Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 61 (2.8.1897)
- Date
- 1897-08-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1186 > -Vermischtes. < Bei einer Ersatzwahl zur Bürgerschaft in Eimsbüttel wurde der bekannte antisemitische Agitator Raab als erster Antisemit in der Bürgerschaft gewählt. Raab erhielt von 869 gültigen Stimmen nur ein reichliches Drittel, nämlich 31.8 Stimmen. Da im Ganzen 5 Kandidaten aufgestellt waren und die relative Mehrheit entscheidet, so ist er trotz dieser geringen Stimmziffer gewählt. Laudenbach. Am nj?n 'D rGB? wurde von der Gemeinde Laudenbach bei Karlftadt a. M. das 25-jährige Amtsjubiläum des Lehrers Lazarus Blumenthal feierlich begangen. Am rat? morgens vor sieben Uhr begab sich die ganze isr. Gemeinde in die dekorirte Wohnung des Jubilars, um denselben zum Gottesdienste abzuholen. Zuvor wurde ihm jedoch von dem Kultusvorstande Sandel Frank namens der Gemeinde Glückwünsche entgegengebracht, sowie auch zwei schöne und werthvolle Geschenke überreicht, in Form eines silbernen Pokals und eines hübschen Regulators. Nachdem noch der Jubilar von zwei Schülern namens der Schuljugend zwei Blumensträuße nebst Beglückwünschungen in poetischer Form entgegengenommen hatte, begab sich der Festzug in die schmuckooll dekorirte Synagoge, woselbst nach Absingen des Qlv DO der Vorstand Sandel Frank warme und zu Herzen gehende Worte an den Jubilar richtete, indem er ihm für seine 25-jährige segensreiche Amtsthätigkeit namens der Gemeinde den tiefgcfühlsten Dank aussprach und unter Anwendung der Bibelstelle der betreffenden miD H'pyj H!?DD3 besonders hervorhob, wie der Jubilar stets bestrebt war, durch Wandeln aus der geraden Straße und durch freundliches Zuvorkommen gegen Jedermann, den Frieden aufrecht zu erhalten. Der zweite Redner Seligmann Bach, Mitglied der neugegründeten DHon niTDJ man bekundete in seinen Worten nicht nur seine Gesinnungen gegen den Jubilar selbst, seine Achtung vor ihm und seine Liebe und Anhänglichkeit zu ihm, sondern zeigte an der Hand der Stelle ('jns 'J rütTD 8 nUN) wie man dem gesummten jüdischen Lehrerberufc achtungs- und ehrfurchtsvoll entgegenkommen müsse. Sichtlich gerührt von den Worten seiner Vorredner dankte der Jubilar der zu Thronen gerührten Gemeinde für ihre aufrichtige Liebe und Anhänglichkeit zu ihm, sowie für ihr freundliches Entgegenkommen. Einen gemüthlichen Abschluß fand die Feier durch ein Gartenfest, zu welchem sich auch die benachbarte isr. Gemeinde Karlstadt eingestellt hatte. Hierselbst wechselten Gesänge und Toaste mit einander ab, unter welch letzteren auch Sr. König!. Hoheit des Prinzregenten Luitpold ehrfurchtsvoll gedacht wurde. Seitens Privatleuten wurde der Jubilar ebenfalls mit schönen Geschenken bedacht. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch recht lange Wöy in seiner Gemeinde segensreich zu wirken. Budapest, im Juli Die Aufbesserung der Bezüge der Seelsorger wurde endlich in einem Gesetzentwürfe, der in kurzer Zeit der Legislative vorgelegt wird, festgestellt. Die Verfügungen erstrecken sich auf die Seelsorger aller Konfrsfionen und setzen das Minimum ihrer Bezüge während der ersten fünf Jahre mit 900 fl; nach Ablauf weitere fünf Jahre auf 800 fl. fest. — Die hauptstädtischen Wohlthätigkeitsanstaltcn werden das laufende Jahr in ihrer Geschichte mit goldenen Lettern verzeichnen. Nahezu 2 000 000 Kronen haben Heuer edel« herzige Menschenfreunde ihren Zwecken zugeführt. Natürlich konnte Baronin Hirsch auch nicht ausbleiben, die dem jüdischen Knabenwaisenhause 80 000 Kronen und dem jüdischen Taubstummeninstitute auch eine größere Summe zukommen ließ. Bomday. Auch in unferm von HungerSnoth und Pest geplagten Lande ist das Jubiläum der Königin von Englang nicht ohne mancherlei Veranstaltung vorübergegangen. Die jüdische Hilfsgesellschaft, die kürzlich hier gegründet wurde, begann ihre Thätigkeit am Jubiläumstage, indem an alle jüdischen Armen für einige Wochen Lebensmittel vertheilt wurden. Es hatten sich bisher 17 Familien gemeldet, denen allen die Unterstützung zu Theil wurde. Mr. Moses Eliya, Ingenieur bei den indischen Mühlen veranstaltete am 22. Juni für 04 Armen ein großes Fest. Außerdem schenkte er 40 bedürftigen Personen Lebensmittel auf einen Monat. In allen Synagogen fanden gottesdienstliche Veranstaltungen statt, in denen meist, das von Oberrabbiner Adler für diesen Tag vorgeschriebene Ecrcmoniell, gebraucht wurde. Auch außerhalb Bombays wurden wenigstens in den Synagogen Jubiläumsfeiern abgehalten, und an den Abenden des 21. und 22. Juni illuminirt. Feuilleton. Der verwunschene (Lhasan. 4) Ein Schwank. Kaum hatte dieser verständige Tadel die Ruhe wieder hergestellt, als der Cantor David von seinenr Rundgange mit freudig strahlendem Gesichte heimkehrte und in die Schenkstube trat, wo ihn der Wirth der Gesellschaft vorstellte. David, der sich mit vieler Höflichkeit den Anwesenden näherte und bescheiden um die Erlaubniß bat, in ihrem Kreise ein Frühstück nehmen zu dürfen, zeigte sich bald als einen so heiteren, unterhaltenden Mann, daß einige, die sich schon wieder entfernen wollten, ihre Gläser von Neuem füllen ließen, um nur länger seine Gegenwart zu genießen. Das Gespräch wurde immer fröhlicher und belustigender. Wenn Jemand von dem bevorstehenden Gottesdienste anfing und in dieser Beziehung eine Frage aufwarf, so wich David mit einer stolzen Bescheidenheit aus. Er habe sich genöthigt gesehen, sagte er, gegen die Vorsteher, weil er ihnen unbekannt gewesen sei, mit einiger Ruhmrednerei von sich zu sprechen, um nur von ihnen die Zusage des Gottesdienstes zu erhalten. Nun er aber seinen Zweck erreicht habe, wäre jedes Wort, das er zu seinem Lobe spräche, eine ungeziemende Prahlerei. Man würde ihn hören, und er müsse das Urtheil ihrer Kennerschaft überlaffen. Hatte er auf diese Weise vermieden, sich selbst zum Gegenstand des Gespräches zu machen, so verstand er es vortrefflich, durch die Auswahl eines andern Stoffes die Unterhaltung zu beleben und durch muntere Anekdoten, witzige Bemerkungen, komische Erzählungen und poffenhafte Geschichten zu würzen. Die Leute lachten, daß ihnen die Thränen aus den Augen drangen, und waren im Voraus überzeugt, daß sie in der Synagoge einen ungewöhnlichen Genuß zu erwarten hätten, da ein so überaus angenehmer Gesellschafter auch ein ausgezeichneter Sänger sein müffe. Endlich erhob sich der Cantor, um sich in sein Zimmer zurückzuziehen. Aus die Bitte der An-