Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 55 (12.7.1897)
- Date
- 1897-07-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XX X.VIII. Jahrgang. M L8 Ein Der Israelit Aentrak-Hrgan für das orthodoxe Audenthum. Begründet von Or ^Teljwftutt in HHnin} Montag, Ven 12 Juli 5657 (1«S7). Leitender Artikel. Die pariser Saadjaausgaöen.*) In der jüdischen Literatur ist es häufig, fast dürste man sagen gewöhnlich, daß die Autoren über ihren Werken vergessen werden. Der Gaon R. Saadja den Josef jedoch, einer unserer bedeutendsten, einflußreichsten und vielseitigsten Männer hat das merkwürdige Schicksal gehabt, daß seine Werke selbst durch die reiche Litteratur, welche sich auf ihnen aufbaut, in Schalten gestellt wurden. Von seinen zahlreichen Werken hat nur sein religionsphilosophisches mm niiicx bei der Nachwelt Verbreitung gefunden, von seinen Bibelübersetzungen und Commentaren wurden nur diejenigen zum Pentateuch und zum Hohenliede durch den Druck veröffentlicht und gehörten bald zu den seltensten Druckwerken. Der größte Theil seiner zahlreichen hochinteressanten Schriften hat lange Zeit keinen Annehmer gefunden, selbst diejenigen, die den Weg zu europäischen Bibliotheken fanden, wurden dort in ihrer Ruhe nur wenig gestört und ihr Vorhandensein fast vergessen. Der großen Waffe des jüdischen Volkes, die bis zu unserer Zeit ihre hervorragenden Größen, wenn nicht mit ihren Namen, so doch unter dem Titel ihrer Werke kannte und verehrte, ging die Erinnerung an den Gaon, dessen Heimath das egyptische ovtd (arabisch Fajjum) mar und der zu den glänzendsten Sternen der Hochschule von Sura zählte, ganz verloren. Dabei finden sich die Spuren der geistigen Thätigkeit R. SaaojaS allenthalben auf dem weiten Ge- *) Oeuvres completes de II. Saadia ben Josef Al- Fajjiümi puhliees sous la d reetion de J. Derenbourg, membre de l’institut. Volume I Version arabe de Pentateugne 1893 V. III. Version arabe d’lsaie 1896. V. VI Version arabe des Proverbes 1894. V. IX Tratte des succ.essions suiri des opuscules et eousultatious balachique 1897 Paris. Ernest Leroux, rue Bonaparte 28. biete der jüdischen Literatur. In den wichtigsten und gelesensten halachischen, exegetischen, grammatischen und philosophischen Werken begegnen wir häufig dem Namen R. Saadja's und den Spuren seines großen Einflusses. Man übertreibt nicht, wenn man sagt, die vielbewunderten Grammatiker, Bibelerklärer, Philosophen und selbst Dichter des jüdisch-arabischen Spaniens bauten auf der Grundlage weiter, die R. Saadja gelegt hatte. Die Werke, die auf seinen Einfluß zurückzuführen sind, und ohne ihn kaum entstanden wären, haben die Werke des Meisters selbst vergessen gemacht. Ende des vorigen und Anfang dieses Jahrhunderts beschäftigten sich einige nickijüdischen Gelehrte viel mit Saadja. Ein Professor Paulus in Jena gab seine arabische Uebersetzung zu Jesaia heraus, eine Reihe Anderer schrieb über die Art und Weise seine Bibelerkläruugen. Rapoport und Munk erst machten durch vorzügliche Arbeiten die jüdische Welt wieder auf R. Saadja aufmerksam. Angeregt durch die Schriften dieser Männer wählte der im Sommer 18r)5 im hohen Alter verstorbene berühmte Pariser Orientalist und Akademiker Joses Derenburg, R. Saadja zum Gegenstand seiner Studien. Bald wurde er sein liebevollster Verehrer und Bewunderer Im Jahre 18J2 bei Gelegenheit des MilleniumS des Gaon, der 822 geboren wurde, gründete Derenburg ein Art Saadja-Gesellschaft, welche fick die Herausgabe sämmtlicher handschriftlich vorhandenen Werke des Gaon zur Aufgabe machen sollte. Vorher schon hatte Derenburg seine zahlreichen Schüler die Schriften desselben kennen und schätzen gelehrt. Seinem Schüler, Prof. Lambert, der nach dem Tode Josef Derenburgs zusammen mit dessen Sohn Hartwig die Leitung der Saadja-Gesellschaft übernahm, verdanken wir die erste Herausgabe des arabischen Commenlars des Gaon zum Sefer Jezira. Heute liegen als Früchte der unverdrossenen Arbeit der Pariser Saadja- Freunde vier stattliche Baude vor uns. Es sind dies die arabische Uebersetzung zum Pentateuch,