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Der Israelit · 1897-06-24 · Heft 50 (24.6.1897) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 50 (24.6.1897)
Date
1897-06-24
Page
– (sequence 17)
Language
German
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24. 3tt«u897.] MellsknAk. Mmlsgr ** Mr. 10. >«» *• SHSIgXSkfürdas Wrthodoxe MudenthumÄ IÖ/M O S E 5^ \v'' -'• •äv ' ' wgiiirinSaftE It RliessgkslhiWll Des alten DMA Oersan diacherzählt von Arnold Mann. -«SS II?) Die Versuchung. Es war acht Tage nach jenem Sabbat, an welchem uns Mosche Gerson die traurige, ja tragische Geschichte vom Premierlieutenant Bettendvrf erzählt hatte. Wiederum war's Sabbat Nachmittag, ein kurzer Wintersabbat, der uns F aber, wenn Mosche Gerson seinen guten Tag hatte, lieb und werth und theuer war. An diesen Wintersabbaten giebt es keine Stunde, die ein so eigenthümliches, ich möchte sagen wehmüthiges Gepräge besitzt, als die kurze Spanne zwischen Mincha und Maariw. Es beginnt meist schon leise zu dämmern, wenn man an einem solchen Sabbat zu Mincha eilt; wie mit Riesenschritten gleiten die Schatten des Abends heran, als wollten sie möglichstZschnell?dem Sabbatfürsten das Szepter entwinden. Aber er — er entfaltet in diesen Minuten seinen süßesten Frieden, weich und sanft legt er dann seine zarten Hände auf unser Haupt und segnet uns doppelt, da er uns so schnell entweicht. Wer auch nur eine Spur jener Empfänglichkeit besitzt, durch die den Juden feine Religion mit einem Strahlenkränze inniger Begeisterung umgiebt, dessen Herz weitet sich in dieser Dämmerungsstunde eines Wintersabbat, als wollte es den Frieden einer Welt in sich ausnehmen und *) Die erste dieser Erzählungen befindet sich in Nr. 97 des vorigen Jahrgangs dieser Zeitschrift. dann wieder aus sich ausstrahlen, der vernimmt Stimmen, die ihm sonst nimmer tönen, süß und traut, wie Kindheitsklänge, sie summen und surren in ihm ohne Rast und ohne Ruh und verdichten sich dann wehmüthig zu dem alten David'schen Abschiedslied : „I^sdondd boruelt adoschem Zuri-" Bei uns war diese Stunde „zwischen Licht" — wie sie Mosche Gerson zu nennen pflegte — geweiht durch die wundersamen Geschichten, die dieser merkwürdige Mann uns erzählte und deren Charakter ich bereits früher ausführlich beschrieben habe. Ich vergesse niemals die athemlose Spannung, die bei der Erzählung von Dina Rosenstock und dem Lieutenant in unserer Mitte Platz griff, sowie das gedrückte Schweigen, als Mosche Gerson geendet hatte. Die Flügelschläge des traurigen Geschicks, denen dieser christliche Lieutenant unter so merkwürdigen Umständen erlegen war, schienen um unser Haupt zu wehen, eine heilige Stille trat ein, die sich jeder zu unterbrechen scheute, weil sie jeder als etwas Heiliges und Unantastbares empfand. So war es immer gewesen, wenn Mosche Gerson ernste Saiten angeschlagen hatte, immer aber war er selbst es auch, der bald darauf mit einer luftigen Schnurre die Stimmung belebte und aufs Neue erfrischte. Als wir nun an jenem Sabbat, der auf den durch Dina Rosenstocks Bekanntschaft ausgezeichneten folgte, wiederum um Mosche Gerson saßen und standen, nachdem er uns zu sich in seine dicht bei

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