Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 57 (19.7.1897)
- Date
- 1897-07-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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-l E» w M-^u mu.^T.W’q 1115 22 verschiedenen Aerzten wurde die Hilfe unserer Armenschwester verlangt. Bei 7 Operationen war sie behülfllch, bei mehreren operativen Fällen übernahm sie den Verbandwechsel bis zur Heilung, und sorgte neben der Köperpflege, soweit als möglich für Reinhaltung der Wohnung, Bereitung der Kost und Unterstützung durch Lebensmittel, Wäsche und Geld. Zu diesem Zwecke gingen freiwillige Gaben ein im Betrage von Mk. 54H,05 und wurden M. 519.75 Pfg. verausgabt. — Von auswärtigen Instituten und Anstalten gingen wieder mehrfache Aufforderungen und Ueberlaffung von Schwestern an unseren Verein. So ehrenvoll diese Vorschläge auch für uns waren, so konnten wir zum Theil dieselben aus verschiedenen Gründen nicht annehmen. Vermischtes. <4- Hohenems. <3itbrfd>c Fabr ikshcr reu.) Tic weit über die Grenzen unseres Vaterlandes Hinnus, und be sonders in Wien bekannten und berühmten Großindustrictlcn und Fabrikanten Gebrüder Rosenthal beschäftigten iu ihren großartigen Fabriken Hlindertc von christlichen Arvciteru. von denen eine stattliche Anzahl nahezu sechzig Jahre unter dieser Firma arbeiten und säst kindliche ^iebe für ihre \ü dischen Arbeitgeber hegen. In glanzender Weise kam dies zum Ausdrucke, als in Rankweil, wo diese Firma eine de deutende Fabrik etablnt hat, ein Arbeiter, Namens Plülstw Knecht auf Antrag seiner Brodherrcn, aus Anlaß seines 50jährigcn Arbeitssubiläums in dieser Fabrik von Sr. Maje stät mit dem silbernen Pcrdienftkreuz ausgezeichnet wurde. Der Bezirkshauptmann Herr Schaffgotsch überreichte demselben mit einer schönen Ansprache diese Auszeichnung, worauf der Jubilar unter Tbräacn dankte und nur sein hohes Alter bedauerte, das ihn kaum erwarten lasse eine noch eben so lange Zeit im Dienste seiner jüdischen Herren zu arbeiten, ein Wunsch, den all feine Genossen anfrichtigst theilen. Hieran schloß sich ein herrliches Fest, das die derzeitigen Chefs der Firma, die Herren Anton und Ivan Roscnthal, den Arbeitern veranstalteten und an dem sic soivohl selbst wie auch die kirchlichen und staatlichen Würdenträger der Umgegend theilnahmen. Ein bedeutendes Geschenk ward dem Jubilar auch seitens der Firma zutbeil. Paris Das Komitee «le LienkatEeo. israOite ver ästentücht seinen Jahresbericht, der eine ganz bederttende Leistung dieses Institutes aufweist. Die Gesammtausgabeu beliefen sich aut nicht weniger als 469 354,35 Frs , mehr als 375 000 Mk, welche in dreierlei Weise verausgabt wurden. Erstens erhielten ea <>00 Arme regelmäßige monatliche Unterstützung, zweitens wurden ea 12(40 Personen durch größere einmalige Stipendien unterstützt, endlich in ea. 20000 Fällen kleinere Beträge aus der Hand verabfolgt. Außerdem wurden 49470 Anweisungen aus Brod, 1:4 9'»7 auf Fleisch, endlich 52134 auf Kolonjalivaaren verrhcilt, wozu im Winter noch 3500 Anweisungen auf H izmarerial kommen. 2797 Personen erhielten Miethsunterstützung, 2072 Familien nebst 421 (Einzelpersonen bekamen zu Pessach Mazzos. Kleidungsstücke wurden an 225 Personen verthcilr. Medikamente an 2511. Mit besonderer Sorgfalt nimmt das Komitee sich der armen Kinder an, von denen in direkter Pflege 80 Waisen und 457 andere Kinder stehen. Die Suppenküchc vertheilte 525000 Portionen. Auch Arbeitsvermittelung wird neuerdings eingerichtet und 588 Personen aus ihren Wunsch in ihre Heimath zurückgeschickt. Die Einnahmen überstiegen um 708.11 Frsdie Ausgaben. Ein ungeheures Werk liegt dem Komitee ob, aber es herrscht nur eine Stimme über die außerordentlichen Leistungen desselben. Tanger. Jsaae Abensur, ein eingeborener Jude, der sich große Verdienste um die hiesige österreichische Legation erworben hat, erhielt vom Kaiser von Ceftetreid) den Franz Ioscphsorden. Feuilleton. Mk ßrlkgsMWk» Ser alten Misltzr Getto». Nacherzählt von Arnold Monn. (7 (Schluß.) Therese erslbrack zu Tode, als ihr der letztere Gedanke, einem Blitze gleich, durch den Sinn fuhr: war sie nicht treulos? Handelte sie nicht mit diesen Gedanken schon verrätherisch 8an ihrer einzigen Freundin? Sie batte völlig vergessen, was diese Unterredung mit Elias Friedmann eigentlich bezweckte. Gott im Himmel, wer hätte das gedacht? Ihn, den Reinen und Edlen sollte sie in Versuchung führen, sie sollte ihn prüfen aus einen elenden, niederträchtigen Verdacht hin, über dem er so erhaben schien, er, der von so großen, echt menschenwürdigen Ideen erfüllt war; zu Falle sollte sie ihn bringen, zu Falle über die niedrigste aller Leidenschaften — — und nun war sie selbst zu Falle gekommen, nun sah sie in ihm das höchste Mannsideal, nun hätte sie ihm zu Füßen stürzen mögen, um ihm ihr Herz zu schenken, von dem die Etsesrinde geschmolzen! Das alles jagte in wilder Erregung durch ihr Gehirn, während er zu sprechen foctfuhr, während er ihr Scenen aus dem Kriege beschrieb, um seine Ansichten zu rechtfertigen — sie hörte ihn nur mit ihren leiblichen Ohren, wie ein gewaltiger Bergfluß quoll ihr der Strom seiner Rede entgegen, indeß in ihrem Innern die Oual ihres Schicksals tobte. Ja, ihr Schicksal war es, das da vor ihr saß. Sie liebte, liebte zum ersten Male mit der ganzen Gluth des lange zurückgedämmten Gefühls, und den sie liebte den wiro sie in den nächsten Minuten der Freundin in die Arme sinken sehen! Wie ein Rausch war es über sie gekommen, wie eine sinnlose Ohnmacht, aus der sie erst erwachte, als Rosenftock zurückkam mit der Frage, ob Dina denn noch nicht da sei? „Was ist denn das?" fragte EliasZ erstaunt. „Aber, wo bleibt sie denn?" Es war eine Wohlthat für Therese, daß sie den Vorwand hatte, Dina zu holen — länger hätte sie es nicht ausgehalten, ohne sich zu verrathen, und das durfte nicht sein, nur das nicht! Dina war längst von der kranken Fanny fort-