Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 61 (2.8.1897)
- Date
- 1897-08-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1184 Sprache, welche zu dem indo-chinesischen Sprachzweige gehört, steht in gar keiner Verwandtschaft za den semitischen Sprachen, welche die Juden dieses Welttheils mit solcher Vorliebe und solchem Eifer pflegen. Die Juden Asiens kamen daher über den Ganges, den Hauptstrom Indien, in welchem Lande neben einheimischen, auch die beiden semitischen Sprachen, das Arabische und das Persische, ungemein verbreitet sind, nicht heraus, und Ealcutta war noch vor vierzig Jahren die letzte jüdische Gemeinde Süd- und Ostasien-. Die jüdischen Gemeinden, welche sich heute m Hongkong, Shanghai und Yokohama finden, datiren erst ans der neuesten Zeit und wurden von dorthin eingewanoerten englischen, deutschen, französischen und amerikanischen Juden gegründet. Auch nach Siam sind in der neuesten Zeit einzelne Juden gekommen, um dort zeitweilig zu bleiben, aber dauernd wollte sich keiner daselbst niederlassen. So starb vor mehreren Jahren in London ein galizischer Jude Namens Goldmann, der auf seinen abenteuerlichen Wanderungen durch das östliche Asien auch nach Siam kam, wo ec etliche Jahre verblieb unö dasselbe dann mit großen Reichthümern wieder verließ. Diese Scheu der Juden vor Siam und seinen Bewohnern konnte inluß den europäisch erzogenen und hochgebildeten König dieses Landes, Ghulatonkorn, nicht abhalten, einen jüdischen Kaufmann, Herrn Schönberger, zil seinem Konsul in Wien zu ernennen, und er lieferte so den Beweis, oaß Bildung und Wissen von allen konfessionellen Borurtheilen frei macht. Ein anderer Glaubensgeuosie hat sich die Gunst dieses Fürsten in so hohem Grade erworben, daß dieser ihm gestattete, einige Minen auf der Halbinsel Malakka, die noch zu Siam gehört, ausznbeuten, und ihrri zugleich auch jede mögliche Unterstützung dabei zusagte. Derselbe heißt Angclo Luzzarti, stammt aus der oberltalienischeii Stadt Asti und ist seinem Berufe nach Ingenien''. Kranzeiisbad, Hochsommer •'sh.V/. Baronin Hirsch hat dieser Tage 3000 fl. zu den Baukosten des hiesigen jüd. Hospitals beigesteuert. Das Hospital, eine bauliche Zierde der schönen Eurstadt, ist bereits fertig und wird schon in der nächsten Badesaison eine heilbringende Zufluchtsstätte leidender Glaubensgenossen sein. Obwohl nun die Kosten dieses humanen Instituts zum größten Theile von den Beiträgen der Eurgäste geleistet wurden, so gebührt doch der hiesigen jungen Eultusgemeinde Lob und Anerkennung für das Zustandekommen dieses Hospitals. Auch die Nachbargemeinden in den Curstädten Karlsbad und Marienbad haben viele, viele Tausende an regelmäßigen Jahreseinnahmen von den Curgästcn. Das Geld wird aber hauptsächlich für „Cultuszwecke" verausgabt, deren Anziehungskraft lediglich in einem Anfgebot religionswidriger Aeußerlichkeiten, wie: Orgel, Damenchor ec. besteht. Das Rituale in jenen Synagogen hat mehr oder weniger Alles abgeftreift, was als „jüdisch" galt und die Betstätten wären gewiß auch im Sommer leer, wenn nicht ein neugieriger Fremdenzufluß ans Richtjuden und Orthodoren (!) als ständige Besucher siguriren wollten, und hätten diese Eurstädte nicht schon von früher jüdische Hospitäler — deren Leitung glücklicherweise von Prag aus besorgt wird — die derzeitigen Cultusvorstände würden sich über derlei Dinge gewiß nicht gar sehr den Kops zerbrechen. Dafür aber wollte man den hunderten cvnservativen, zur Eur weilenden Juden die unschuldige Abhaltung von r^en in Privathäuscrn polizeilich stören, was aber ''.12 nicht gelingen wollte. Neulich benützte der Karlsbader rvrir n’co die Anwesenheit neugieriger Juden in dem Tempel, um zu behaupten, daß die gesetzestreuen Juden eigentlich die Verursacher (sie!) des Antisemit Ismus sind. - Auch in der hiesigen Synagoge muß die starrende Ocde selbst am trrp r,ztr anffallen und die Mitglieder des Eultusvorsiandes Nüssen es nur zu gut, daß — eilte kleine Aenderung tu der inneren Einrichtung — und die Andachtsräume wären regelmäßig von Betenden besucht. Die leitenden Männer der hiesigen Gemeinde, an deren Spitze Herr Vorsteher Kraus wirkt, haben sich durch den Bau des .Hospitals unvergängliche Dienste erworben. Mögen sie nun ihren Verdiensten die Krone aufsetzen, indem sie die beschlossene Rcnovrrnng des inneren TheilcS der Synagoge derartig einrichten, daß die hier zur Eur weilenden conservativen jüdischen Gäste mit Befriedigung ihrer religiösen Bedürfnisse an dem Gottesdienste sich betheiligen können. Eine solche Thai wird ihnen nur zur Ehre gereichen und der Bestand dreser strebsamen Gemeinde wird dadurch ans religiöser Basis gesichert sein, 'xp xs x-ipri wp xcirip. Budapest, im DamnS öi»r>7. Der sünsjähngc Streit im Schovße der Galanthaer orth. Kultusgemeinde ist nun endlich beseitigt. Oberrabbiner L ipschitz rhat sich nun wieder als glücklicher Friedensstifter bewährt. Die Differenzen in obenerwähnter Gemeinde waren so zugespitzt, daß man von einem Ausgleich überhaupt nicht mehr träumen konnte. Die Berhältnisse haben cs mit sich gebracht, daß z w c i Rabbiner, gleich würdige, allgemein hochgeachtete '-veSals legale Seelsorger in genannter Kehila wirken. Beide mußten im Amte belassen werden und so konnte der friedliche Ausgleich nur aus Respectirung der Korporalionsrcchtc beider Parteien basiren. „Wenn die Differenzen auseinander weichen", sagte Kossnth im Jahre 1848 „so muß die Th e i lung den Streit aus gleichen" und so wurde das L"p^nb 7IL-L LvH rp'hr.z iu diesem Falle zur heilbringenden Thatsachc. Und es ist zweifellos, daß sobald es die Situation gestattet, den einheitlichen Charakter der Gemeinde herzuftellen, dies