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Der Israelit · 1897-07-12 · Heft 55 (12.7.1897) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 55 (12.7.1897)
Date
1897-07-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXTHI. Jahrgang. Erste Beilage zu M 55 -es JterneUt“. Leitender Artikel. ♦□’fcäoon htdij? Eine wissenschaftliche Abhandlung über talmudische Systenratik und Namen der Vögel von A. Gngenheim Rabbiner in S a a r u n i o n. Abschnitt l. Geschichtliches — Das Ausstellen der vier Charakterzeichen im Talmud zur Bestimmung der Bögel. II?) „Den Vogel kennt man andenFedern", so lautet ein bekanntes deiitsches Sprichwort. — Daß man aber dies auch thatsächlich bei der Beschreibung und Bestimmung der Vögel oft befolgte daß man dem Gefieder bei der Bestimmung der Vogelarten viel zu viel Werth beilegte, wird seit den letzten Jahren immer mehr anerkannt. — Ich behaupte, daß die zu große Aufmerksamkeit, die man dem Gefieder schenkte, einer der Hauptgründe ist, warum so wenig Ver- Nändniß, heute noch, über die in der Bibel als unrein bezeichnetcn Vögel vorhanden ist und daß die so weitgehenden und lehrreichen Abhandlungen über dieses Thema im Talmud bis aus den heutigen Tag unverstanden und unberücksichtigt geblieben sind. Keine Stelle giebt es in der ganzen Bibel, die in der Neuzeit so stiefniütterlich behandelt wurde, als der Abschnitt über die unreinen Vögel! —• Keinen Punkt der ganzen Bibel giebt eS, dessen die Forscher sich nicht bemächtigten und der nicht auf die eine oder andere Art einer wissenschaftlichen Untersuchung unterzogen wurde, nur allein die Vögel vernachlässigt man und doch, welche Ausbeute hätten sie für die Wissenschaft geboten, lieber die Thiergruppen bei Aristoteles wurden, bei Berücksichtigung der Vögel, sehr ernsthafte und sorgfältige Untersuchungen aufgestellt* ) und es wurde nach Möglichkeit gesucht, jeden einzelnen bei Arist. vorkommenden Vogelnamen auf das Genaueste zu bestimmen. Eine solche Ehre wurde der Vogelgruppe in der Bibel tlicht bezeugt und zwar aus dem einzigen Grunde, weil bis jetzt für die biblischen Vögel das Material zur Vergleichung und Bestimmung fehlte. Das fehlende Material bietet uns zum weit größten Theile und oft iiberaus reichlich der Talmud. Doch der Talmud selbst mußte unverständlich bleiben, so- *) Bergt. 'Nr. Ui dss. Bl. **) Durch Sundewall, die Thierarten des Arist. Stock ii'.i-, H. Auber und Wimmer, Thierkunde des Arist. Leipzig, nebst anderen Autoren: neuestens erfuhr seine Thicrkunde eine sorgfältige Behandlung durch Barthelemy St. Hilaire, Paris 83. Heck, L., die Hauptgruppen des Thiersystems bei Arist., Leipzig 85. lange die Ornithologie keine greifbarere, natürlichere Classification besaß, als eine zum großen Theile auf dem Gefieder beruhende. Der Mangel einer festeren Grundlage, nach welcher die Vögel zu ordnen sind, wird in der wissenschaftlichen Welt schon längere Zeit gefühlt. Aus das Bitterste wurde vor langer Zeit schon geklagt, daß die Forscher von ihren Entdeckungsreisen von den Vögeln nichts mitbringen, als eilt Federnkleid nebst Füßen und Schnabel, als wenn der ganze Vogel nur aus dem Balg bestände. Trefflich bemerkt Zadow in seiner „Vergleichende Anatomie des Verdauungssystems der Vögel": „Sonderbarer Weise sind seit einer langen Reihe von Jahren die Vögel viel, ja zuviel von den nur mit Oologie und dem Federnkleidc sich beschäftigenden in ihren Aeußerlichkeiten reinen Systematikern in Anspruch genommen worden, während die wiffenschaftlich zu Werke gehende Anatomie sich selten-in Bezug auf die Verdauung gar nicht mehr mit ihnen sich beschäftigte." Jenasche Zeitschrift für Naturwissenschaft, 13. Band, 1879 S. 292. Denn öffnet man irgend ein wissenschaftlich angelegtes Werk von Beginn des Jahrhunderts bis auf die jetzige Zeit herab, so wird man alsbald ersehen, daß bis in die neueste Zeit hinein, diese Wissenschaft sich überhaupt kein anderes Ziel setzte und sich darauf beschränkte, nebst den Angaben über Schnabel und Füße, nur auf das genaueste das Federnkleid zu beschreiben. Andere Vogeltheile schienen eine, wenn auch nur kleine Erwähnung überhaupt nur sehr selten zu verdienen. Doch fassen wir das geschichtlich Nothwendige zusammen: Das bedeutungsvollste und wichtigste Ereigniß auf diesem Gebiet der Naturkunde war das Aufstellen einer Systematik durch Linnaeus. Das Merkmal der Beine und Füße überragt alle andere äußeren Kennzeichen an breiter und durchgreifender Anwendung. Mit Linne's System beginnt die Gruppirung der Vögel aus Grund dieses Charakters in den Hauptzügen. Cuvier übernahm dieses System und verbesserte es. Das Einsühren der Krallen, welche nebst Schnabel und Füße seit Mitte des Jahrhunderts (Syst. Hupley), zur Berücksichtigung gelangen, war ein wesentlicher Fortschritt, doch ein ungenügender. Eine sehr sorgfältige und genaue Beschreibung des Gefieders war dabei das Wesentlichste zur Bestimmung der Vögel. Wie sehr die Classtficlation bis dahin zu wünschen läßt, ersieht man wohl am leichsten beim Nachschlagen irgend einer Encyclopädie. Denn es bleibt sich wohl gleich, was für eines dieser Werke man öffnete, der in- oder auch ausländischen Encyclopädien, mit Ausnahme der ganz neuesten Ausgaben trifft man bei

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