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Der Israelit · 1897-07-05 · Heft 53 (5.7.1897) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 53 (5.7.1897)
Date
1897-07-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1036 fiel in sein früheres dumpfos Hinbrüteik, und ru seinen noch um einen Ton bleicheren Mienen malte .sich, wie es schien, noch größerer Seelenschmerz. Der Rabbi spähte durch die Zweige der Bäume, und als er zwischen denselben ein Frauengewand und eine goldgestickte Uniform erkannt hatte, ging ein Leuchten der Glückseligkeit durch seinen Blick, und seine Stimme zitterte in verhaltener Erregung, als er sich mit der erneuten Frage an Alfred wandte: „Und an Deine Eltern dachtest Du nicht?" „An meine Eltern?" brach es wie ein verzweiflungsvolles Wimmern von den farblosen Lippen des Knaben, er preßte die Hände ans Vas Herz und schluchzte laut aus. „Meine Eltern! ... Ich habe keine Eltern, sie . . . ." Warum stockte der Knabe? Warum wird sein Blick starrer, immer starrer und bohrt sich in das Laub der Zweige da drüben. . . „Mutter," so gellt es in wildem Jubelschrei durch die Luft. Der Knabe brach ohnmächtig in den Armen der Mutter zusammen, die ihn an ihr Herz preßte und sein Antlitz mit tausend Küssen bedeckte. * Jahre sind verflossen. Schwarze Regenwolken hängen schwer am Himmel und geben der öden Landschaft ein noch düstereres Gepräge. Der Herbststurm pfeift über die Stoppeln der Felder sein trauriges Lied; nun fegt er über die Landstraße und treibt wirbelnd eine Staubwolke aus, unter der für Augenblicke die Gesellschaft verschwindet, welche soeben von der Straße abzweigt und den Fußpfad nach dem jüdischen Friedhose einschlägt. Voran schreitet die ehrwürdige Gestalt eines hochbetagten Greises, der sich auf den Arm eines schlankgewachsenen Mannes stützt, dessen ritterliche Haltung vergessen machte, daß er die Grenze der Sechszig bereits überschritten hat. Ihm zur Rechten geht eine ältere Dame, deren feine Züge die Spuren einstiger Schönheit bewahrt haben. Wortlos schreiten sie dahin, vollauf beschäftigt mit den Erinnerungen, die in ihnen lebendig werden. Um so lebhafter ist die Jugend hinter ihnen, zwei Paare, in denen man sofort junge Eheleute, Braut und Bräutigam erkennt. Aber nun verstummen auch sie, denn eben hat sich die Thür des Friedhofs hinter ihnen geschloffen. Sie folgen den Aelteren, welche zwischen den Gräberreihen hindurchschritten und aufmerksam die halbverwitterten Denksteine betrachten. Endlich mochten sie gefunden haben, was sie suchten; sie blieben vor einem Grabhügel stehen, zu dessen Häupten ein schmuckloser Stein anzeigte, wer hier den ewigen Schlaf schlief. Tiefe Wehmuth lagerte sich auf das Antlitz der Anwesenden, und für Augenblicke bannten die Empfindungen des Herzens jedes Wort von den Lippen. „Sieh', Sergei", brach endlich die ältere Dame mit thrünknerstickter Stimme das Schweigen. „Hier ruht unser treuester Freund, unser größter Wohlthäter Der Andere nickte stumm, und eine Thräne rollte seine Wange hiuab. „Er war mir ein liebender Vater," sagte der junge Mann zu seiner Begleiterin. „Ach liebe Pua, wie groß war der Adel seiner Gesinnung! Wenn ich ihm nur ähnlich werden könnte!" „Du hast sein edles, gutes Herz, mein Alfred," flüsterte das junge Mädchen und preßte seinen Arm fester an sich. „Er war auch unser Wohlthäter, liebe Edith," begann nun der andere der jungen Männer. „Ohne ihn hätten auch wir unser Glück nimmer gefunden!" Wir haben nicht nöthig, erst zu sagen, wer die Besucher des Friedhofes waren. General Graf Leonijew hatte den Dienst guittirt, lebte unter seinem früheren Namen Feilchenduft als einfacher Rentier in London und verwandte im Verein mit Rellv seinen Reichthum zu den Werken edelster Wohlthätig keit, vorwiegend dazu, den Missionären ihre Opfer zu entreißen. Sie sonnen sich im Glücke ihrer Kinder. Edith hatte vor mehreren Jahren schon ihre Hand dem Doctor Frankenheim zum ewigen Bunde gereicht, und gestern feierten Pua und Alfred ihre Verlobung. Vor einigen Wochen trafen die Verwandten mit dem Rabbiner Feilchenduft zusammen, der, ein treuer Hirt seiner Gemeinde, nicht dazrl zu bestimmen war, seinen Angehörigen in die neue Heimath zu folgen. Am Morgen der Verlobung besuchten sie das Grab des ermordeten Lötvenstein. — „Friede Deiner Asche!" sprach der Rabbi bewegt, „Ruhe sanft, Heimathloser." — Du warst ge treu bis in den Tod! "_ Letzte Nachrichten. London, 1. Juli.' Der Vorstand der hiesigen Hauptsynagoge (Duke’s Place SvnaL'OL'iW) Herr Abraham Rosen seid hat sein Amt, das er seit 16 Jahren verwaltete, nredergelcgt. Die Veranlassung dazu mar, daß ihn der Chief Rabbi, Dr. Adler, wegen der Choralgesänge, bei denen Damen gegen den Willen des Chief Rabbi's (während des Jubiläums-Gottesdienstes) mitwirkten, scharf tadelte und so gar beleidigende Worte gegen ihn, weil er dieses gesetzeswidrige Arrangement traf, geäußert haben soll._ Zuruckgeseizte Stoffe im Ausverkauf. 7 Meter Waschstoff, waschächt zum ganzen Kleid für M Pfg. 6 „ soliden Stoff . . . . „ „ „ „ „ a.-to „ 6 ,, Sommer-Nouveaute, doppelbr. „ ,, „ „ H. „ 6 „ Alpaka, doppelbreit. . „ „ „ „ i.bO ,, T ,, Mousseline lalne. gar. reine Wolle ,, ,, ,, 4.55 ,, Ausserordentl. Gelegenheitskäufe in modernsten Wült- U. 'WuSCÜStOffeD, - zu extra reduzlrten Preisen - ■ - ■■■ versenden in einzelnen Metern franco in's Haus. Muster auf Verlangen franco. — Modebilder gratis. 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