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Der Israelit · 1897-07-19 · Heft 57 (19.7.1897) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 57 (19.7.1897)
Date
1897-07-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1118 Rur die Geldgeber find ausschließlich Juden, gegenwärtig 643 aus 23 Staaten der Union, mit Beiträgen meist zu fünf Schilling jeder einzelne, die Schüler können au» allen Confefsionen und Nationalitäten fein. Bis jetzt betragen die Einnahmen ca. 4000 Dollar per Jahr, während 10,000 nöthig sein würden, um 50 Schüler zu erhalten. Daher sollen diejenigen, welche Aufnahme wünschen, 100 Dollar pro Jahr zahlen, die armen Schüler jedoch von einem besonders zu errichtenden Stipenoienfonds unterstützt werden. Der Kursus ist vierjährig, wer ihn beendigt, erhält den Rang eines Baccalaureus der Landwirthfchaft, wer noch ein Jahr länger an de« höheren Kursen theilnimmt, kann Master of Agriculture werden. Die Schulwoche geht von Montag bi» Freitag, doch sollen jüdische Schüler am Sonntag, christliche am Samstag häuslichen Studien obliegen. Religionsloser (?!!) Gottesdienst soll jeden Morgen vor Beginn der Arbeit stattfinden. Es läßt sich nicht leugnen, daß die Ansichten über die Ersprießlichkeit dieser Schule sehr getheilt sind. Palästina. 2) Jerusalem, 25. Siwan. Seit dem 13. Siwan ist hier von Jaffa aus der bekannte jüdische Landschaftsmaler Herr Isidore Dann angekommen, um sich hier mit seiner Familie im Dienste jüdischer Kunst etwa Jahre aufzuhalten. Herr Dann, der einer englisch-sephardischen Gemeinde angehört, will sich ganz besonders den jüdischen Alterthümern und dem heutigen jüdischen Leben widmen. Er war der erste Gründer der pst*'» und der in London. Auch spricht er geläufig unsere hebräische Sprache. Am Jubiläumstag der englischen Königin hielt er in Jerusalem eine von patriotischem und jüdischen Geiste durchwehte Festrede. (0 Jaffa, 1. Tammus. Gestern Abend fand hier die Uebergabe einer neuen Sefer-Thora an die Synagoge der Talmud-Thora statt. Obwohl eine solche Spende weder hier noch dort zu den großen Seltenheiten gehört, so verdient sie doch wegen der begleitenden Umstände, die ein Licht aus die Lage und die Volksstimmung werfen, wenigstens erwähnt zu werden. Die Spenderin ist eine gewisse Sima Weinberg, die aus Rumänien stammend in noch jugendlichem Alter in das h. Land kam und seitdem als Dienerin in einem jüdischen Hause arbeitet. Als sie sich nach langjähriger Mühe 400 Frs. zusammenerspart hatte, wurden ihr diese gestohlen, und von neuem ging sie unverdrossen an ihre schwere Arbeit, wies die ihr gebotene Möglichkeit, sich zu verheirathen, zurück, und es gelang ihr abermals 900 Frs. zusammenzuarbeiten und zu sparen, für welche Summe sie das neue Sefer-Thora gestern dem Bethause spendete. Es muß dabei erwähnt werden, daß im vorigen Jahre in gleicher Weise eine arme Proselytin eine kostbare Ornamentur für die heilige Lade dieses Bethauses auf ihre Kosten hat anfertigen lassen. Der Zug mit der Thorahandschrift bewegte sich also von dem Hause ihres Brotherrn in der Stadt langsam unter den Klängen einer einfachen Musik, wobei jeder Theilnehmer der Prozession ein brennendes Licht in der Hand hatte, von der Stadt durch die Howartstraße und Nedschis-Bustras den jüdischen Stadttheilen Neweh-Schalom und Neweh-Zedek zu. Anfangs war es kaum mehr als ein Minjan von Männern und wenig mehr als ein Dutzend junger Damen in Festkleidern, die der Thora das Ehrengeleite gaben, dann aber wuchs die Menge mehr und mehr an und an jeder Straßenecke kamen neue Theilnehmer, um sich dem freudig begrüßten Zuge anzu schließen. Dem Zuge waren vom Serail achtzehn Soldaten unter Führung des jüdischen Polizeisergeanten Türdscheman als Ehrenwache und zugleich zur Aufrechterhaltung der Ordnung beigegeben, ohne daß sie aber genöthigt waren, von ihrer Ordre Gebrauch zu machen. Im Gegentheil, es schlossen sich auch zahlreiche Mubammedaner freiwillig au, um auch ihrerseits mit freudigen Gesängen der Heiligen Schrift ihrer Brüder von Ibrahim die Ehre zu erweisen. Nur von einigen Ausländern konnte man abfällige oder feindliche Bemerkungen hören. An den bedeutenderen Straßenecken blieb der Zug stehen, und wurde dann das Mischeberachgebet für Sr. Maj. den Sultan Abdul-Hamid II. gesprochen, wobei man in endlose jubelndeHedadrufe auf den geliebten Monarchen ausbrach. Es war das nichts Gemachtes, ebensowenig wie es vorauszusehen war, daß sich Sephardim, Aschkenasim pnd Temanim (yemenitische Juden) in gleicher Weise an dem Festzuge betheiligen würden. Bald hörte man aschkenafische, bald sepharoische, bald arabische Melodien, und bald die eine, bald die andere Gruppe trat mit Tanz und Gesang mehr hervor, während man sich allmählich der Grenze von Neweh- Zedek und Neweh-Schalom näherte. Hier kamen von allen Bethäusern die andern Sifre - Thora entgegen, um gewissermaßen, den neuen Bruder, der nun fortan mit ihnen gemeinsam das Volk lehren sollte, in Ehren zu bewillkommen. Immer noch spielte die Musik, die sonst hier zu Lande gleich traurig klingt, ob es sich um eine Hochzeit oder um ein Begräbniß handelt, die aber heute so lustig klang, als wäre es gar keine jüdische Musik, als hätte sie alle Leiden und Qualen vergessen, die unser Volk betroffen. Inzwischen war der Zug mit den brennenden Lichtern auf mindesten» 6—800 Personen angewachsen und freudig wurde es uns klar, daß hier, wo vor noch zehn Jahren nur eine ganz kleine fephardische Gemeinde und kaum ein Minjan Aschkenasim wohnte, heute eine stattliche jüdische Gemeinde ist von nahezu

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