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Der Israelit · 1897-07-08 · Heft 54 (8.7.1897) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 54 (8.7.1897)
Date
1897-07-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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««VKSMV S «i" £gyfi*r*; XXXVIII. Jahrgang. Erste Beilage M M 54 ües „Israelit". Leitender Artikel. Ein jüdischer ^uristentag. Im Sitzungssaale des Lemberger CultusvorstandcS fand durch zwei Tage eine Versammlung jüdischer Advokaten und Concipienten statt, um gegen die systeinatische Präterirung jüdischer Candiraten im ostgalizischen Landestheile bei Besetznng von Gerichisftellen zu protestiren. Es hatten sich über 50 Delegirte eingesunden. Rechtsanwalt Dr. Horowitz, begrüßte die Erschienenen und drückte seine Genugthuung über die zahlreiche Betheiligung aus. Die Beschickung des Juristentages widerlege die verbreitete Meinung, als ob die Juden nur dem goldnen Kalbe dienen würden, denn der Dienst für die Gerechtigkeits-Idee habe nichts mit Geschäft gemeinsam und er gab seinem Bedauern Ausdruck, daß eine ähnliche Frage Die Tagesordnung einer Versammlung bilden müsse. Er empfahl Geduld, Ausdauer und Vertrauen in die gerechte Sache und schloß mit dem Wunsche, daß eine derartige Versammlung die letzte in diesem Jahrhundert sein möge. Zum Vorsitzenden wurde Rechtsanwalt Dr. Alcxandrowicz aus Sambor gewählt und das Referat erstattete Dr. Reiter, der hervorhob, daß seine Daten keinen Anspruch auf Vollständigkeit machen, denn viele Fragebogen wurden nicht beantwortet. Diejenigen, die im Vorhinein auf eine Carriere im Justizdienste verzichtet haben, wissend, daß sie nur Enttäuschungen erleben werden, kommen in feinem Referate ebenfalls nicht in Betracht. Laut den dem Referenten zu Gebote stehenden statistischen Daten, gibt es in Galizien 19 jüdische und 4 christliche GerichtSpcaklikanten 4 jüdische und 99 christliche Auskultanten. Die Christen werden innerhalb einiger Wochen zu Auskultanten befördert, während einer der erwähnten 4 jüdischen Auskultanten, trotz seiner ausgezeichneten Qualification anderthalb Jahre aufs Avancement warten mußte. Während christliche Candidaten mit bloß zwei Staatsprüfungen ernannt werden, müsien die Juden wenigstens alle drei Staatsprüfungen und durchschnittlich auch das Doctorat haben. Der Referent beantragte die Ausarbeitung eines von statistischen Daten unterstützten Memorandums, das durch eine Deputation beim Minister-Präsidium und Justizministerium eventuell auch beim Throne zu überreichen wäre. Ueber diesen Antrag entspann sich eine längere Diskussion, in deren Verlaus mehrere Redner Beispiele anführten, wie die Juden im Gerichtsdienste zurückgesetzt werden und wie die Tendenz vorherrschend sei, sie bei den Beförderungen zu umgehen. Dr. Tenner citirte folgenden Fall: Als ein Richter darüber empört, daß ein in seinem Bureau arbeitender jüdischer Praktikant beim Avancement übergangen wurde, sich beim Gerichtspräsidium beschwerte, erhielt er folgende Antwort: „Wissen Sie denn nicht, daß es sich nicht um die Person, sondern ums Prinzip handelt?" — Dr. Wasser erzählte, daß man einem jüdischen Juristen seine Eingabe ablehnend zurückstellte, mit dem Vermerk: „Alles in Ordnung, aber ein Jude." Diese Randbemerkung war mit Bleistift gemacht worden, und man hatte vergeffen, sie auszuradiren. Landtagsabgeordneter Dr. Löwenstein hob hervor, daß das in Frage stehende Thema von prinzipieller Bedeutung fei, denn die Staatsgrundgesetze gewährleisten jedem Bürger das Recht, jedes öffentliche Amt zu bekleiden. Für die Juden, im Allgemeinen ist die Angelegenheit eine moralische, und für die inleressirten Individuen eine materielle. Redner versuchtes zu entschuldigen, warum die jüdischen Abgeordneten aus Galizien die Interpellation Tittingers betreff der Hintansetzung der Juden lm Gerichtsdienste nicht mitunterfertigt haben. Das sei deßhalb geschehen, weil der Interpellant die Verhältnisse in der Bukowina rügte, die also mit denen Galiziens in keinem unmittelbaren Contacte stehen. Dr. Löwenstein hätte sich diese fadenscheinige Ausrede ersparen können. Warum sind Abgeordnete aus Wien u. s. w. die überdies Christen sind, der Interpellation beigetreten? Dr. L. gehört aber auch zur herrschenden Clique, und diese muß bekanntlich die Ordres de» reichsräthlichen Polenklubs pariren. Am Juristentag trat auch eine große Unzufriedenheit mit der Thätigkeit resp. Unthätigkeit der jüdischen Deputirten aus Galizien in die Erscheinung, und das mit Fug und Recht. Schließlich wurde folgender Antrag zum Be» Muffe erhoben : „Der jüdische Juriftentag protestirk gegen die Präterirung von jüdischen Gerichtspraktikanten bei Ernennungen, beschließt, eine entsprechende Petition ans Parlament zu richten, und wenn diese resultatlos bleiben sollte, beim Ministerpräsidenten und Justizminister ein Memorandum zu überreichen; beschließt eine aus 11 Mitgliedern bestehende Commission zu wählen, die das Material sammeln wird, um behufs Wahrung der Staatsgrundgesetze jede bei Ernennungen erfolgte Gesetzesverletzung, den jüdischen und üuch anderen vorurtheilslosen Abgeordneten zur Kenntniß

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