Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1897-06-28 · Heft 51 (28.6.1897) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 51 (28.6.1897)
Date
1897-06-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448705-2448753--44136-2493217
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

° f»T*?ie$rw7zwi2&#z't 1 991 Gerichtszeitung. München. 11. Juni. Eine prinzipiell-wichtige Entscheidung, welche heutzutage, wo allenthalben die kleineren jüdischen Gemeinden von der Gefahr der Auflösung und Aufsaugung durch die Großgemeinden bedroht sind, allgcmeingiltigen Werth erlangen kann, hat dieser Tage bas Kgl. Verwaltungsgericht gefällt. Der verstorbene Handelsmann Moses Maier non Altenstein hatte s. Zt. der inzwischen aufgelösten dortigen israrl. Gemeinde ein Hypothekenkapital von 4 500 Mk. testamentarisch vermacht. Als ehemaliges Mitglied der Gemeinde hatte nunmehr die Frau I. Rosenberg in Altenstein den Antrag auf Rechnunglegung über dieses Kapital bei dem Bezirksamt Ebern, wo dasselbe asservirt wird, gestellt. Dieses Verlangen wurde sowohl von dem Bezirksamt, als auch von der unterfränkischen Kreisregierung abgewiesen, und jetzt hat das Verwaltungsgericht diesen Entscheid bestätigt Feuilleton. Me Kriezrges-Wtk Des «Iten Mische Gers«». Nacherzählt von Arnold Mann. 2) Dina lauschte mit verhaltenem Athem der Nachricht des Vaters. Elias Friedmann in Deutschland! Und sie würde ihn sehen! Wie die niegeahnte Erfüllung eines traulichen Kindermärchens muthete es sie an! Hatte sie doch seit früher Jugend von diesem amerikanischen Vetter erzählen hören. Wie er, nachdem er als Freiwilliger seinen Militärdienst absolviert, zu 20 Jahren auswanderte; wie er Glück hatte im neuen Lande, und schon nach wenigen Jahren erster Geschäftsführer in dem Hause ward, in welches er eingetreten war, und dann Theilhaber! Wie er seinen Vater, der oft und lange kränklich war, mit Geschenken erfreute, mit erfrischenden Getränken und stärkenden Früchten, die er ihm in Deutschland bestellte und zusenden ließ, als könne er aus der Ferne das Leiden des Vaters hemmen! Elias Friedmann war ja seit je für Dina das Urbild der Güte — — dunkel entsann sie sich, wie er vor seiner Abreise nach Amerika in H. gewesen war, um Abschied zu nehmen, und wie er sie, das zehnjährige Kind, zärtlich geküßt und geliebkost hatte! Und er, er ist nun in ihrer Nähe und er, er sollte — —? Dina wagte den Gedanken nicht auszudenken, daß Elias Friedmann ihr zum Gemahl bestimmt sei. Der Gedanke berauschte sie förmlich! Ihre erste Frage an den Vater aber mußte sich naturgemäß darauf beziehen, wieso der Vater dies Alles wisse. „Woher weißt Du das?" fragte sie leise. „Von ihm selbst," erwiederte Rosenstock. „Als ich vor Kurzem in K. gewesen bin, der Erbschaft halber, die ich doch zu ordnen hatte, da ja der einzige^Sohn in Amerika sein sollte, wer tritt mir aus der Schwelle des Friedmann'schen Hauses entgegen? Elias! Du kannst Dir mein Erstaunen vorstellen! Bald hatte er mir die Gründe seiner Ankunft erzählt! Wie ein Blitz fuhr mir der Gedanke durch den Kopf! Elias ist der einzig taugliche Mann für Dina!" „Und hast Du," fragte Dina, „ihm gegenüber diesen Gedanken auch laut werden lassen?" „Nicht direkt, und wohl auch nicht so deutlich, daß er es gemerkt haben könnte! Er gab mir die Absicht kund, nunmehr in Deutschland, an der Stätte seiner Heimath zu bleiben. Auf meine Frage, was er dann nun hier beginnen wolle, da doch das Geschäft seines Vaters, der Hopfenhandel, so gar nicht seinen Neigungen entspreche, erwiederte er, einen bestimmten Entschluß habe er noch nicht gefaßt; er fühle vorläufig nur soviel, daß er sich nicht wieder von der heimathlichen Erde trennen könne. Ohnehin habe es ihm, der ja treu an der Religion seiner Väter hange, jenseits des Meeres in vielen Beziehungen nicht behagt Ein Weg werde sich schon finden. Nun, und da lud ich ihn ein, sich doch einmal meine Wirthschaft anzusehen. Er nahm meine Einladung an, nicht ohne auch nach Dir gefragt zu haben, und morgen — am Sonntag — liebes Kind, kommt er!" Dina war aufgeftanden. „Es ist Essenszeit", sagte sie, „laß uns nach Hause gehen!" Unter den Strahlen der Maisonne, wie sie hinaufgestiegen, kehrten die Beiden auch wieder zurück von der Liebertsruhe, stumm gingen sie nebeneinander her, jeder mit seinen Gedanken beschäftigt, der Vater zufrieden vor sich hinnickend, in der Gewißheit, das Eheglück seines Kindes fest begründet zu haben, Dina in ahnungsvoller Erwartung der Dinge, die da kommen sollten, das Herz geschwellt von einer unnennbaren Sehnsucht und doch auch wieder von einer bangen Furcht bewegt, von der sie sich keine Rechenschaft zu geben wußte In dieser Stimmung verlief den Beiden auch der Sabbat und harrten sie dem bedeutungsschweren Sonntag entgegen. Es war zehn Uhr Morgens, als der Zug, mit welchem Elias Friedmann eintreffen mußte, in den kleinen Bahnhof von H. einlief. Der alte Rosenftock stand auf dem Perron und winkte Elias, der am Coupeefenster stand, schon von weitem zu. Elias war von Rosenstocks Freude förmlich gerührt. Onkel David war ja auch nur noch der einzige nähere Anverwandte, den er besaß. Und er war wie ein Vater zu ihm, so voll zärtlichen Wohlwollens, daß Elias von seiner Trauer, die sonst sein ganzes Wesen erfüllte, auf Stunden völlig abgelenkt ward. Rosenstocks zarte Hand strich glättend über die Falten der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.