprüften Gemeinden unterstützt werden. Dasselbe hat Unterstützungen nach Adrianopel, Sofia, Philip popel, Widdin, Pravady und Schumla gesandt. Es wird zweifelsohne nöthig sein, einer Anzahl von Familien wieder aufzuhelfen, wenn erst die Gemäßer sich wieder zurückgezogen. Auch der Wiederaufbau der Schule zu Schumla wird bedeutende Mittel fordern. Dersonatien. Main; i. August. Vorige Woche starb dahier Herr V e o II h ar d M ener. dessen eigenartiger Lebensgang es verdient, daß ihm in diesen Blättern ein Rachrus gewidmet werde, Kreisen cntstanmrend, welche dem Judenthume völlig entfremdet waren, lernte derselbe eine hiesige Dame kennen, in deren Familie es von jeher Sitte mar, die Satzungen unserer heiligen Religion aus das Strengste zu beobachte». Er vermahlte sich mit dieser Dame und seine Rückkehr zu dem Glauben der Väter wurde eine so vollständige, daß er seine beiden zivöls- und dreizehnjährigenSöhne bald da> raus »och nachträglich in den Bund Abrahams einführen und zu guten Jehuoinr erziehen ließ Er selbst übe> nahm alle Pslichtcn, die das gesetzestreue Iudenthum seinen Bekenner» auferlegt und wenn sie ihm noch so schwer dünkte», er kümmerte sich nickt um die Spötter rings unr ihn her, die cs nickt begreifen konnten oder wollten, daß ein Mensch aus innerer Ueberzeugung zurückkehren kann zu feinem Gotte. Sein letzter Wille bestimmte, daß seine limtM' treu anhängen sollen dem Glauben ihrer Väter. Sein Schmer zenslager, aus denr er nur noch non dem einen Wunsche be seelt war, Gottes Gebote zu erfüllen, ist ein beredter Zeuge für seine reine Gesinnung. Einen Freund, der ihn noch in den letzten Tagen besuchte, bat er, ihm die Tcsillin uinzn binden, da er selbst nicht mehr dazu im Stande sei. Herr Rabbiner Dr. Kahn Wiesbaden, gab in Abwesenheit unseres Herrn Rabbiners der Trauer beredten Ausdruck. Möge Gott die trauernde Wittwe und die trauernden Kinder trösten! Oerichtszeiturig Lemberg, oo. Juli. (D ie E r c e sse in Eh od or o,v.) Rach Verlesung der Anklageschrift beantragte die Verthei digung, den Fall an das Schwurgericht abzutreten, da es sich nach der Anklage nicht um öffentliche Gewaltthätigkeit, sondern um Raub handle. Der Gerichtshof verwarf diesen Antrag und erklärte sich für eompetent. Am ersten Verhaudlungstage wurden 36 Angeklagte vernommen. Alle leugnen ihre Schuld und behaupten, daß sie von Anderen mitgcrissen wurden, höchstens ein bis zwei Fenster einschlugen und sich nichts zugeeignet haben; sie wären, versichern sie. von den Juden seit Langem provoeirt und am kritischen Tage geschlagen worden und Hütten daher nur aus Rothmehr gehandelt und zurückgeschlagen. Schließlich betonten sie, daß die Hauptschuldigen die Flucht ergrissen haben und sich nicht aus der Anklagebank befinden- Briefkasten der Redaet on. I. 28. in I.: Es wird so etwas weder generell ge stattet, noch verboten werden können. In deni von Ihnen berührten Falle wird der Rabbiner gewußt haben, daß er dem betr. Lehrer das Vertrauen schenken kann, daß er den pp’H nur dem (H entsprechend vornehmen werde. Bin R Die Sub Direktion der Victoria zu Berlin theilt uns folgendes mit: Die Friedr. Will) Victoria-Stiftung zahlt durchschnittlich bei Eultusbeamten für 1060 Mk. Versicherungs-Summe (bei 3000 Mk.) die Prämie, doch liegt drcs ganz im Ermessen der betr. Stiftung und mutz von derselben erst von Fall zu Fall genehmigt werden.

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