Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1897-07-05 · Heft 53 (5.7.1897) · page 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 53 (5.7.1897)
Date
1897-07-05
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448705-2448755--44189-2493272
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1042 direktoren Karl Schmidt, Friederich Dillesund Karl Kehr gewirkt haben. Diese berühmten Schulmänner suchten durch Wort und Schrift die Pädagogik von engherzigen confessionellen Fesseln zu lösen und betonten den allgemein menschlichen Standpunkt als den allein naturgemäßen. Redner wies darauf hin, daß den jüd. Schulen der Kampf erspart geblieben, der durch die Parole: „Hie Kirche, hie Schule" heraufbeschworen worden ist, der noch immer tobt und nicht zum Heile der Entwickelung der Schule. Scharf betonte der Referent, bei allen Unterrichtsgegenständen, auch dem Religionsunterrichte, müßten vor allem pädagogische Grundsätze maßgebend sein. Er ging dann näher auf das im vorigen Jahre bei K ö b n e r—Breslau erschienene Werk Dr. M a n b a u m 's: Methodik des süd. Religionsunterrichts ein, indem er dasselbe allseitiger Beachtung und Würdigung empfahl und es als das erste in feiner Art hinstcllte. Nachdem Herr Dr. Spanier das Werk zergliederte, nahm er Veranlassung in einigen Purkien gegen den Verfasser zu polemisieren. Im Gegensatz zu M a v b a u m oertheidigt er die kateche tische Lehrmethode, die von der neueren Pädagogik nicht als „das reine Frage« und Antwonspiel" aufgefaßt wurde, auch die sokratische s>i aus dem Religionsunterrichte nicht zu bannen und ebenso dürften beim bibl. GeschichUunlerricht die conzentri'chen Kreise nicht pure abgewiesen werden, zumal die kulturhistorischen Stufen der Herbert-ZiUeischen Schule nicht an deren Stelle gesetzt werden könnken. Redner protestirt dann gegen MaybaumS Forderung in Bezug auf den Lehrstoff sich nur von der religiösen Ueberzeugurg, die der Lehrer beim Amtsantritte „wahrheitsgetreu" den Gemeinde-Behörden darmlegen habe, leiten zu lassen. In sein Referat verwebt der Redner Charakteristik der weiteren im vergangenen Jahre erschienenen Schulbücher: Urbild und Ebenbild, Lehrbuch für den Unterricht in der iSrael. Religion von Dr. Goldfchmidl—Offenbach (Selbstverlag), dessen Leitfaden für Schule und Haus nach den Grundsätzen der Herbert-Zille, schen „Interesse-Bildung". Kozir b’rinoh: daS Gebet ü b ersetzen als Gebetunterricht, ferner M. Plauts Bibl. Geschichten, für die israel. Kleinen erzählt (Frank furt a. M. Kaufmann). Zum Schlüsse stellt Dr. Spanier in Anlehnung an das Kapitel der Maybaumifchen Methodik. „Der Religionslehrer" die unabweisbare Forderung hin, daß der Lehrer unablässig an seiner Foi tbildung arbeiten und ganz besonders das reiche Gebiet seiner BerusSwissenschaft, der Pädagogik, Psychologie und Ethik cultivieren müsse, damit er, im Amte ergraut, nicht über eine seminaristische Bildung, d. h. den Bildungsgrad eines Seminaristen verfüge. — Die Bers ammlung folgte diesen, hiermit in kurzen Worten etwa wiedergegebenen gediegenen Ausführungen mit gespanntester Aufmerksamkeit und spendete dem Referenten reichen Beifall für seinen gedankenvolle reiche Anregung bietenden Vortrag. Außerdem spricht der hochlöbl. Vorsitzende in lobenden Worten dem Vortragenden den Dank des Vereins aus. An den Bonrag schließt sich eine lebhafte Debatte, an welcher sich besonders die Herren Heilbronn, Dr. Salzer und Steinhardt detheiligten. Heilbronn wünscht vor allem praktische Melhodenbücher für den jüd. Lehrer, die denrselben zeigen sollen, w i e unterrichtet werden soll. ES empfehle sich die Umarbeitung eines anerkannten erschienenen Werkes in jüd. Sinne. Er betrachtet «s als eine Hauptaufgabe des Verbandes, die Lösung dieser Frage in die Hand zu nehmen und hofft daß ein entsprechendes Thema demnächst auf einem Berbandstagr erörtert werden möchte. WünschenSwerth wäre auch eine päda« gogische jüd. Zeitschrift. Steinhardt glaubt, in Uebereinstimmung mit der gelammten jüd. Lehrerschaft daS Werk MaybaumS mit Freuden begrüßen zu dürfen. ES sei ein Erstlingswerk auf diesem Gebiete, eine Anregung, die weiter auSgebaut zu werden berufen se>. Dazu wären aber in erster Reihe die jüd. Seminardirektoren verpflichtet. Redner betont dabei, daß eS leider der jüd. Lehrerschaft noch immer an einer geeigneten pädagogischen Führung fehle. ES sei zu bedauern, daß die jüd. Lehrer-Seminare immer mehr sich zu VersorgungSanstalten für jüngere, stellenlose Theologen gestalteten. — Nach einem Schlußworte des Referenten wird die Debatte geschloffen und in die Besprechung verschiedener intimer Vereinsangelegenheiten eingetrrten. Aus derselben ist hei vorzuheben, daß zwecks Propaganda für die Bereinssache, Vertrauensmänner in einzelnen LandeStheilen ernannt werden. Die hierzu Gewählten nahmen die Wahl an. Da Weiteres nicht vorlicgt, schließt der Vorsitzende 8 Uhr Abends die Versammlung. (NB. Herr Dr. Spanier bittet mich, im Anschlüsse an die Besprechung seines Referates mitzutheilen, daß er bei seiner Rückker von der Konferenz eine Anzahl von Exemplaren einzelner Nummern deS von E. Flander herausgegebenen »Israel. Jugendfreund" sowie die ersten drei Bände der von demselben gegründeten „Israel. Jugendbibliorhtk": Der TaliSmann von Scherbe!, Horeb v. Jacobsohn, David Jonathan und der Hauptman« v. I. Herzberg vorgefunden habe, so daß er nur an dieser Strlle auf daS verdienstliche Unternehmen FlanterS empfehlend Hinweisen kann.) Das Schreiben der Buchhandlung M. W. Kaufmann Nachslg. Leipzig wird durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. II. Sitzung am 27. Mai '/ri) Uhr. Tagesordnung.' I. Lehrprobe: Der Sündenfall (Franke—Halle). 2. Vortrag: Der Gesinnurigsunterricht in den ersten Schuljahren (Röt hl er—Gotha). Verbandsthema : 'Nochmals die Frage der definitiven Anstellung sämmtlicher jüd. Lehrer und: Wie soll sich die Wittwen und Waisenkasse des Verbands der jüd. Lehrervereine gestalten. (S t e i n h a r d t—Magdeburg.) Die Konserenzbesucher versammeln sich im Sitzungszimmer, woselbst die Gothaer jüd. Schuljugend bereits anwesend ist. Va9 Uhr beginnt die Lehrprobe, welcher die Versammlung mit größtem Interesse folgt, Nach Beendigung der Lektion wird in die Tagesordnung eingetreten. Steinhardt—Magdeburg übernimmt den Vorsitz und spricht dem Eollegen Frank den Dank des Vereins aus für die Lehrprobe als einen der wichtigsten Punkte auf der Tagesordnung der Konferenz, und soll solches für die Zukunft im Auge behalten werden. Es wirb sodann in eine Besprechung der Lebrprobe eingetreten, die den Mitgliedern reiche Beleh-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.