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Der Israelit · 1897-07-01 · Heft 52 (1.7.1897) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 52 (1.7.1897)
Date
1897-07-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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m WWW '’flS'Ti**-. ''^7,^1' '- --* . .. 'V ' 1007 deutlich, in welcher Liebe und Achtung der greise Julius Joseph bei Allen gestanden. Auch viele Auswärtige waren erschienen, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Herr Gemeinderabbiner Dr. Lew in verstand es in vortresflicher Weise die humanen Verdienste des Dahingeschiedenen, namentlich als ältestes Mitglied der Chebra Kadischa zu würdigen. Den Einwohnern Wreschen'S wird der im Grabe Ruhende lange in Erinnerung bleiben. H. Wolfs, Lehrer. OerichtSzeilurrg Leipzig. Das Reichsgericht hat vor einiger Zeit entschieden, daß im ganzen Umfang der Provinz Hannover und im ganzen Umfange des Königreichs Württemberg das jüdisch,: Ehescheidungsrccht zu denjenigen Gesetzen gehört, aus deren Verletzung gemäß $ 511 der Reichscivilprozeßordnung und 8 1 der Kaiserlichen Verordnung vom 28. September 1879 betreffend die Begründung der Revision in bürgerlichen Rcchtsstreitigkeiren das Rechrsmittel der Revision gestützt werden kann. vermischtes. Mainz, 36. Juni. Heute wurde Herr Josef Ellinger im Alter von 90 Jahren zu Grabe getragen. Mit ihm schied der letzte der Söhne des einstigen Mainzer Rabbiners Rabbi Lob Ellinger Frankfurt a. M. Das Pflegamt der Versorgung?- anstait für Israeliten gicbt einen Bericht für die Jahre ]891/96 heraus. Danach hat die 1844 gegründete Anstalt in den abgelausenen sechs Jahren ihren Betrieb wieder erheblich ausgedehnt. Die Bilanz stieg in den Ausgaben für Haushalt, Sold, Heizung. Kleidung, Steuer Reparaturen :c. von Mk 7905 im Jahre 1889 auf Mk. 17,477 im Jahre 1896 Das Pflegamt wiederholt daher seine Bitte um milde Beiträge London- Der Ober-Rabbiner von England Dr. Adler, ist jüngst in Birmingham gegen den Wucher ausgetreten. Er verlangte daß alle Glaubensgenossen, die sich mit dem Verleihen von ©eibcrn zu Wucherzinsen befaßten, von dem Besuch der Synagogen durch Gemeindebcschluß ausgeschlossen werden sollen. Feuilleton. Getreu bis in den Tod. 33) Von Maurice Ma?on In düstere Träume verloren saß Alfred am Ufer des Baches, der sich in zierlichen Windungen durch den Garten schlängelte. Heute zum ersten Male hatte ihm August gestattet, das Krankenzimmer zu verlassen und aus Pna's Arm gestützt, in den warmen Mittagsstunden das Freie aufzusuchen. Wochenlang hatte der Knabe zwischen Tod und Leben geschwebt, raste er in wilden Fieberphantasien, gegen die sich alle Heilmittel des gleichfalls sehr besorgten August machtlos erwiesen, bis endlich unter sorgsamer Pflege die siegreiche Kraft seines jugendlichen Körpers die Schrecken der Krankheit überwand und die Gefahr gebannt war. Fast vierzehn Tage waren verstrichen, seitdem August den schier verzweifelnden Eltern diese heißersehnte Kunde gebracht, mehr als acht Tage, seitdem der Kranke das Bett verlassen hatte, aber trotzdem waren die Spuren der überstandenen Leiden noch nicht gemildert, ja fast schien es, als ob sein Aussehen sich verschlimmert habe. Fahle Blässe bedeckte sein abgezehrtes Antlitz, von dem sich die tiefschwarzen, theilnahmlos in's Leere starrenden Augen um so düsterer abhoben; seine früher kräftige Gestalt war fast zu einem Schatten zusammengeschrumpst, und die wankenden Kniee versagten noch immer den Dienst. August hatte gehofft, daß, nachdem die Macht des Fiebers gebrochen war, die Erholung eine schnellere sein würde, aber mit dem tiefer schauenden Blicke des Arztes erkannte er, was in dem Knaben vorging, daß unter den psychischen Stürmen, die in ihm tobten, auch sein körperliches Befinden sich nicht bessern konnte, und daß so schleunig als möglich Ruhe einziehen müsse in sein wildbewegtes Gemüth, wenn nicht ein langsames Siechthum den letzten Rest seiner Kräfte verzehren sollte. In der That waren mit dem neuerwachenden Bewußtsein die Bilder der Vergangenheit in Alfred wieder lebendig geworden und nicht mehr aus seinem Denken gewichen; bald durchschauerte ihn die Erinnerung an die grauenhaft entsetzensreiche Stunde, in der ein scheußlicher Mord ihm den Pflegevater geraubt, und wenn er für Augenblicke Trost fand in dem Gedanken, daß der Edle, Heißgeliebte ja erlöst sei von einem Leben voller Sorge und Qual und in einer besseren Welt den Lohn finde, der allen Jammer eines freudlosen Erdendaseins tausendfach aufwiegt, dann überkam ihn das Bewußtsein seiner eigenen Vereinsamung und schnürte ihm das gramzerwühlte Herz zusammen in rasendem Weh. . . . Das Tagebuch des Pflegevaters hatte ihm Antwort gegeben auf alle die Fragen, die seit dem Erwachen seines Bewußtseins ihn fast ausschließlich beschäftigt hatten; aber nun, da der Schleier gelüftet war, graute ihm vor dem Bilde, das seinen entsetzten Blicken sich offenbarte. Was frommte es ihm, daß er erfuhr, wer seine Eltern gewesen, da eine nimmer überbrückbare Kluft sie von ihrem Kinde schied? Wurden nicht die Qualen des Zweifels, der Ungewißheit, die ehedem seine Lebensfrende vergifteten, tausendfach überboten von dem Jammer dieser Enthüllung, die ihn für immer vom Herzen des Vaters, der Mutter verbanntes ... Es war ein harter Kampf, in dem er entscheiden sollte, zwischen Liebe und Pflicht; folgte erzenes, so winkte ihm an der Seite der Eltern M .,Äben voller Freuden und Wonnen, beugte er sich dieser, so war er hinausgestoßen in ein ödes, vereinsamtes Dasein. Aber schon als er das Vermächtniß der Pflegevaters

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