Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 51 (28.6.1897)
- Date
- 1897-06-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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M Si. XXXTtFt. Jahrgang. Der Israelit. Ein Aentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr ITefpmsutu in ANttinz Motttag, de« 28. Attttt 5657 (1887). Da mit dem 1. Juli 1897 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1897 eingetragen unter Nr. 3605. Neu eintretende Abonnenten (Postabonnenten gegen Vorlage der Postquittung) erhalten unser Blatt bis Ende Juni gratis. Leitender Artikel. Iudenkrawalle in Galizien. Wir haben es unter dem Regime Badeni weit gebracht. In kurzen Intervallen erfolgen Judenexcefse, nach Chodorow—Schodnica und die Greuelthaten am letzteren Orte haben noch die vorangegangenen an Bestialität übertroffen. In Schodnica wurde gemordet, geraubt, geplündert, Feuer angelegt und — geschändet. Die Naphtagrubenarbeiter haben wie wilde Horden gehaust, selbst Säuglinge nicht verschont, und die Bestien in Menschengestalt können selbst die fadenscheinige Entschuldigung von der „jüdischen Ausbeutung" nicht anführen, da selbst die antisemitischen Blätter gestehen, daß in Schodnica von einer solchen nicht die Rede ist. Eigenthümlich ist, daß beide Judenhetzen, die in Chodorow und Schodnica, also in Galizien stattfanden, nicht von der einheimischen ruthenischen Bevölkerung, sondern von polnischen, aus Weftgalizien eingewanderten Elementen; in Chodorow von den bei einem Bahnbau beschäftigten Taglöhnern, in Schodnica von westpolnischen, in den Naphtagruben angeftellten Arbeitern, die dort „Masuren" genannt werden, inscenirt wurden. Wer die galizische Presse kennt, weiß, daß ihre Berichte über die Vorgänge tendenziös entstellt werden, handelt es sich doch nur um die Juden! Nur das in Krakau erscheinende Tageblatt „Dziennik Krakowski" das theilweise auch von Juden redigirt wird, verdreht nicht die scheußlichen Thatsachen und die von dieser Zeitung nach dem Orte entsendeten Specialberichterstatter schilderten in der jüngsten Mmmer die Vorfälle objectiv und wollen wir die wesentlichen Stellen der Berichte in deutscher Uebersetzung reproduciren: Die einzige Gasse des Städtchens wird beinahe ausschließlich von Juden bewohnt, die hier ihre Gewölbe und Schänken haben. Hier spielte sich am zweiten Pfingftfeiertage der Hauptakt des judenfeindlichen Dramas ab. An Stelle der Fenster sieht man allenthalben nur Bretter und Fetzen. Den Juden zittert noch die ausgestandene Angst in allen Gliedern nach. Aber die jetzt patrouillirenden Gendarmen und Linienfoldaten beruhigen sie einigermaßen. Der Postenführer Knczera erzählt mir alle Geschehnisse auf Grund persönlicher Wahrnehmungen. Die Schilderungen des Commandeurs der Ortspolizei, des Gemeindesekretärs stimmen mit überein. Diese und die Aussagen des Ortspfarrers und zahlreicher Augenzeugen bilden die Basis des folgenden Thatbestandes: Die westgalizischen Arbeiter, die Masuren, die in Westgalizien Arbeit finden, sind ob ihres Judenhasses allgemein bekannt. Beispiele ihres gewaltthätigen Vorgehens, Inden gegenüber, ereignen sich oft. Sie sind eben händelsüchtig, Krakehler und als stuktuirende Masse, die kein stabiles Heim hat, haben sie alle Mängel einer nomadisirenden Lebensweise. Das stempelt sie zu einer unsteten Horde und selbst der einheimischen ruthenischen Einwohnerschaft gegenüber benehmen sie sich provocirend, so daß Ruthenen keine öffentliche Lokale, in welchen Masuren sich befinden, betreten. In Schodnica war das gespannte Verhältniß der Masuren zur Sicherheitsbehörde die alleinige Veranlassung zur Eruption. Früher hatte dort keine