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Der Israelit · 1897-07-08 · Heft 54 (8.7.1897) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 54 (8.7.1897)
Date
1897-07-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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vr-' ”-$m&'£}'+Jm*Srß*^? i 1055 losigkeit, zu denen sie ihr Statut von vornherein verurteilt, überhaupt nicht reden, wenn nicht das von ihr gegebene Beispiel des „einmüthigen Zusammenwirkens von Männern der verschiedensten Richtung" den Trieb jur Nachahnrung für das Reich erweckt hätte. Bei den Bestrebungen und Besprechungen zur Schaffung eines allgemeinen deutschen Rabbinerverbandes, in welchem die äußerste Reform mit der strengsten Orthodoxie sich einträchtig zusammen finden soll, wurde wiederholt auf das in dieser Richtung von den Rabbinern Bayerns gegebene angeblich schöne Beispiel Hingewi e s e n. Das System bewußter Täuschungen und haltloser Tifteleien, die von betheiligter Seite zur Widerlegung in einer Zeitschrift vorgebracht worden sind, vermeidend, sollen diese Zeilen einfach darthun, daß die vierjährigen Conferenzergebnisse der bayerischen Rabbiner durchaus nicht dazu angethan sind, zur Nachbildung zu reizen. Wir machen der Conferenz über die Ergebnißlosigkeit ihres mehrjährigen Bemühens durchaus keine Vorwürfe, denn wir kennen die Ursachen und wiffen sie zu würdigen: wne» ’m mnp w Es war eine edle Illusion, wenn einzelne jungbegeisterte Männer, in ihrem Empfinden damals noch frisch und unberührt, sich die künftige Gestaltung der Dinge anders vorgestellt und mehr erwartet haben. Unter den gegebenen Verhältnissen ist ein ersprießliches Zusammenwirken auf realer Unterlage gar nicht möglich und den meisten Theilnehmern der Conferenz auch nicht erwünscht. Man begnügt sich darum, einige Händedrücke gewechselt und einige Sympathieerklärungen ausgetauscht zu haben und sucht den Conferenztag durch Erzählung von Erfahrungen aus dem Amtsleben herumzubringen. So wird es auch demnächst in München geschehen. Vielleicht berichtet alsdann dort der Rabbiner in Sch. den Herren „Amtscollegen" von A. und B., wie er mit seiner Gemeinde in Widerstreit gerathen, weil er den Lehrer, der über das Verbot des Tragens am Schabbos und über das Trinken von '"c sich hinwegsetzte, als Trauungszeuge abgelehnt und veranlaßt einen Gedankenaustausch über diese Erfahrung im Amtsleben. Dann hätten wir nur noch den Wunsch, ein Maler der Münchener Schule möchte sich bewogen fühlen, das zur Nachahmung für das Reich Anregung gebende Cvnferenzbild mit geschickter Hand uns sestzuhalten — und wahrlich! die Conferenz hätte diesmal nicht umsonst in München getagt. Oefterr.-Ungar. Monarchie. ** Wien. (D^ie Aktion gegen die Lehr e r.) Der in seiner Mehrheit clericale Bezirksschulrath hat einen Beschluß gefaßt, der von symptomatischer Bedeutung ist. Als sich vor einigen Jahren ein nicht unbeträchtlicher Theil der^ Lehrerschaft in die Reihen der damals noch um die Herrschaft kämpfenden Antisemiten stellte, da klagten diese nicht darüber, daß die Lehrer ihre politischen Rechte bethätigten und Versammlungen veranstalteten; sie traten vielmehr für die freie Bethätigung dieser Rechte mit großen Worten ein und rückten die politische Agitation eines Theiles der Lehrerschaft mit besonderem Stolze in den Vordergrund, weil diese erweise, daß auch die „Intelligenz" sich den siegreichen Panieren des Antisemitismus angefchloffen habe. Jetzt, wo die Lehrerfreunde von ehedem in den unbestrittenen Besitz der Macht gelangt sind, werfen sie die Maske ab und zeigen ihr wahres Gesicht. Die Thätigkeit des Bezirksschulrates, seit er der Majorität nach antisemitisch geworden, ist eine Kette fortgesetzter Maßregeln gegen die Lehrerschaft: man setzte eines Tages Hunderte von Lehrern auf das Pflaster, indem man ihre Decrete für null und nichtig erklärte; man fährt — trotz aller pro foro externo gefaßten Stadtraths¬ und Gemeinderathsbeschlüffe — fort, das Substitutions-Normale in einem Sinne auszulegen, daß eine große Anzahl von Lehrern auf wahre Hungerlöhne gestellt und um 30 bis 40 Procent der ihnen ge« bührenden ohnedies kargen Bezüge verkürzt wird; man strich endlich einem großen Theile der Lehrerschaft einfach das passive Wahlrecht in den Bezirksschulrat. Und wenn sich nun die Lehrer dieser ihrer Rechte wehren und in Versammlungen, deren Technik sie von ihren heutigen Bedrückern erlernt, über die materielle Verkürzung ihrer Berufsgenoffen Klage führen, droht man ihnen mit Maßregeln strengster Natur, mit Niederdrückung, als ob es sich um Aufruhr handelte; Gregorig führt eine förmliche Proscriptions-Liste, und ein Lehrerbildner beantragt, die „Schuldigen" vor ein Tribunal zu zerren. Aber man läßt sich damit nicht genügen, das Vorgehen der jungen Lehrer vom Standpunkte der Disciplin zu beurtheilen und zu verurteilen, es wird ihr Thun auch nach außen als politisch und religiös gefährlich „vernadert" und so der mit aller Vehemenz unternommene Kampf gegen die Lehrer, der ja nichts als der Vorpostenkampf gegen die freie Schule ist, gewisser - maßen als Kreuzzug gegen Feinde von „Thron und Altar" hingestellt. Das ist die Signatur der Zeit. Türkei. ** Koristantirropel, 25. Juni. Die Gattin Sr. Excellenz des Divisions-Generals Dr. Elias Pascha ist zum Vorstandsmitglied des aus den Damen der höchsten türkischen Aristokratie bestehenden Vereins zur Unterstützung der Verwundeten ernannt worden. Den Vorstand bilden außer ihr die Tochter des Groß-Vezirs und die Gattin des Botschafters in Paris, Munir B e y. Madame Elias Pascha, welche eine unermüdliche philantropische Wirksamkeit entfaltet.

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