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Der Israelit · 1897-07-19 · Heft 57 (19.7.1897) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 57 (19.7.1897)
Date
1897-07-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XIXTin Jahrgang. M 57 Der Israelit. Ein Kenlrat-Hrgan für das orthodore Iudenthum. Begründet von Dr. JTeJfttmttu in Mainz Montag, den 19. Juli 5687 (1897). Für Zwei LNavlr abonnirt man bei allen Postanstalten für die Monate W August und September W auf den Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-ZeilungSfchalttr des Wohnortede- Besteller- oder bei dem betreffenden Land« briefträger ausgegeben werden. Die Erpe-ition ües „Israetit". Leitender Artikel. Die ConfequenM des AnNftmMsmus in Kußland. Prof. Schmerkine veröffentlichte in französischer Sprache unter obigem Titel ein Werk, in welchem er an der Hand officieller Daten, erwiesener Thatsachen, ja selbst laut Zeugniß anerkannter Antisemiten darthut, daß der Antisemitismus für Rußland und seine Bevölkerung von den verhängnißvollften Folgen begleitet war. Der intereffanten Einleitung, die der namhafte Redacteur des „Oeconomischen Journal's^' M. G. v. Molinari zu dem hochbedeutsamen Werke geschrieben, entnehmen wir folgenden Auszug: . „Den ersten Anstoß zum Antisemitismus, nach der schier einheitlich vollzogenen Emancipation der Juden, welche man für eine definitive hielt, bildete tveniger die religiöse Intoleranz, als der Neid, der aus der wirthfchaftlichen erfolgreichen Concurrenz, welche die Juden machten, entsprang. Dieser Anstoß wäre vielleicht nutzlos gewesen, wenn der Socialismus ihm nicht ein weites Feld zur Bearbeitung geboten hätte. In den Augen der Socialisten jeder Schattirung, mögen sie nun Collectivisten, Communisten, Anarchisten, Nihilisten heißen, ist das Capital der Erbfeind. Und bei ihrer Unwissenheit über die eigentliche Natur des Capitals, repräsentirt es sich ihnen einzig in Form der beweglichen Werthe und sie personifizirten es lediglich mit den hervorragenden Persönlichkeiten der finanziellen Welt. So wurde der Antisemitismus ein Zweig des Socialismus. Aber was wollen die Antisemiten? Bis zur jüngsten Zeit haben sie sich daraus beschränkt die Leidenschaften gegen das „jüdische Kapital" zu entflammen, uns im Uebrigen über ihr Programm im Ungewissen lassend —. Sie hegen außerdem den Wunsch die Juden von allen öffentlichen Aemtern und Stellungen auszuschließen, die Lifte der jüdischen Kaufleute zusammenstellend, sie ihrer Kunden zu berauben, mit einem Worte ihnen alle Existenzmittel zu entziehen, um sie so zur Auswanderung zu zwingen. Die Austreibung der Juden ist also das letzte Ziel des Antisemitismus. Wir sind überzeugt, daß dieser Feldzug der Intoleranz nur zu schmachvollen Mißerfolgen führen kann, dennoch ist es nicht ganz unnütz der Oeffentlichkeit die Resultate vorzu führen, welche diese Verfolgung ruhiger, arbeitsamer Staatsbürger für den Nationalreichthum und das Wohlsein der großen Masse haben würde. Wir wissen es schon, wie viel Frankreich durch das „Edikt von Nantes" verloren hat. Aber wir können nun auch ein näherliegendes Beispiel anführen, das ebenso sehr die Uebel, welche die Intoleranz im Gefolge hat, darzuthun vermag; die Intoleranz, die ein nothwendiges Triebwerk zur Hebung des Volkswohlstandes zerstörten. Wir wollen von der Austreibung der Juden aus dein Innern Rußlands sprechen, wo sie unter der Regierung Alexander II. geduldet wurden und die doppelte Aufgabe der Vermittlung des Handels und des Credites vollzogen. Abgesehen von den

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