Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1897-07-12 · Heft 55 (12.7.1897) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 55 (12.7.1897)
Date
1897-07-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448705-2448757--44220-2493305
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1071 Vermischtes. Gailingen Wiederum hat unser jüdischer Gesarigverciu „Eintracht", der sich die Pflege des deutschen Dolksliedes zu Aufgabe stellt, bei dem am jüngsten Sonntag in Stockach stattgehabtcn fünften Höhgaufeüe die Siegcspalmc errungen. Unser Verein der bei dem dritten und vierten gleichnamigen Feste vor b bezw. 3 Jahren ebenfalls Preise davongetragen, war der einzige jüdische Vereine c4 mnß dieses als ein Zeichen des in hiesiger Gegend herrschenden confcssionellen Friedens angesehen werden. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß die Zahl 27 eine große Rolle dabeispieltc. L Es war am 27 Juni, 2,27. Sivan, 3. cs waren 27 concurrircnde Vereine und 4. unser Verein war durch 27 Sänger vertreten. H G. PelerSvurg. Die Kaiseriu-Wittwc von Rußland hat an die Herren David und L. Poljackosf ein eigenhändiges Schreiben gerichtet, in welch m sie ihnen für ihre reichen Spenden zu Gunsten des kaiserlichen Waisenhauses ihren Dank ausspricht. Feuilleton. Alt KrikgMsWtk» des alten Wasihr «Strfon. Nacherzählt von Arnold Manu. „Zweifelst Du daran? Ja, wenn ich alt und häßlich und mir die Hoffnung auf ein reines Glück gänzlich entschwllndcn wäre, dann würde ich nichts verscherzen, wenn ich Mama zu Willen wäre, und ihr noch dazu eine große Freude bereite. So aber, ich bin weder zil alt noch zu häßlich, um nicht noch zu hoffen-und darum fahre ich morgen, wie projektiert, nach Hannover, um iibermorgen meine Stelle anzutretell und Mama bekommt beu Absagebrief!" „Was mir da einfällt," sagte Dina plötzlich, „Du hast doch heute früh zwei Briefe bekommen?" „Ja, der andere war ans K. von Rosa Lehmann „Giebt's was Neues dort?" „Es ist nicht der Rede werth. Von Elias steht auch was in dem Brief!" „Von Elias? Was denn?" Therese bereute es sofort, dies gesagt zu haben. Ein unangenehmes Gefühl stieg in ihr empor. Es war ja gewiß nur alberner Klatsch, was Rosa da von Elias geschrieben hatte, wer glaubte denn an so was? Dina gewiß am allerwenigsten! Gewiß, sie konnte es ihr getrost sagen, Dina würde höchstens darüber lachen! „Nichts Gutes" sagte sie schalkhaft, ohne die Absicht, Dina zu erschrecken. Dina blieb fiepen. „Nichts Gutes?" sagte sie langsam und gedehnt, „also Schlechtes?" Wie ein Hauch war das letzte Wort aus ihrem Munde gekommen. „Du brauchst nicht zu erschrecken, liebe Dina" beeilte sich Therese, zu begütigen, „morgen Mittag kommt Dein Elias vom Felde zurück, wird er in Deinen Armen liegen, werdet ihr beide die reine Seligkeit eines glücklichen Wiedersehens genießen!" Es gelang Therese nicht, vom Thema abzulenkcn. Dina hatte sich auf eine Ruhebank am Wege gesetzt und blickte starr vor sich hin. Mit der Spitze ihres Schirmes zeichnete sie allerhand krause Figuren in den Sand, ein Zeichen der inneren Erregung. Endlich blickte sie ernst zu der vor ihr stehengebliebenen Therese auf und sagte mit energischer Betonung jedes einzelnen Wortes: „Denkst Du denn, Therese, ich lasse Dich von hier weg fahren, ehe Du mir den Brief gezeigt hast, oder mir gesagt hast, was darin steht?" Therese erkannte, daß sie nun nicht mehr zurück konnte. Ach was, es würde ja nichts schaden, und im Nothfall, konnte sie selbst nicht den Schatten von Dina's Seele wieder vertreiben? Sie hatte ihr so viele trübe Stunden aufgehellt, und nun, wenn Dina überhaupt glauben sollte, nun sollte ihre Kraft versagen? „Na, nun paß' mal auf. Du kennst diese Lehmann's in K. nicht, die sind neidisch auf Dich. Ich kenne den kleinen Herrn. Er hat für seine Rosa auf Elias speculicrt, und nun, da Du ihn ihr weggekapert hast, nun sucht er Deinem Bräutigam alle möglichen Schlechtigkeiten anzudichten. O, und er hat Erfahrung in derlei Teuselskünsten, sonst hätte ers nicht so schlau angepackt. Sichst Du, mir muß es Rosa schreiben, damit ich cs Dir sagen soll, und jetzt gerade, kurz vor Elias Rückkehr, um Dir die Freude des Wiederseheits zu vergällen und einen Erisapfel zwischen Dich und Deinen Bräutigam zu schleudern. Also nicht wahr, liebste Dina, Du wirft es nicht glauben?" „Das kommt noch darauf an, was es ist!" „Es ist etwas ganz albernes!" „Nämlich?" „Na, Elias soll ein Mädchenjäger sein!" „Und tvoher wissen die in K. etwas davon?" „Was weiß ich? Einer aus derselben Kompagnie, in der auch Elias stand, soll es in K. erzählt haben!" „Im Kriege ein Mädchenjäger?" Der armen Dina schien das ein völliger Wider, spruch zu sein. „Nun ja", erwiderte Therese, "„er sei da jeder Schürze nachgelaufen, mit allen Dienstmädchen habe er angebändelt?" „Elias?"^fragte Dina. Es lag so viel hingebende Treue in dem Ton, mit welchem Dina den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.