Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 57 (19.7.1897)
- Date
- 1897-07-19
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1120 Vermischtes. In Berlin wollten eine Anzahl von Leuten für die jenigen, die den Sabbat entweihen, einen feierlichen Sonntags Gottesdienst mit Predigt einführen. Diese Leute stehen nicht auf dem Standpunkt derjenigen Reformer, die den Sabbat auf den Sonntag verlegt haben, sie beabsichtigen nur denjenigen armen Menschenkindern „die leider nicht in der Lage sind, den «Labbat zu heiligen" auch eine kleine Portion Religion zukommen zu lassen, indem der Sonntags-Morgengottesdienst entsprechend erweitert und besonders feierlich gestaltet wird. Welche Blüthen dock die verschiedenen Nuancen von Reform treiben! In den amerikanischen Reformtempeln soll es sogar schon phonographische Automate geben, die gegen Einwurf von 20 Cents Schachrith und von je 10 Cents Minchah und Maarib beten. Vielleicht werden diese demnächst auch in Berlin eingeführt, das wäre noch bequemer wie ein Sonntagsgottesdienst. _ Berlin Der Hauptmann «Lpiekermann hat, wie der „Berliner Zeitung" mitgetheilt wird, am Thorweg seines Gutshofes zu Rangsdorf bei Zossen ein großes Schild anbringen lassen mit der Aufschritt: Juden ist der Eintritt bei Strafe streng verboten. Aber auch „arischen" Ausflüglern ist es nicht zu empfehlen, ihre Schritte in die Spiekermann'schen Gefielde zu lenken, denn der ganze Wald bei RangSdorf darf auf Anordnung des Herrn Hauptmann von niemanden betreten werden. Schwerfenz. Die israelitische Gemeinde hat vor Kurzem bei der Regierung zu Posen wegen der steten Abnahme der Zahl ihrer Mitglieder beantragt, daß das Gemeindestarut, nach welchem der Vorstand aus fünf und das Repräsentantent kollegium aus 15 Mitgliedern bestehen soll, dahin geänderwerde, daß der Vorstand sich aus nur drei und das Repräsentanten-Kollegium aus neun Mitgliedern zusammensetze. Dieser Antrag wurde von der Regierung genehmigt. Worms. (Ei n katholischer' Pfarrer gegen den Antisemitismus) Pfarrer Herzog in Rohrbach schreibt inl „Pfälzer Boten": „Das Eentrum verurtheilt den Antisemitismus au« Grundsatz und — aus eigenem Interesse, weil es fürchtet, was man beute gegen die Kinder Israels unternimmt, könnte man später auch gegen die Katholiken unternehmen. . . . Ein Eentrumsmann mausert sich nicht zum Antisemitismus!" ffvattftttau, 11. Juli. Ein sehr schönes Fest wurde am 10. d. M. npn ntsns in der hiesigen isr. Gemeinde gefeiert, nämlich die silberne Hochzeit des Lehrers I. W e r than und dessen Gemahlin, sowie dessen 35jähriges Dienstjubiläum. Die sehr zahlreiche Betheiligung an dem Festmahle seitens der isr. Gemeindeglieder, die vielen Gratulationen und die sehr werthvollen Geschenke, gesvendet von den sehr zahlreichen Freunden und Gönnern des Jubelpaares, sind der beste Beweis, daß dasselbe hier sehr beliebt und geschätzt ist. Die sehr gut vorgetragenen Gedichte und Gesänge während des Festmahles fanden recht großen Beifall. Möchte das Jubelpaar auch im Stande sein, seine goldene Hochzeit auf gleiche Weise feiern zu können. Berueastel. Warne noch frühzeitig jeden Eollegen, welcher die Besorgung der Esrogim für seine Gemeinde übernommen, seinen Bedarf unter keinen Umständen bei der Firma Samuel Rotter in Triest zu decken: indem ich im vorigen Jahre aus die schwindelhafteste Weise bei genannter Firma hereingefallen bin M. Kahn, Lehrer und Cantor. Budapest» Ein Tempel für jüdische Sträflinge wurde vor einigen Tagen im hiesigen Centralgejängnisse eingewciht. Bei dieser Gelegenheit hielt Rabbiner Dr. Samuel Kohn an die versammelten jüdischen Häftlinge eine ergreifende, sie zu aufrichtiger Buße ermahnende Ansprache, die mit einem Gebet für König, Thron und Vaterland schloß. Wien. Hier eine Scene ans einer vor Kurzem stattgefundenen Gerichtsverhandlung: (Die Zeugin Dora.) Bezirksgericht Mariahilf. Adjunct Edler v. Wirth schreitet zur Beeidigung eines Zeugen mosaischer Eonfession und sagt zu dem Iustizsoldaten, der gerade die Stelle des Gerichtsdiencrs vertritt: „Bringen sie die Thora!" — Der Soldat salutir«, macht „Kehrt Euch", begiebt sich auf den Corridor imb mit: „Dora! Dora!" Als niemand antwortet, erscheint er wieder im Gerichrssaale und meldet stramm: „Bitte, Zeugin Dora ist nicht erschienen!" Har der Herr Adjunet den Eid mme.jmlaico wieder enoühren wollen7 Aus Brünn wird dem Wiener Frcmdenblatt gemeldet: Der Verlassenschaft des Baron Moritz Hirsch wurden 1 060 017 fl an Gebühren vorgefchrieben und zwar 800 2«>2 fl. an Staatsgebühren, der Rest als Lchulbeitrag für das Land Mähren. 22 Czernowitz, 27. Juni. Herr Professor Dr. M. Hilberg, ein Enkels des berühmten Hebraisten Jsak Erter, ist für das nächste Studienjahr zum Rector der hiesigen Universität gewählt rvorden. Freenronth. (Australien.) Wie weit das Interesse für die jüdische Geschichte und Literatur gc'dl'Ultgc'/k ist, beweist die auf Veranlassung des Rev D. I. Frcedmann erfolgte Gründung eines Vereines, der unter dem Rarnen „Hebrew Literary and Debatimr Society, sowohl die Pflege der jüdischen Geschichte wie der Literatur übernchtnen soll. Briefkasten der Expedition Herrn E. G. in B.: Betrag von fl. \.— dankend empfangen. Lebensversicherungs-Gesellschaft zu Leipzig, auf Gegenseitigkeitgegr. 1830(alteLeipziger).Essindvom l.Januar bis Ende Juni 1807 32Ol Versicherungen über 25 514 800 9)11. beantragt rvorden, 020 050 Mt. mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Als gestorben wurden in derselben Zeit angemeldet 422 Mitglieder, die mit 3 028 250 Mk. versichert waren. Der Versicherungsbestand stellte sich Ende Juni 1897 auf 07 00«) Personen mit 407 Millionen Mk. Versicherungssumme, das Vermögen aus 152 Millionen Mk. Für fällig gewordene Versicherungssummen sind bis jetzt ausgezablt 103 Millionen Mk., als Dividenden an die Versicherten gewährt 51 Millionen 9)lk; Dividendcineservcn in Höhe von 24 Millionen Mk. liegen zur weiteren Verthcilung an die Versicherten bereit. Bei der alten Leipziger Gesellschaft, die eine reine Gegenseitiakeitsanstalt ist, fließen alle Ueberschüsfc den Versicherten wieder zu. Die Dividende der letzteren beträgt für die länger als 5 Jahre bestehenden Versicherungen im laufenden Jahre 42°/0 der ordentlichen Iahresprämte und bei abgekürzten Versicherungen außerdem Ist,0 o der Dumme der gezahlten Zusatzprämien. Zuruckgesetzte Stoffe im Ausverkauf. 7 Meter Waschstoff, waschächt, zum ganzen Kleid für M Ipfg. 6 , soliden Stoff . . . . „ „ „ „ „ 3.40 ,, 6 ,, Sommer-Nouveaute, doppelbr. ,, ,, „ „ 3. „ 6 ,, Alpaka, doppolbreit . ,, ,, ,, „ 4.00 ,, 7 MousseKne lalne. gar. reine Wolle „ ,. ., „ 4.1>ö ,, Ausserordentl. Gelegenheitskäufe in modernsten Wallu. 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