Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 53 (5.7.1897)
- Date
- 1897-07-05
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1043 rung bietet. Coll. Go lds chmid—Geisa referirt über Lehrprobe in sachlicher Weise; die Ausführungen desselben finden ungetheilten Beifall. An der weiteren Debatte über diesen Gegenstand betheiligten sich noch die Herren Dr. Spanier, Heilbronn, Dr. Salzer, Mock—Mühlhausen in Th. Steinhardt, Som merfeld—Chemnitz, Horwitz— Dessau, Ste rn—Schönebeck. Hof mann—Meiningen Im Anschluß an die Debatte schlägt Steinhardt als Vortragsthema für die nächste Konferenz „Methodik des bibl. Geschichtsunterrichts" vor. Als Referent wird aus Vorschlag des Coll. H o f m a n n—Meiningen, der Coll. Mühlfelder Hildburghausen, welcher sich zur Uebernahme eines Referats bezw. einer praktischen Lehrübung erboten hat, in Aussicht genommen, Nach einer kurzen Pause erhielt Coll. R öt hler— Gotha das Wort zu seinem Vortrage: „Der Gesinnungsun» terricht in den ersten Schuljahren." Gute Gesinnungen, so etwa führte der Referent u. a. aus, sind der werthvollste Schatz, den die Eltern ihren Kindern zu geben vermögen; sittlich-religiöse Gesinnungen zu wecken und zu festigen, sei auch das höchste Ziel des Religionsunterricht. Der Religionsunterricht habe ein doppeltes Ziel: 1. die Unterweisung der Kinder in der Religion und 2. die Bildung des Herzrns für jüd. Gesinnung und jüdisches Leben. Gesinnungsbildung sei der Mittelpunkt und das Ziel aller Erziehungstbätigkeit das Fundament wahrer Gesinnungsbildung über die Gottesertenntniß. Unter den Unterrichtsgegenständen der Schule bringe vornehmlich die biblische Geschichte die Gesinnungsverhältnissc zur Darstellnng. Daher soll der Unterricht in dieser Disciplin im weiteren Sinne zugleich Gesinnungsunterrickt sein und als solcher die Veredlung der Gesinnungen erstreben. Doch nur ein guter Unterricht kann ein solches Siel erreichen. Daher kommt es vor allem auf die rechte Auswahl des Stoffes und die methodische Behandlung desselben an. Als Hilfsmittel für den biblischen Geschichtsunterricht empfiehlt Referent die Darbietung geeigneter Erzählungen aus Talmud und Midrasch. Der allgemein fesselnde Vortrag wurde mit größten: Beifall aufgenommen und erntete der Vortragende reiche Anerkennung, welcher der Vorsitzende, Herr Dr. Salzer Ausdruck gibt. Darauf wird die Debatte über den Vortrag eröffnet, welche längere Zeit andauert und sich sehr lebhaft gestaltet. Zn derselben werden verschiedene wichtige Unterrichtsfragen erörtert. Im Verlaufe der Debatte wird auch die sogenannte Bibelfrage gestreift und dabei den Lehren: angelegentlichst das Lesen in der Bibel, den Kindern dagegen die Auerbach'sche Schulbibel empfohlen. Die Herren Dr. Salzer und G o l d s ch m i d t—Geisa theilen interessante, auf das Referat bezügliche Erinnerungen aus ihrer Schulpraris mit. Die Debatte wird alsdann geschlossen. Als Konferenzort für das nächste Jahr werden Magdeburg bezw. Eisenach vorgeschlagen; ein endgültiger Beschluß in dieser Hinsicht ist jedoch aus mancherlei Gründen erst im nächsten Halbjahre möglich. Referate übernehmen die Herren Mühlfeldcr— Hildburghauseu, Horvi tz—Dessau (Fibelfrage) Steinhardt—Magdeburg und Dr. Salzer. Nunmehr referirt Coll. Steinhardt über das Verbandsthema. Redner | führte aus, daß unser Verein das in Frage stehende Thema im vergangenen Jahre in derart erschöpfender Weise behandelt habe, daß er Neues darüber nicht vorzubringen vermöge. Die Mittel und Wege, die er zur Herbeiführung der definitiven Anstellung empfohlen, hüttm auch eine weitgehende Beachtung der betheiligten Kreise gefunden, und wenn er irgendwie noch im Zweifel darüber gewesen, daß unser Standpunkt der richtige sei, so hätten ihn die giftgeschwollenen Auslastungen eines Anonymus im „Mainzer Israelit" von der Richtigkeit überzeugt*) Es gäbe ebenso manche Kreise, denen ein freier, in sich geschlossener, unabhän giger Lehrerstand ein Dorn im Auge sei. Leider spielten diese noch immer in manchen Vereinen eine leitende Rolle, es fet an der Zeit, daß die jüdischen Lehreroereine sich von den: Einflüsse solcher Herren, deren Bestrebungen dem wahren Interesse der Lehrerschaft diamentral cntgegenständen, endgültig befreiten. Redner schlägt nun folgende Resolution vor, welche die Zustirnmung der Versammlung findet. „Der Verein israel. Lehrer Mitteldeutschlands empfiehlt dem Vorstande des Verbandes die weitere Berücksichtigung der von ihm im vorigen Jabre gestellten Anträge." Bezüglich der zweiten Frage, die Errichtung einer Wittwen- und Waisenkaste betreffend, führt Reoner aus, daß diese Frage noch nicht spruchreif sei, man muffe erst das Ergehnis der Statistik, welche der Vorstand des Verbandes veranlaßt habe, abwarten. Soll eine solche Kaffe nachhaltig wirken, so muffe ste in absehbarer Zeit an Unterstützungen jährlich, nach ungefährer Berechnung, ca. */4 Million Mark aufbringen. Um jemals zu einer solchen Resultate zu gelangen, wäre ein Grundfond von mindesten einer Million nöthig, die Lehrer sollten jährlich 10—20 Mark, die Gemeinde 2% der Gehälter an die Kaste zahlen. Dieselbe dürfe aber keineswegs nur eine Wittwen- und Waisenkaffe sein, sondern müsse in erster Linie den Ansprüchen dienstunfähig gewordener Lehrer gerecht werden. Eine Vereinigung aller bereits vorhandenen Kaffen, zum Mindesten ein Handinhandgehen mit venselben, mäste erstrebt werden, um etwaige Ansprüche, welchen bestehende Kasten genügen müßten, mit übernehmen zu können, soll der Verband nach dem Inkrafttreten des neuen bürgerlichen Gesetzbuches KorporationSrechte erwerben. Bestimmte Anträge behalt Redner sich zur nächstjährigen Versammlung vor: bis dahin könne er seinen Ausführungen hoffentlich die Frageliste des statistischen Berichtes zu Grunde legen. Reicher Beifall folgte dem fesselnden wohldurchdachten Referate des bewährten VerbandSdelegirten des Vereines. Außerdem kleidet Horovitz — Dessau den Dank der Anwesenden in herzliche Worte. Ueber einzelne Punkte des Referats entsteht eine zum Theil erregte Debatte, an welcher sich besonders die Kollegen Horovitz, Maier in Eisenach, Heilbronn betheiligen, die ihre Ansichten über eine beschleunigte Gründung der Kaffe sowie die Mittel zur Erreichung derselben zum Ausdruck bringen Rach einem Schlußworte des Referenten jedoch, in welchem er die Kollegen vor übereilten Schritten warnt und sie bittet, *) Od die Herren in ihren Anslassungen weniger „giftig" waren, mallen wir dahin gestellt sein lassen, das; man aber auch dem Gegner das Wart gannen muß. diese Anstandsregil scheint dem Herrn Res. fremd zu sein. Red.